Wenn man über Johann Ackerer erzählt, muss man über Irschen erzählen. Über ein Dorf, das wie kaum ein anderes vom Miteinander lebt. Vom Vereinswesen. Von Menschen, die an einem Strang ziehen. Und von Kräutern, die hier weit mehr sind als Pflanzen. Sie sind Identität.
Für all das steht Johann Ackerer seit Jahrzehnten. „Er lebt für Irschen“, sagen die Menschen, die ihn kennen. Und kennen tut ihn hier jeder. Als ehemaliger Gemeinderat und Vizebürgermeister oder heute als Obmann des Kräuterdorf Marketing Vereins ist für ihn nach acht Stunden Arbeit in der Werkzeugbranche noch lange nicht Schluss. Kurz heim, duschen – und wieder hinaus unter die Leute. Zur Sitzung, in den Kräutergarten oder zu einer Veranstaltung. „Nicht kritisieren, sondern seinen Beitrag leisten“, lautet sein Motto.
Wer den 63-Jährigen im KräuterHaus PfarrStadel trifft, versteht schnell, warum. Er sitzt selten. Stattdessen huscht er durch den Raum, begrüßt hier jemanden mit Handschlag, macht dort einen Schmäh, erkundigt sich nach Neuigkeiten und verschwindet gleich wieder zum nächsten Gespräch. „Ein herzensguter Mensch, gesellig und fair“, beschreiben ihn seine Wegbegleiter.
Am Samstag feiert das Kräuterfestival sein 25. Jubiläum. Für den Obmann und Gründungsmitglied der ersten Stunde ist es das Sinnbild dessen, was Irschen ausmacht. „Wir wollen nicht das größte Fest sein. Es muss unser Fest bleiben.“ Qualität, Regionalität und Handwerk stehen daher im Mittelpunkt.
140 Freiwillige helfen mit
Dass Irschen heute als Natur- und Kräuterdorf weit über Kärnten hinaus bekannt ist, kommt nicht von ungefähr. Kräuter gehörten hier seit Generationen zum Alltag, das Wissen darüber wurde beinahe wie ein Vermächtnis weitergegeben. Heute fertigen die Menschen im Ort Seifen, Tees, Sirupe, Gewürze, Liköre oder Kräuterkissen. Rund 140 Freiwillige helfen beim Festival mit, sieben Mitarbeiter arbeiten ganzjährig für den Verein, mehr als 60 regionale Produzenten beliefern ihn.
Mit Kräutern selbst, sagt Ackerer lachend, habe er „außer beim Kräuterschnaps“ wenig am Hut. Sein Lieblingskraut ist dennoch die Kamille – weil seine Mutter sie gegen alles einsetzte, vom Bauchweh bis zum blauen Fleck.
Heuer geht der Bergbauer, zweifache Vater und fünffache Großvater nach 48 Berufsjahren in Pension. Sein Engagement für das Kräuterdorf will er trotzdem fortsetzen.