Als erster Technologiepark der Welt gilt der Stanford Research Park im kalifornischen Palo Alto, der als Partnerschaft zwischen der Stanford Universität und der Stadt gegründet wurde. Er gilt als Motor des Silicon Valley. Kärnten hat mit dem Lakeside Park in Klagenfurt und dem High-Tech-Campus in Villach bisher zwei dieser „Wissensdreiecke“, die durch die räumliche Konzentration von Forschung und Unternehmen aus ähnlichen Branchen höchst relevante Innovations- und Impulszentren von Regionen sind.
Mit dem Ende des Architekturwettbewerbs, aus dem das in Wien und Sarajevo beheimatete Studio „Open South North Architecture Practice“ in Kooperation mit dem Team von Stoiser Wallmüller Architekten sowie Landschaftsplaner Florian Absmanner vom Studio LandForm aus Salzburg siegreich hervorgegangen ist, nimmt nun der dritte Kärntner Technologiepark, der Technologiepark Lavanttal, Gestalt an.
Auf einer Fläche von mehr als 90.000 Quadratmetern, die dem Stift St. Paul gehört, die aber die Technologiepark Lavanttal GmbH kaufen wird – sie ist derzeit Brachland –, soll der Park ab Frühling 2028 hochgezogen werden. Für die erste Baustufe, die nicht nur Büros, Labore und Werkstätten beinhalten wird, sondern auch Spielplätze, Kindergärten und Restaurants, kommen vom Land Kärnten 30 Millionen Euro.
Das Architektenteam hat seine Idee unter die Schlagworte „Produktive Landschaft“ bzw. „Forschungslandschaft“ gestellt. Den Grundriss des Parks haben die Planer laut Architekt Ulrich Hagen in sieben Streifen, also sieben Baufelder unterteilt, in denen jeweils -zig Bäume einer Sorte gepflanzt werden, darunter Erlen, Kiefern und Weiden. Die Pflanzen sollen nicht nur Schatten spenden und die Technologiepark-Schwerpunkte Nachhaltigkeit und moderne Werkstoffe visualisieren. Sie sollen auch beforscht und geerntet werden, wie Landschaftsplaner Florian Absmanner das nennt. Aus Weiden etwa könne man Konstruktionsholz und Holzfäden gewinnen. Und sogar Phytomining betreiben – also aus ihrer Asche Metalle gewinnen. Absmanner spricht von den Bäumen als einer „Rohstoffbibliothek“. Um sie auch beschreiten zu können, werden Sitzskulpturen in die Parkwälder gestellt.
Geparkt wird laut Architekt Fabian Wallmüller in Hochgaragen, damit das Zentrum des Technologieparks autofrei bleibt. Die Architekten gehen von einem Stellplatzschlüssel von 0,5 aus, also von einem halben Auto pro Beschäftigtem. „Falls in weiterer Folge doch mehr Mitarbeiter mit dem Zug kommen, können die Garagen wieder demontiert werden.“
Die Holzbauten basieren laut Architekt Christoph Hinterreiter auf einem Modulsystem. Auf Gebäudesockel werden Bürotürme aufgesetzt. Geheizt und gekühlt wird mit Geothermie.
Dass die Projektpräsentation eine große Rolle für Kärnten spielt, konnte man an der Riege der Präsentatoren ablesen: Landeshauptmann Daniel Fellner, Babeg-Chef Markus Hornböck, Technologiepark-Geschäftsführer Bernhard Lamprecht, Stefan Salzmann, Bürgermeister von St. Paul, und Johann Steiner, Wirtschaftsdirektor des Stifts. Und auch daran, wo die Präsentation stattfand: im Trauungssaal von St. Paul. Dort sind die Pläne des Siegerprojektes und auch die der anderen fünf ausgezeichneten Projekte noch bis 7. Juli ausgestellt.