Der Kärntner Landesrechnungshof (LRH) hat in einem aktuellen Bericht den Kärntner Landesrechnungsabschluss 2025 untersucht und ortet angesichts negativer Zahlen ein „deutliches Warnsignal“. So habe Kärnten weiterhin die höchste Pro-Kopf-Verschuldung auf Landesebene. Die Sparquote lag das dritte Jahr in Folge unter der empfohlenen Mindestsparquote und die freie Finanzspitze war mit minus 123,6 Millionen Euro negativ, geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Bericht hervor.
Die Gesamtschulden des Landes stiegen im Jahr 2025 auf 4,3 Milliarden Euro - um 273,7 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Pro-Kopf-Verschuldung stieg von 7084 Euro auf 7563 Euro an. Damit weist Kärnten auf Landesebene weiterhin die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller österreichischen Bundesländer auf. „Der hohe Schuldenstand schränkt die finanziellen Handlungsspielräume des Landes zunehmend ein und erhöht die Belastungen für künftige Budgets“, formulierte es LRH-Direktor Günter Bauer.
Kein Geld für Investitionen
Einzahlungen von 3,53 Milliarden Euro standen Auszahlungen von 3,83 Milliarden Euro gegenüber, was einen negativen Nettofinanzierungssaldo von 301 Millionen Euro ergab. Ebenso entwickelten sich weitere wichtige Kennzahlen zur Beurteilung der finanziellen Leistungsfähigkeit des Landes negativ. So erreichte das Land 2025 ein öffentliches Sparen in Höhe von 82 Millionen Euro. „Die öffentliche Sparquote betrug 2,4 Prozent und lag das dritte Jahr in Folge unter der empfohlenen öffentlichen Mindestsparquote von fünf Prozent“, hieß es von den Prüfern, die eine „unzureichende Ertragskraft des Landes“ sehen.
Die freie Finanzspitze betrug minus 123,6 Millionen Euro - das bedeutet, dass nach Tilgung der Finanzschulden keine finanziellen Mittel für Investitionen zur Verfügung stehen. „Eine negative freie Finanzspitze bedeutet, dass das Land nicht in der Lage ist, seine Investitionen aus dem laufenden Budget zu finanzieren. In diesem Fall müssen neue Schulden aufgenommen werden, um Investitionen überhaupt tätigen zu können. Das ist ein deutliches Warnsignal“, sagte der LRH-Direktor.
Land zahlt Rechnungen zu spät
Im Rahmen der Überprüfung des Rechnungsabschlusses führte der LRH auch eine „Ordnungsmäßigkeits- und Belegprüfung“ durch. Dafür zog der LRH 875 Stichproben und analysierte unter anderem die Einhaltung von Zahlungsfristen, die korrekte Verbuchung von Geschäftsfällen sowie den digitalen Rechnungsprozess. Das Ergebnis: Von den 875 geprüften Belegen wiesen 462 Mängel auf (52,8 Prozent). Die meisten Mängel waren überwiegend formaler Natur, konnten jedoch finanzielle Folgen haben - so überschritt das Land bei 301 von 724 geprüften Eingangsrechnungen (41,6 Prozent) die Zahlungsfrist. Luft nach oben sehen die Prüfer einmal mehr in Sachen Digitalisierung: Im Jahr 2025 erhielt das Land 37.661 E-Rechnungen. Davon wurden 74,4 Prozent mittels digitalem Rechnungsprozess bearbeitet, die übrigen 9625 E-Rechnungen zuerst ausgedruckt.
Mit der Kritik des LRH konfrontiert, verwies Finanzreferentin Gabriele Schaunig (SPÖ) am Dienstag bei einer Pressekonferenz auf einen „laufenden Budgetkonsolidierungsprozess“, und mit der Auflösung des Kärntner Ausgleichszahlungsfonds habe man nun wieder die Möglichkeit bekommen, den Schuldenstand zu reduzieren. Auch Landeshauptmannstellvertreter Martin Gruber (ÖVP) erklärte, man habe durchaus schon Einsparungen vorgenommen: „Und der zweite wichtige Punkt ist, dass wir in die Strukturen gehen.“ Dazu habe man die Zahl der Abteilungen auf zehn plus die Landesamtsdirektion reduziert, bis 2030 will man außerdem 300 Stellen im Landesdienst nicht nachbesetzen.
Vor Reformen nicht mehr davonlaufen
Kärntens FPÖ-Parteiobmann Erwin Angerer merkte an, SPÖ und ÖVP hätten das Land „finanziell an die Wand gefahren“. Und: „Reformen erst jetzt anzukündigen, die man in wirtschaftlich besseren Zeiten hätte beginnen sollen, und auf höhere Steuereinnahmen zu hoffen, wird sicherlich zu wenig sein, um das Budget in Kärnten zu sanieren.“
Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer sieht die Kritik seiner Partei an der Finanzpolitik des Landes durch den aktuellen Bericht bestätigt. „Diesen Schuldenrucksack trägt jeder Kärntner, vom Baby bis zum Pensionisten“, sagt Köfer. Die Landesregierung könne vor echten Reformen nun nicht mehr davonlaufen. „Kärnten leistet sich Strukturen, die nicht mehr finanzierbar sind. Gleichzeitig drücken Altlasten und steigende Zinsen immer stärker auf das Budget. Wer jetzt weiter schönredet, gefährdet die Handlungs- und Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, sagt Köfer.