Bereits am späten Nachmittag nahmen die Jungs von Fat Dog (am Schlagzeug sitzt tatsächlich ein Mann in Hundemaske) mit in genreübergreifende Synth-Rock-Sphären. Eine kleine Sensation der zweite Support-Act: mit den Idles betrat eine Gruppe die Bühne, die mit ihrem frechen Sound unlängst die britische Post-Punk-Szene erschütterte. Das kann man sehr wohl als Kompliment werten. Die große Bühne saugen sie mit ihrem ungefilterten, bewusst nicht immer sauberen Spiel mit Form und Inhalt auf. Vor potentiell polarisierender Politisierung wurde nicht Halt gemacht.

Knapp vor 20 Uhr türmten sich im Inneren des Happel-Stadions lila Wolken auf, ein lauter Schrei verkündete die Ankunft des Hauptgangs. Es ist der markante „growl“ des Dave Grohl, der als Gitarrist, Leadsänger und Bandgründer den Foo Fighters seit 1995 die kreative Stimme leiht. Der multitalentierte Musiker, der den Grunge-Helden von Nirvana in ihrer Blütezeit als Drummer diente, kann sich auch wenige Jahre vor seinem 60. Geburtstag nicht vom Rampensautum befreien. Ohne lange um den heißen Brei zu reden, kramte man sich durch den üppigen Song-Katalog. In 30-jähriger Bandgeschichte kommt einiges zusammen. Von dem Grunge-inhärenten Außenseitertum, für das Nirvana einst eine Lanze brach, sind zumindest textlich Spuren verblieben. „What if I say I‘m not like the others?“ („Was, wenn ich sage, ich bin nicht wie die anderen?“) heißt es in der Hitsingle „The Pretender“, die in den ersten Minuten angerissen wird. Doch bei den Texten, so ehrlich muss man sein, hätte man sich gelegentlich weiter aus dem Fenster lehnen können. Einmal wird an „Zeiten wie diese“ erinnert, an einer anderen Stelle imaginiert man „einen dieser Tage“. Ihrer Linie sind die „Foos“, wie sie ihre Fans getauft haben, im Kern treu geblieben, nur ist eben das Publikum mitgealtert.

Dad-Rock für alle Altersstufen

Aus dem jugendlichen Esprit des Grunge heraus geboren, gelten sie heute als Definition des Dad-Rocks. Sprich: Rockmusik alter Schule, die in vergangenen Zeiten schwelgt, und sich allmählich Radiotauglichkeit erarbeitete. Reaktionär nostalgische Verklärung kann man diesen sympathischen Mittfünfzigern aber nicht andichten. Seines Images ist man sich bewusst, über die musikalische Qualität muss dieses halb-ironische Label ja gar nichts aussagen.

Wie Grohl und sein tragisch dezimiertes Bandkollegium sich an Gitarre, Bass und Keyboard abschuften, war spektakulär zu beobachten. Als Schlagzeuger steht ihnen seit Kurzem das frühere Nine-Inch-Nails-Mitglied Ilan Rubin zur Seite. Ex-Drummer Taylor Hawkins verstarb 2022 in Folge eines drogeninduzierten Herz-Kreislauf-Kollapses. Ein herber Rückschlag, der weiter an der Seele der Band nagt. Nachdem man das Thema freitags lange außen vor ließ, wurde in der letzten Hälfte der Elefant im Raum adressiert. „Show some love to Mr. Taylor“, forderte Dave Grohl gefasst das Publikum auf, ehe er seinem verstorbenen Freund die Nummer „Aurora“ widmete: ein ergreifend balladeskes Stück aus dem rohen Frühwerk. Teils berechtigten Vorwürfen des Sell-Outs und horrenden Ticketpreisen zum Trotz: eine halbgare Show auf die Beine zu stellen, kann man diesen unermüdlichen Superrockern nicht an den Kopf werfen. Bei diesem dreistündigen Best-Of kamen mehr als nur getreue Fans auf ihre Kosten. Eventuell überdauert dieser Dad-Rock doch die Generationen.