Sie war im Unterhaltungsfernsehen der DDR eine große Nummer und schaffte nach der Wende den Umstieg zum gesamtdeutschen Star: Carmen Nebel. Die Schlagermoderatorin bekam schon kurz nach 1990 ihre ersten Shows bei ARD und ZDF - und sollte bis zu ihrem Ruhestand 2024 noch unzählige weitere moderieren. Am Freitag wird sie 70 Jahre alt.

Geboren wurde Nebel am 24. Juli 1956 in Grimma nahe Leipzig, wo sie auch aufwuchs. Nach der Matura ging sie nach Berlin, wo sie Pädagogik, Anglistik und Germanistik studierte und Oberschullehrerin wurde. Parallel arbeitete Nebel aber immer wieder für das DDR-Fernsehen, nachdem sie mehr durch Zufall an einem Auswahltest für sogenannte Ansagerinnen teilgenommen hatte. Sie sei damals überzeugt gewesen, dass der Kontakt mit dem Fernsehen „keine weitreichenden Folgen“ für sie haben würde, sagte Nebel vor einigen Jahren dem Medienmagazin DWDL. Doch es sollte anders kommen.

Von der Lehrerin zur Moderatorin

Tatsächlich trat Nebel in immer mehr Fernsehshows auf, gab nach einigen Jahren schließlich den Lehrberuf auf und bekam 1989 eine eigene Showreihe mit dem Namen „Sprungbrett“, in der sie Nachwuchstalente vorstellte. Im selben Jahr wurde Nebel als beliebteste Fernsehmoderatorin im Deutschen Fernsehfunk ausgezeichnet.

Der Mauerfall und die Wiedervereinigung, die kurz darauf folgten, bedeuteten für viele Fernsehgrößen aus der DDR das Karriereende - nicht so für Nebel. Schon 1990 moderierte sie die ZDF-Show „Willkommen auf Rügen“ und im Norddeutschen Rundfunk die Regionalsendung „Aktuelle Schaubude“.

„Als die Mauer fiel, war ich einerseits noch jung genug für einen neuen Start und andererseits trotzdem nicht gänzlich unbekannt“, erklärte sich Nebel ihre nahtlose Karriere: „Angst hatte ich tatsächlich keine, was mich übrigens bis heute verwundert - vielleicht lag es daran, dass ich auch einen “richtigen' Beruf hatte“. Die Rückkehr in den Lehrerinnenberuf sei immer eine Option gewesen.

Nötig wurde es nicht, es folgten Moderationen weiterer Sendungen in den öffentlich-rechtlichen Sendern - meist Unterhaltung rund um das Thema Volksmusik, aber auch die ARD-Sportgala moderierte Nebel in den 90er Jahren. Ihren sächsischen Dialekt legte sie dabei weitgehend ab.

Ab 1994 beim „Fest der Volksmusik“

Ihre erste Samstagabendsendung bekam Nebel 1994 in der ARD mit dem „Fest der Volksmusik“. 2004 wechselte sie zum ZDF, wo sie fortan in unregelmäßigen Abständen die Show mit dem Titel „Willkommen bei Carmen Nebel“ moderierte - bis 2021. Zu Gast waren Schlager- und Popsänger, aber auch Persönlichkeiten aus der Filmbranche oder der Politik und der Musik.

„Besonders berührt hat mich der erste Auftritt von Roland Kaiser nach seiner Lungentransplantation 2010“, erinnerte sich Nebel anlässlich ihrer 83. und letzten Sendung 2021 in der „Bild“-Zeitung. „Gern erinnere ich mich auch an den Besuch von Julio Iglesias 2004. Allerdings sprach er nur Spanisch - ich habe leider kein Wort verstanden.“

Nebels Rückzug aus dem Showgeschäft geschah in Etappen. 2023 folgte die letzte Ausgabe von „Heiligabend bei Carmen Nebel“, 2024 von „Die schönsten Weihnachtshits“. Seitdem genießt sie den Ruhestand und die „tolle neue Lebenssituation“, wie sie der Illustrierten „Superillu“ sagte.

Ein Comeback scheint für Nebel nicht in Frage zu kommen. „Haltung und Sprache haben sich verändert - und damit die Protagonisten“, sagte sie im „Superillu“-Interview. „Es ist schon gut so, dass ich nicht mehr dazugehöre.“