„Der Schlüssel zur erfolgreichen Integration ist die Sprache.“ Da sind sich Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ), Roland Goiser und Daniela Berger vom Österreichischen Integrations Fonds (ÖIF) sowie die Integrationsbeauftragte des Landes Kärnten, Mandana Poureh, einig. „Wer Deutsch spricht, kann leichter am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Vorurteile werden abgebaut, wenn Dialog entsteht“, sagte Fellner am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Vorgestellt wurde ein neues Projekt in Zusammenarbeit mit dem ÖIF, das derzeit österreichweit einzigartig sei. Ziel sei es, neu nach Österreich kommenden Personen bereits ab dem ersten Tag eine Perspektive zu bieten. Fellner erklärte, man habe mit der Kärntner „Hausordnung“, die sich an Asylwerber richtet, ein Instrument geschaffen, das sich nicht nur einseitig an diese richtet: „Sie hat auch eine zweite Seite. Nämlich die, dass wir das Angebot zur Integration auch anbieten müssen.“ 

QR-Code im Willkommenspaket

Gemeinsam mit dem Willkommenspaket erhalten Asylwerberinnen und -werber künftig eine Karte mit einem QR-Code. Mit diesem gelangen sie zu einem ersten digitalen Kurs. Ziel sei es, die ersten 100 Wörter und Sätze zu lernen, um Alltagssituationen besser begegnen zu können. „Wir setzen noch vor dem ersten Deutschkurs an“, sagt Daniela Berger, ÖIF-Leiterin der Sparte Sprache. „Die Inhalte behandeln das Grüßen, Einkaufen, das Fragen nach dem Weg und erste Sätze, die man auf der Behörde braucht. Dafür gibt es Videos zum eigenständigen Lernen, in ruhigem Tempo, mit vielen Wiederholungen.“ Die Lernenden werden zum Nachsprechen animiert und sollen sich bereits vor dem ersten Präsenzkurs grundlegend verständigen können. Anschließend können sie ihren Wortschatz in wöchentlichen Live-Onlinekursen mit Lehrkräften ausbauen, die bei Bedarf auch Fragen beantworten.

Landeshauptmann Daniel Fellner, Mandana Poureh (Integrationsbeauftragte Land Kärnten), Daniela Berger (Gesamtleitung Sprache ÖIF), Roland Goiser (Stellvertretender Direktor Österreichischer Integrationsfonds ÖIF),
Landeshauptmann Daniel Fellner, Mandana Poureh (Integrationsbeauftragte Land Kärnten), Daniela Berger (Gesamtleitung Sprache ÖIF), Roland Goiser (Stellvertretender Direktor Österreichischer Integrationsfonds ÖIF), © Lpd Kärnten / Kuess

Über 5000 Übungen und 70 Online-Kurse

Der QR-Code führt zunächst zu einem mehrsprachigen Erklärvideo. Nach Abschluss dieses ersten Moduls könne kostenlos weitergelernt werden. Insgesamt stehen mehr als 5000 Übungen und über 70 Online-Kurse zur Verfügung, die rund um die Uhr genutzt werden können. Wer die Grundmodule abschließt, erhält zudem ein Zertifikat. Die erste Testphase ist bereits abgeschlossen, Poureh berichtet von insgesamt 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an zwei Standorten. „Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv. Sie haben sich gefreut, flexibel jederzeit am Smartphone die Module absolvieren zu können.“

Konsequenzen nicht ausgeschlossen

Laut ÖIF bringen Menschen, die nach Österreich kommen, sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit. So bringen viele Ukrainerinnen und Ukrainer bereits gute schulische und berufliche Qualifikationen mit, während im Asylbereich bei rund jeder vierten Person zunächst Alphabetisierungsbedarf besteht. Ein niederschwelliger Einstieg, der unabhängig von Bildungsniveau oder Vorkenntnissen funktioniert, ist daher umso wichtiger. Dabei ist es vor allem entscheidend, die Sprache möglichst früh im Alltag anzuwenden und zu festigen.

Wie Fellner auf Nachfrage sagte, bestehe ein Zusammenhang mit der Kärntner Hausordnung, die ja ein verpflichtendes Deutschlernen vorsieht. In dem vorgestellten Kurs geht es aber in erster Linie nicht darum, dass jeder den Test zu 100 Prozent schafft, sondern um die Bereitschaft zur Integration: „Es gibt ja unterschiedliche Bildungsniveaus.“ Wichtig sei, dass man Willen zeigt. Sehe man überhaupt keine Bereitschaft, dann gebe es auch Konsequenzen, wie etwa eine Halbierung des Taschengeldes.

Reaktionen

„Wir begrßen das neue Online-Deutschlernprogramm für Asylwerber ausdrücklich“, sagt Neos Kärnten-Bildungssprecherin Iris Glanzer. Gleichzeitig pocht sie auf die große Bedeutung von Kindergärten und Schulen für eine gelungene Integration: „In Kindergarten und Schule werden Sprache, Werte und Teilhabe von Anfang an vermittelt. Wer Integration ernst meint, muss genau dort ansetzen und Kindern von Beginn an die bestmögliche Deutschförderung ermöglichen.“ Dafür brauche es kleinere Gruppengrößen und eine stärkere individuelle Förderung.