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Künstliche Befruchtung: Diese Kärntner Forscherin sorgt international für Aufsehen

Die St. Andräerin Dorit Kieslinger arbeitet in den Niederlanden im Bereich der In-vitro Fertilisation (IVF). Ihre Forschung wird international diskutiert.

Dorit Kieslinger betreibt als Embryologin Spitzenfoschung und verhilft Paaren zum Kinderglück
© KK/Privat
Dorit Kieslinger betreibt als Embryologin Spitzenfoschung und verhilft Paaren zum Kinderglück
MA Gerfried Ambrosch
Redakteur Regionalredaktion Lavanttal & Völkermarkt

Seit 2009 forscht und arbeitet Dorit Kieslinger aus St. Andrä als klinische Embryologin im Bereich der künstlichen Befruchtung am Amsterdam University Medical Center in Holland. In den letzten Jahren hat sie ihre Forschungsarbeit auf internationalen Kongressen in Europa, den USA und Australien präsentiert. Außerdem erhielt sie den Fertility Society of Australia and New Zealand Exchange Award, „eine Auszeichnung für die beste Präsentation auf dem Kongress in Mailand 2022, mit dem ich 2023 meine Arbeit in Australien präsentieren konnte“, erzählt die 44-Jährige. Eine Studie, die sie geleitet hat, wurde im renommierten Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ veröffentlicht.

Ausgezeichnet
© KK
Ausgezeichnet
Dorit Kieslinger am Infostand an der Schule ihrer Kinder zum Thema smartphonefreie Kindheit
© KK/Privat
Dorit Kieslinger am Infostand an der Schule ihrer Kinder zum Thema smartphonefreie Kindheit

Doch damit nicht genug: „Privat engagiere ich mich ehrenamtlich im Vorstand der Initiative smartphonefreie Kindheit in den Niederlanden, da ich finde, dass die Kindheit zu kurz ist, um sie am Smartphone zu verbringen“, so die Mutter zweier perfekt holländisch und deutsch sprechender Buben, 6 und 8 Jahre alt. „Unsere Kinder bekommen kein Smartphone bis sie 14 Jahre alt sind, sondern, wenn es notwendig ist und sie selbstständiger werden, ein einfaches Telefon ohne Internet.“

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Dorit Kieslinger und ihr holländischer Partner um 2009 in Holland...
Dorit Kieslinger und ihr holländischer Partner um 2009 in Holland... © KK/Privat

Mit „unsere“ meint sie sich und ihren holländischen Partner, den sie 2007 beim Erasmus-Aufenthalt in Utrecht im Studentenwohnheim kennenlernte. Nach ihrem Studium der Zoologie an der Karl-Franzens-Universität Graz entschloss sie sich, ganz in die Niederlande zu gehen. Wie sie als Biologin zur künstlichen Befruchtung, also In-vitro-Fertilisation (IVF), kam? „Die Fortpflanzungsbiologie des Menschen hat mich einfach interessiert. In Holland ist es so, dass sich Ärzte um die Patienten kümmern, etwa bei der Stimulation der Eierstöcke, während im Labor Biologen beziehungsweise Embryologen verantwortlich sind.“ Familiär war der medizinische Bereich außerdem nicht weit. „Mein Vater ist Zahnarzt, mein Bruder Neurologe und mein Schwager Gynäkologe.“

Forschung und Praxis

Seit heuer hat Kieslinger, die im Jahr 2000 am Stiftgymnasium St. Paul maturierte, auch einen Doktortitel inne. Am 13. Mai dieses Jahres verteidigte sie ihre Doktorarbeit zur Entwicklung technologischer Innovationen auf dem Gebiet der künstlichen Befruchtung. „Gemeinsam mit 15 niederländischen Kinderwunschzentren führte ich im Rahmen meiner klinischen Arbeit und Dissertation die weltweit größte randomisierte Studie zur Anwendung von Time-Lapse-Monitoring bei IVF-Behandlungen durch, an der 1731 Paare teilnahmen“, erläutert Kieslinger. „Das Time-Lapse-Monitoring, das eine lückenlose Beobachtung der Embryonalentwicklung ermöglicht, ohne die Embryonen aus dem Brutschrank nehmen zu müssen, wurde über Jahre hinweg stark gehypt“, so die Expertin. Eine Verbesserung der Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten war jedoch nicht nachzuweisen.

Dorit Kieslinger
© KK
Dorit Kieslinger

Dasselbe gelte für die vermeintlich verbesserte Embryonenselektion durch Algorithmen und künstliche Intelligenz. „Wenn Kinderwunschzentren in teure Innovationen investieren, die keinen nachweisbaren Mehrwert bieten, steigen langfristig auch die Kosten des Gesundheitssystems“, kritisiert Kieslinger.

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Im Labor
Im Labor © KK/Privat

Wie sieht nun ihr Arbeitsalltag im Labor aus, in dem durch künstliche Befruchtung aus Samen- und Eizellen Embryonen entstehen, bevor sie der Frau eingesetzt werden? „Das läuft die letzten 40 Jahre schon gleich ab: Am dritten oder fünften Tag wählt man unter dem Mikroskop den fittesten Embryo von durchschnittlich sieben – bei jüngeren Frauen mehr, bei älteren weniger – aus. Den mit der höchsten Chance auf Schwangerschaft transferieren wir als erstes.“ Nach 14 Tagen erfolgt dann der Schwangerschaftstest. Die restlichen Embryos werden eingefroren. „Wir versuchen, kein menschliches Potenzial zu vergeuden.“

Kieslingers (rechts) Ebryologenteam in Amsterdam
© KK/Privat
Kieslingers (rechts) Ebryologenteam in Amsterdam

Übrigens könne man technisch gesehen bereits am dritten Tag nach der Befruchtung das Geschlecht feststellen, wenn etwa Zellmaterial entnommen wird, um eine die Lebensfähigkeit limitierende genetische Krankheit auszuschließen. „Aber heutzutage wird praktisch immer erst am fünften Tag eine Biopsie durchgeführt“, räumt Kiesinger ein.

Kindheit
© KK/Privat
Kindheit

Wer nimmt IVF in Anspruch? „Die Frauen sind meistens schon älter, oder die Samenqualität des Mannes ist schlecht“, fasst Kieslinger zusammen. Was Fruchtbarkeit angeht, fehle heute oft das Bewusstsein. „Die Medien zeigen Frauen, die bis 45 Kinder bekommen, aber das ist die Ausnahme. Die Zahl und Qualität der Eizellen nimmt mit steigendem Alter ab.“

Brot, Kernöl, Käferbohnen

Dreimal im Jahr kommt Kieslinger mit ihrer Familie ins Lavanttal. Dann fährt sie auf die Koralm Skifahren oder wandern oder an einen See. „Die Farbe vom Wörthersee geht mir immer so ab“, sagt sie, „aber dafür hat man in Holland das Meer in der Nähe.“ Vor der Rückfahrt deckt sie sich mit Brot, Kernöl und Käferbohnen ein. Diese Auswahl sei wohl „steirisch eingefärbt“, hat sie doch nach der Matura von 2000 bis 2008 in Graz gewohnt. Abgesehen von der Kulinarik, was sind sonst die kulturellen Unterschiede? „Die Holländer sind allgemein ein bisschen direkter.“ Auch sei die Fahrradkultur eine andere. „Autos verwendet man in Amsterdam kaum.“ Ihre Kinder transportiert sie im Lastenrad.

Kindertransport per Lastenrad
© KK/Privat
Kindertransport per Lastenrad

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