Was genau jenen Uber-Fahrgast antrieb, der das Fahrzeug bestieg und sich 360 Kilometer lang von Graz nach Niederbayern chauffieren ließ, weiß man nicht. Ebenso mysteriös hört sich die Erzählung über eine Fahrt an, die bereits nach 160 Metern endete. Jedenfalls zeigen die längste und kürzeste bis dato dokumentierte Grazer Uber-Fahrt schnell, dass der US-amerikanische Fahrdienstvermittler mittlerweile auch in Österreich für unterschiedlichste Zielgruppen und Ziele relevant ist.
Seit 2014 fährt Uber, gerne als „Taxischreck“ tituliert, in Österreich. Angeworfen wurde der Motor in Wien, seit genau fünf Jahren sind die Autos auch in der steirischen Landeshauptstadt aktiv. Nach überschaubar erfolgreichen Anfängen begann das „Werkl“ zuletzt zu laufen. Das vernimmt man in der Branche, das sagt auch Uber selbst.
Zahl der Grazer Fahrten „vervierzigfacht“
2025 war für Uber in Graz das „stärkste Jahr seit Markteintritt“, erklärt Martin Essl, Chef von Uber in Österreich, der Kleinen Zeitung. Man sei dort „überdurchschnittlich stark gewachsen“, alleine im vergangenen Jahr sei die Zahl der Grazer Autos auf der Uber-Plattform um 66 Prozent gestiegen.
Absolute Zahlen will Essl in diesem Kontext nicht nennen – „es gibt ja auch einige Mitbewerber“ –, lieber spricht er weiter über Prozente, über Trends, die das Wachstum nachzeichnen. So hätte sich, vergleicht man das Jahr 2025 mit 2021, die Anzahl der Fahrten in Graz „vervierzigfacht“. Die Zahl der Fahrgäste wiederum sei im selben Zeitraum um den Faktor 20 gestiegen.
Was aber löste das Plus jüngst aus? Einerseits dürften einige „freie“ Taxler, die also ohne fixe Vermittlung im Hintergrund auf „Einsteiger“ warten, Uber zunehmend als zusätzliche Auslastungsmöglichkeit entdeckt haben. So können die Stehzeiten bei Fahrten mit Stammkundschaft, etwa im Rahmen einer Dialysefahrt, ausgenutzt werden.
Uber? „Sehe ich relativ entspannt“
Andererseits habe Mundpropaganda dieses Wachstum zuletzt beschleunigt, heißt es in der Branche. Nicht zuletzt wird schlichtweg ein „gesellschaftlicher Trend“ sichtbar, erklärt Peter Lackner, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Steiermark.
Uber sieht der Branchenvertreter „relativ entspannt und einfach als zusätzlichen Fahrtenvermittler wie 878 oder 2801 in Graz“. Der Befund resultiere auch aus einer vernünftigen gesetzlichen Regelung und der Verankerung einer Mindestentgeltregelung, an die sich auch Uber halten muss.
Taxibranche: „Kein Nachtgeschäft mehr unter der Woche“
Überhaupt hätte sich in der Beförderungsbranche in den letzten Jahren „strukturell einiges geändert“. So gäbe es etwa de facto „kein Nachtgeschäft mehr unter der Woche“, sagt Lackner.
Übrigens: Seit 2024 ist Uber technisch in ganz Österreich verfügbar. Tatsächlich tummeln sich Anbieter – und damit Nutzer – vor allem im urbanen Bereich. Die Ausnahme stellen bis dato Tourismusregionen dar. Egal, ob es sich um Tiroler Skigebiete oder Kärntner Regionen rund um die größeren Seen handelt.
Kommt Uber Eats heuer? „Unwahrscheinlich“
Indes verzögert sich das Ausrollen des Essenszustelldienstes Uber Eats. Für den Sommer 2026 wurde der Start angekündigt, jetzt liegen die Pläne erst einmal auf Eis. Der volle Uber-Fokus gilt der Milliarden-Übernahme von Delivery Hero. Das Österreich-Geschäft der Foodora-Mutter ist zwar nicht vom Deal umfasst – es wird an einen US-Finanzinvestor verkauft –, die Ausrollung von Uber Eats ist dennoch gestoppt.
Aber, so Uber-Chef Essl: „Wir halten am Plan fest, dass Uber Eats kommen wird.“ Wann, wollen wir wissen. Noch heuer? Martin Essl: „Das ist unwahrscheinlich.“