Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

GrafenWirt in Aich überzeugt mit moderner Wirtshausküche

Beim GrafenWirt wird zeitgemäß fortgeschriebene Wirtshausküche ohne verkrampft-kreativ eingesprungen Dreifach-Axel serviert.

Wurzelfleisch vom Saibling.
© Stephanie Fuchs
Wurzelfleisch vom Saibling.
Georg Hoffelner
Themenlead Kulinarik

Menschen, die wandern gehen, haben am Ende doch immer das gleiche Ziel: die Einkehr. Im Ennstal bieten sich dazu unzählige Möglichkeiten. Was freilich nicht heißt, dass der kulinarischen Sorgfaltspflicht überall gleichermaßen nachgekommen wird. Wer in Aich beim GrafenWirt von Familie Danklmaier einschleift, schöpft aber schon bei der Begrüßung durch den unverstellt amikalen Service, spätestens aber beim Speisekartenstudium den Verdacht, dass hier weit abseits des Bernerwürsteläquators gearbeitet wird.

Getrüffelte Sellerie-Schaumsuppe samt Pulled-Pork-Filoteigstangerl.
© Stephanie Fuchs
Getrüffelte Sellerie-Schaumsuppe samt Pulled-Pork-Filoteigstangerl.

Eine Vermutung, die sich zum Start mit einer schön wurzeligen, zärtlich getrüffelten Sellerie-Schaumsuppe samt Pulled-Pork-Filoteigstangerl (8,80 €) und GrafenWirt Sulz mit Rucola, Käferbohnen und Grammelstrudel (12,80 €) bestätigt. In der Einzelkritik kommen die hausgemachte Sulz, das fluffig würzige Hausbrot und die gezähmt säuerliche Kernöl-Essig-Marinade fantastisch weg. Letztere wurde aber gar übermütig eingegossen, zum Nachteil der Sulz und der Konsistenz des Grammelstrudelstangerls.

GrafenWirt Sulz mit Rucola, Käferbohnen und Grammelstrudel.
© Stephanie Fuchs
GrafenWirt Sulz mit Rucola, Käferbohnen und Grammelstrudel.

Perfekt dafür Alpen Carbonara (17,80 €), die sich nach effektvoller Rauchglocken-Enthüllung als flauschiges Stundenei unter einem babylonischen Turm aus omawürdigen Nockerln in einer frischen, mild-käsigen Sauce präsentiert. Dank der Berieselung mit Hirschrohschinken und Belper Knolle erfährt das Ganze einen Umami-Boost, der einem – pardon – direkt ins Gehirn fährt. 10 von 10!

Auch kein Bemmerl ist das Schladminger Bierfleisch (21,80 €): Wunderbar mürbe Stücke vom Freilandschwein der Geschwister Rauch in einer samtigen Biersauce, die hochelegant zwischen Süße und Säure, Kraft und Finesse balanciert, dazu wilder Brokkoli und handgeschnitzte Bröselnudeln fern jeder letscherten Ö-Norm – super!

Schladminger Bierfleisch.
© Stephanie Fuchs
Schladminger Bierfleisch.

Da kann das Wurzelfleisch vom Saibling (28,80 €) nicht ganz mithalten. Zum zögerlich auf der Hautseite gebratenen und zu durchgegarten Saiblingsfilet stößt nur vor, wer ein Hochhaus an Gemüse und Kren abträgt, zudem fügt sich die Kombination aus Kartoffelpüree und Kartoffelnest wenig harmonisch ins Gesamtbild ein. Das kann leider auch der wunderbare Wurzel-Fischsud nicht mehr ganz herumreißen.

Alpen Carbonara.
Alpen Carbonara.

Was bleibt? Gehen Sie in Schladming-Dachstein wandern oder lassen Sie es, aber gehen Sie zum GrafenWirt. Weil ein Wirtshaus, in dem eine derart auf Qualität und Handwerk bedachte, patinabefreite Regionalküche zu Tisch kommt, füllt nicht bloß den Magen, sondern umarmt die Seele.

GrafenWirt 

Vorstadt 1
8966 Aich-Assach
Küchenzeiten:
Mi-So 11.30–16 und 17.30–20.30
Kontakt:
Tel. (3686) 43 07
info@grafenwirt.at
●●●●○