Wo kamen die Stimmen für den neuerlichen Wahlerfolg der KPÖ her? Das haben sich die Forscher von Foresight in der Wählerstromanalyse angeschaut. Und die Ergebnisse zeigen: Elke Kahr und ihre Kommunisten haben sich vor allem aus dem früheren Wählerpool ihrer Koalitionspartner Grüne und SPÖ bedient.

Konkret hat fast jede und jeder Dritte – exakt waren es 28 Prozent –, die 2021 noch Grün gewählt haben, diesmal bei der KPÖ ihr Kreuz gemacht. In absoluten Zahlen sind das fast 6000 Stimmen, die von Grün zu Dunkelrot gewandert sind. Das ist bei insgesamt 17.126 Grün-Stimmen am Wahltag 2026 ein spürbarer Brocken. Bei der SPÖ waren 1500 Stimmen, die diesmal an die KPÖ gingen, das entspricht 14 Prozent der früheren SPÖ-Wählerinnen und Wähler.

Die Wählerstromanalyse von Gemeinderatswahl 2021 zu 2026

Noch dramatischer ist das Bild, wenn man das Wahlverhalten von der Landtagswahl 2024 mit der Gemeinderatswahl vom Sonntag vergleicht: Da sind es gleich 35 Prozent aller Grün-Wähler aus Graz, die diesmal zur KPÖ gewechselt sind, und überhaupt 51 Prozent der SPÖ-Wähler, aber auch 23 Prozent der Neos-Leute.

Der Wähleraustausch zwischen KPÖ und ÖVP sowie FPÖ hielt sich diesmal in Grenzen, dafür konnte Kahr am stärksten ehemalige Nichtwähler mobilisieren: acht Prozent oder 3000 Stimmen im Vergleich zu 2021. Auch der Wechsel von Mario zu Elke – gemeint Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) und Elke Kahr – war laut Foresight-Zahlen nicht allzu ausgeprägt: Sieben Prozent der Grazer, die 2024 im Land FPÖ gewählt haben, haben diesmal KPÖ gewählt. Bei der ÖVP sind es überhaupt nur drei Prozent.

SPÖ und FPÖ verloren die meisten Stimmen ans Nichtwählerlager

Was aus den Zahlen noch heraussticht: FPÖ und SPÖ konnten diesmal offensichtlich am schlechtesten mobilisieren. Die SPÖ verlor fast jeden dritten Wähler von 2021 an das Nichtwähler-Lager (29 Prozent), bei den Freiheitlichen waren es 25 Prozent. Bei den Grünen? Null! Laut Foresight haben also alle Grün-Wähler aus 2021 erneut ihre Stimme abgegeben, aber nur 44 Prozent von ihnen wieder bei Judith Schwentner. Neben der KPÖ hat man auch massiv an die ÖVP verloren (21 Prozent). Das ist praktisch eine Umkehrung zu 2021: Damals hatten die ÖVP viele Wählerinnen und Wähler an die Grünen verloren (16 Prozent).

Schlechter im Halten der Stammwähler waren nur die SPÖ und die Neos, die jeweils nur 36 Prozent ihrer 2021er-Wähler wieder zu einem Kreuz bei ihnen überzeugen konnten. Die Neos haben vor allem an die ÖVP abgegeben (32 Prozent). Am stärksten war auch hier die KPÖ: Sie konnte 73 Prozent ihrer Wählerschaft von 2021 halten, die ÖVP 64 und die FPÖ 60 Prozent.