Einer der umstrittensten Momente der Formel-1-Geschichte passierte vor 24 Jahren genau dort, wo heuer Kimi Antonelli, Lewis Hamilton und Co um den Sieg kämpfen. Beim Großen Preis von Österreich 2002 lag der Brasilianer Rubens Barrichello bis zum Schluss auf Erfolgskurs und fuhr dem Sieg am Ring entgegen. Wenige Augenblicke vor dem Ende bekam Barrichello aber den Funkspruch und wurde aufgefordert, seinen Teamkollegen vorbeizulassen. Das geschah schon ein Jahr zuvor, als der Brasilianer den zweiten Platz an seinen deutschen Ferrari-Partner abgeben musste.

Unglaublicherweise hörte die Nummer zwei der Scuderia in beiden Jahren auf den Befehl. Nur wenige Meter vor der Ziellinie wurde der Brasilianer 2002 langsamer, um Schumacher vorbeizulassen. Der geschenkte Sieg brachte dem Deutschen nicht nur mehr Punkte, sondern auch ein Pfeifkonzert der Fans ein. Auf dem Podium versuchte Schumacher zwar die Wogen zu glätten, als er seinem Teamkollegen symbolisch die Siegertrophäe überreichte, ändern sollte sich an der Erzählung dieses Rennens jedoch nicht. Bis heute ist die Schmach bekannt und die wohl skandalöseste Teamorder der Formel-1-Geschichte.

Kein böses Blut bei Barrichello

Die Erinnerungen daran sind beim damaligen Unglücksraben noch präsent. „Ich war relativ neu bei Ferrari und der einzige Grund, warum ich Michael vorbeigelassen habe, war, dass ich weitere Chancen bekommen wollte. Es war auch eine wichtige Entscheidung für mich und ich würde es auch noch einmal machen.“ An alle Außenstehenden, die in den vergangenen Jahren meinten, dass sie so etwas nie gemacht hätten, hat Barrichello beim Besuch am Ring eine klare Botschaft. „Wenn das jemand sagt, hat er keine Ahnung.“

Bereits 2001 kam es zum Positionswechsel, wenngleich es damals „nur“ um den zweiten Platz ging. An ein Gespräch danach kann sich der 54-Jährige aber heute noch erinnern. „Ich habe das Team danach gefragt, wie sie gehandelt hätten, wenn ich Erster gewesen wäre. Sie haben gesagt, dass sie dann niemals gefragt hätten.“ Doch genau ein Jahr später kam eben diese Frage beziehungsweise Aufforderung erneut – und Barrichello horchte. „Ich bin so lange in schlechten Autos gesessen und dann war ich im Ferrari, der eines der besten Autos war. Ich habe einfach langfristig gedacht und wollte damit meine Chancen erhöhen.“

Symbolisch überreichte Schumacher seinem Teamkollegen Barrichello 2002 die Siegertrophäe
Symbolisch überreichte Schumacher seinem Teamkollegen Barrichello 2002 die Siegertrophäe © Imago

Legende freut sich auf seinen Einsatz

Böses Blut hätte es aber nie gegeben, der VIP-Gast stattete seinem ehemaligen Rennstall in Spielberg auch einen Besuch ab und sitzt am Sonntag bei der Legends-Parade im Ferrari aus dem Jahr 2002. Für ihn ein besonderer Moment: „Es wird fantastisch. Ich bin schon so lange nicht mehr in einem Formel-1-Auto gesessen. Und wisst ihr, was das Schönste ist? Der Rennsitz im Auto ist noch immer mein alter Sitz aus aktiven Zeiten. Ich passe noch immer rein und das macht mich so glücklich. Zwar bin ich nicht mehr zu 100 Prozent auf dem damaligen Fitnesslevel, aber es geht sich aus, auch, wenn es enger ist.“