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„Technik und Musik passen besser zusammen, als man denkt“

Gloria Ammerer ist die erste weibliche Kapellmeisterin der Bergkapelle Leoben-Seegraben. Die Montanistin spricht über ihren einzigartigen Lebensweg und wie sie bergmännische Tradition und Musik verbindet.

Gloria Ammerer ist Kapellmeisterin der Bergkapelle Leoben-Seegraben
© Harald Tauderer
Gloria Ammerer ist Kapellmeisterin der Bergkapelle Leoben-Seegraben
Klara Erregger
Redakteurin Regionalredaktion Leoben

Frau Ammerer, Ihr Leben ist von zwei Dingen geprägt: der bergmännischen Tradition und der Musik. Wie kam es dazu?

Ich habe mit fünf Jahren begonnen, Musikunterricht zu nehmen. Auch meine Geschwister waren immer sehr musikalisch. Wir sind von unseren Eltern und Großeltern bei allem unterstützt worden, auch in diesem Bereich. Deshalb war die Musik schon ganz früh ein ganz wichtiger Teil meines Lebens. Dazu kommt, dass drei meiner Urgroßväter im Bergbau tätig waren. Da hat die bergmännische Tradition dann auch immer einen großen Stellenwert gehabt.

Warum haben Sie ein Studium an der Montanuniversität begonnen und schließlich doch den Entschluss gefasst, auch ein Musikstudium an der Kunstuniversität Graz abzuschließen?

Ich habe mir immer gedacht, es gibt nichts Schöneres, als das Hobby zum Beruf zu machen. Es hat sich dann aber ganz anders ergeben, und ich habe es sehr geschätzt, dass Technik und Tradition an der Montanuni so hochgehalten werden. Das Miteinander dort hat man sonst nirgends. Aber ich wollte noch mehr. Musizieren auf Hobbyniveau hätte mir nicht gereicht, und ich hätte es mir immer vorgeworfen, es nicht auch mit der Musik versucht zu haben.

Insgesamt spielen Sie fünf Instrumente: Blockflöte, klassische Gitarre, Geige, Klavier und Oboe. Welches ist Ihr Lieblingsinstrument?

Oboe, mein Hauptfach, überwiegt derzeit bei meinen Spielereien. Aber auch Geige spiele ich oft. Mein Coronaprojekt war übrigens das Waldhorn. Aber das steht nicht in meinem Lebenslauf (lacht).

Gloria Ammerer mit ihrer Oboe
© KK
Gloria Ammerer mit ihrer Oboe

Wie haben Sie wieder zum Bergbau bzw. zum Sprengingenieurwesen zurückgefunden?

Wenn ich etwas mache, dann mache ich es zu 100 Prozent. Also habe ich auch dieses Studium abgeschlossen.

Ein monotoner Alltag ist für mich das Schlimmste.

— Gloria Ammerer

Wie lassen sich diese zwei konträren Leidenschaften miteinander verbinden?

Sagen wir es so: Ein monotoner Alltag ist für mich das Schlimmste. Deshalb waren mir Vielseitigkeit und Abwechslung immer ganz wichtig. Technik und Musik passen aber besser zusammen, als man denkt. Während Künstler oft ein bisserl chaotisch sind, sind Techniker zwar lösungsorientiert, aber oft nicht so kreativ. In beiden Bereichen schafft man aber nur etwas, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Alleine kommt man nicht weit.

Ammerer hält sich auch immer wieder unter Tage auf
© KK
Ammerer hält sich auch immer wieder unter Tage auf

Das Bindeglied ist für Sie die Bergkapelle Leoben-Seegraben, bei der Sie die erste weibliche Kapellmeisterin sind.

Genau. Ich habe die Kapelle im Jänner 2022 übernommen und damals überhaupt nicht damit gerechnet. Aber mein Motto ist: Wenn man einen fixen Plan im Leben hat, sieht man manche Chancen gar nicht. Obwohl ich gewusst habe, dass es viel Arbeit ist, habe ich mich dann dafür entschieden.

Was macht die Kapelle für Sie aus? Welche Herausforderungen gibt es?

Der Zusammenhalt, die gegenseitige Unterstützung und die Begeisterung. Unsere Vielfalt an Musik, aber auch, dass man jungen Studierenden das bergmännische Brauchtum näherbringt und Traditionen in die Jetzt-Zeit holt. Diese entwickeln sich dadurch, dass sie gelebt werden, ja auch immer weiter. Wir haben tolle Musiker aus ganz Österreich, für die die Bergkapelle die zweite Heimat in der Ferne ist. Eine Herausforderung sind die sinkenden Studierendenzahlen an der Montanuni – die Bergkapelle ist ja zugleich auch das Universitätsblasorchester. Und natürlich der finanzielle Aspekt, der aber in jedem Verein Thema ist.

Wenn man einen fixen Plan im Leben hat, sieht man manche Chancen gar nicht.

— Gloria Ammerer

Die Bergkapelle feiert heuer ihr 170-jähriges Bestehen und wird mit dem Leobener Kulturpreis ausgezeichnet. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass Sie maßgeblich an dem Erfolg beteiligt sind?

Es ist ein schönes Gefühl und eine ziemlich große Wertschätzung für die vielen Stunden, die da hineinfließen.

Seit 2022 ist Ammerer Kapellmeisterin
© Harald Tauderer
Seit 2022 ist Ammerer Kapellmeisterin

In Ihrem Brotjob arbeiten Sie in einem Ziviltechnikerbüro, außerdem sind Sie Chefredakteurin der Zeitschrift „Der Sprengbefugte“. Wie geht sich das gemeinsam mit der Musik alles aus?

Man muss sehr diszipliniert sein und einen halbwegs guten Plan haben. Ich habe einen super Chef, der mir viele Freiheiten gibt. Mich stört es aber auch nicht, wenn ich am Wochenende arbeite. Die Work-Life-Balance, die für viele so wichtig ist, funktioniert bei mir nicht. Mein Anspruch auf Freizeit ist ein ganz anderer.

Welche Charaktereigenschaften braucht es dafür?

Konsequenz, Selbstdisziplin und Flexibilität. Man darf sich selber nicht zu wichtig nehmen.

Zum 160-jährigen Bestehen der Bergkapelle haben Sie 2016 Carl Orffs Carmina Burana arrangiert und in Leoben aufgeführt. Dieses Jahr haben Sie die Organisationsleitung des ersten Leobener Bergstadtfestes übernommen und die Bergmannsmesse dirigiert. Wie viel Arbeit war das?

Ich organisiere gut und gerne. Auch komplett neue und unterschiedliche Projekte. Das funktioniert nur, wenn andere Leute mitmachen. Der erste Schritt ist also immer, andere von seiner Idee zu überzeugen. Für das Bergstadtfest haben wir aber auch viel Unterstützung von der Stadt Leoben gehabt. Und es hat sich ausgezahlt. Man hat gesehen, was Leoben in ganz Österreich für einen großen Stellenwert hat.

Heuer wurde die Bergmannsmesse im Rahmen des ersten Leobener Bergstadtfestes uraufgeführt
© KLZ / Johanna Birnbaum
Heuer wurde die Bergmannsmesse im Rahmen des ersten Leobener Bergstadtfestes uraufgeführt

Welche Projekte haben Sie in Zukunft geplant?

Langfristig würde ich gerne wieder ein Konzert im Steinbruch, wie im Jahr 2023, organisieren.

Welches musikalische Erlebnis wird Ihnen immer in Erinnerung bleiben?

Ich kann es nicht an einem Erlebnis aufhängen. Es ist immer wieder der Moment während oder kurz vor eines Konzertes, wenn aus ganz vielen Einzelstimmen ein großes Ganzes entsteht.

Zur Person

Gloria Ammerer ist am 30. August 1988 in Leoben geboren und aufgewachsen.

Seit Kindesalter spielt Ammerer mehrere Instrumente.

Nach der Matura am Alten Gymnasium begann sie das Studium „Rohstoffingenieurwesen“ an der Montanuniversität.

Bevor sie das Studium an der Montanuniversität abschloss, pausierte sie mehrere Jahre, um an der Universität für Musik- und darstellende Kunst Graz Oboe für Instrumentalpädagogik zu studieren.

2022 wurde sie zur ersten weiblichen Kapellmeisterin der Bergkapelle Leoben-Seegraben, der ältesten Kapelle Leobens.

Seit 2024 ist sie Mitarbeiterin im Ziviltechnikerbüro DI Martin Erich Lang.

2026 organisierte sie das erste Leobener Bergstadtfest.

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