Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Mürzzuschlager Fotografin: „Die Natur überrascht einen immer wieder“

Als Naturfotografin, Autorin und Filmemacherin ist Christine Sonvilla auf der ganzen Welt unterwegs. Sie spricht über ihren Werdegang, ihre spannendsten Projekte und ob auch ein Dreh in der Obersteiermark ansteht.

Christine Sonvilla ist studierte Biologin und beschäftigt sich als Fotografin und Filmemacherin intensiv mit Naturthemen
© Marc Graf
Christine Sonvilla ist studierte Biologin und beschäftigt sich als Fotografin und Filmemacherin intensiv mit Naturthemen
Moritz Prettenhofer
Redakteur Regionalredaktion Mürztal

Frau Sonvilla, Sie sind als Naturfotografin und Filmemacherin tätig. War es für Sie schon von Kindesbeinen an klar, dass es Sie beruflich dorthin bewegt?

Eigentlich nicht. Nach der Matura habe ich gewusst, dass ich gerne etwas mit Natur machen würde. Dann war es naheliegend, dass ich Germanistik und Französisch studiert habe (lacht). Sprache hat mich auch schon immer interessiert, allein war mir das aber zu wenig. Deshalb habe ich ein Biologiestudium angeschlossen und wäre beinahe wissenschaftlich aktiv geworden.

Warum kam es dann nicht dazu?

Bevor ich ein Doktorat in Australien angenommen habe, wurde mir klar, dass es mich gemeinsam mit meinem Lebensgefährten Marc Graf eher in die Nische des Geschichtenerzählens treibt. Bei mir zuerst mit einem Fokus auf Texte, dann kam das Fotografieren dazu, weil es ein super Medium ist, um das Geschriebene noch besser zu transportieren. Und dann noch das Filmen, was inzwischen die Hauptarbeit ausmacht.

Zur Person

Christine Sonvilla wurde 1981 in Klagenfurt geboren und wuchs in der Nähe von Feldkirchen auf. Wohnhaft ist sie in Mürzzuschlag.

Nach dem Studienabschluss in Germanistik und Biologie machte sie sich mit ihrem Lebensgefährten Marc Graf als Fotografin und Filmemacherin selbstständig.

Ihre gemeinsamen Arbeiten wurden in internationalen Magazinen wie „National Geographic“ abgedruckt und mehrmals prämiert. Zudem haben Sonvilla und Graf bereits mehrere Bücher veröffentlicht.

Wo waren Sie in Ihrer Tätigkeit bereits unterwegs?

In Europa schon an vielen Ecken, sehr viel haben wir schon in Skandinavien gemacht. Vor ein paar Jahren hatten wir auch einen Schwerpunkt in den Florida Everglades, das hat uns irrsinnig fasziniert. Auf den ersten Blick denkt man sich: „Was tut sich da eigentlich?“ Aber wenn man mal in so einen Lebensraum eintaucht, ist das sehr spannend. Das war auch bei unserem jüngsten Projekt in Zentralasien so.

Wie läuft ein Dreh bei Ihnen grundsätzlich ab?

Im Vorfeld bereiten Marc und ich uns intensiv vor, weil wir eben wissen, dass wir bestimmte Tierarten im Idealfall mit diesem oder jenen Verhalten in ihrem Lebensraum dokumentieren wollen. Aber vor Ort ist es dann immer so, dass man selbst bei bester Vorbereitung immer wieder von der Natur überrascht wird.

Braucht es beim Dreh mit Tieren viel Geduld, um die richtigen Aufnahmen zu bekommen?

Zuerst muss man überhaupt die Möglichkeit bekommen, sie zu filmen. Man tastet sich da sukzessive heran und es braucht also viel Vorarbeit mit lokalen Wissenschaftlern und Naturschützern, bevor man überhaupt in einem Tarnzelt sitzt. Dann ist es freilich so, dass man oft lange wartet. Ich mag das aber sehr gern, weil man sich dabei so sehr aus dem Alltäglichen herausnimmt und nur auf eine Sache fokussiert.

1 / 3
Für ihre Arbeit war Christine Sonvilla schon weltweit unterwegs
Für ihre Arbeit war Christine Sonvilla schon weltweit unterwegs © Marc Graf

Gibt es für Sie ein Projekt, das besonders hängengeblieben ist?

Ein Kernprojekt ist sicher eines, das wir bisher hauptsächlich fotografisch dokumentiert haben. Da ging es um die großen Beutegreifer, insbesondere um Braunbären, Wölfe und Luchse bei uns in Mitteleuropa und um ihren Wert für unser Ökosystem. Wir haben das „Leben am Limit“ genannt, um zu zeigen, wie viele, vor allem große Tierarten, bei uns am Limit leben. Uns war es wichtig aufzuzeigen, welche Möglichkeiten des Zusammenlebens es gibt. In Slowenien hat man da ein richtiges Vorzeigemodell, wo auf einer Fläche, die ungefähr einem Viertel von Niederösterreich entspricht, etwa 1000 Braunbären leben. Obwohl dort auch Menschen leben, hört man nicht tagtäglich vom nächsten Desaster.

Wie sehen Sie die Lage bei uns?

Oft werden bei uns in dieser Diskussion Wolf und Landwirtschaft gegeneinander ausgespielt und gefragt, was wichtiger ist. Ich finde, wir müssen endlich zu der Erkenntnis erwachen, dass diese Tiere uns nicht nachstellen und uns etwas Böses tun wollen. Es geht darum, ökologische Prozesse wieder in Gang zu bringen. Ein Ökosystem ist nie intakt, wenn die Top-Prädatoren an der Spitze der Nahrungskette fehlen. Natürlich bietet der Wolf Herausforderungen, die für viele Bauern noch oben drauf kommen. Aber im Endeffekt ist er nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Über ihre Arbeit hält Sonvilla auch Vorträge
© Marc Graf
Über ihre Arbeit hält Sonvilla auch Vorträge

Kommen wir abschließend nochmal kurz zu Ihnen: Sie stammen aus Kärnten, ihr Partner aus Oberösterreich und Sie beide haben in Wien studiert. Wie hat es Sie in das Mürztal verschlagen?

Diese Frage bekommen wir lustigerweise ganz oft gestellt. Ich glaube wir sind von der Veranlagung nicht unbedingt Städter und haben uns deshalb von Wien ausgehend umgeschaut. Zuerst vor dem Semmering und dann dahinter. Wir fühlen uns jedenfalls sehr wohl hier.

Was schätzen Sie besonders an der Region?

Man kann leicht ausschwärmen, um in den Bergen unterwegs zu sein. Bei unseren Produktionen tendieren wir auch viel in Richtung Kroatien, was auch ein Stück näher ist. Es ist aber auch das Klima. Hier ist es immer noch kühler als andernorts (lacht).

Könnten Sie sich auch ein Projekt in der Obersteiermark vorstellen?

Mit dieser Idee spielen wir schon lange und sie beginnt auch langsam sich zu formieren. Gewisse kleinere Sachen haben wir schon umgesetzt, aber ein Filmprojekt ist zumindest in Planung. Also es könnte in den nächsten Jahren etwas in diesen Breiten kommen.

Christine Sonvilla lebt mit ihrem Partner in Mürzzuschlag
© Marc Graf
Christine Sonvilla lebt mit ihrem Partner in Mürzzuschlag

Mehr Sommergespräche aus dem Mürztal