Die roten Kunststoffvorhänge wirken wie aus einer fernen Galaxie. Es wird viel geschweißt bei Anlagenbau Austria, daher die Sichtschutz-Bahnen zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen. Weil die Produktion erst nächste Woche startet, führt Betriebsleiter Patrick Pongratz am Freitag die Eröffnungsgäste durch die neue, 2500 Quadratmeter große Fertigungshalle mit den Schweißtischen, den Vorrichterplätzen, den Maschinen für Blechtafeln und dem Prüfbereich, wo letztlich jede Schweißnaht noch einmal geprüft wird – auch von innen, mit einer Kamera.

„Lage ist hier in Völkermarkt strategisch perfekt“

Zehn Millionen Euro hat Anlagenbau Austria in den neuen Standort in der Max-Planck-Straße im Völkermarkter Industriepark investiert. Das Gelände in Kühnsdorf wurde dem 2019 in Tamsweg in Salzburg gegründeten Unternehmen zu klein. Zwei Jahre dauerte die Bauzeit. „Die Lage ist strategisch perfekt für uns: gleich bei der Autobahn, großes Einzugsgebiet, die guten HTLs in Kärnten, die Anbindung zu Graz“, sagen die Gründer und Geschäftsführer Markus Seitlinger und Thomas Fritzl. 100 Mitarbeiter werden hier in Produktion und Verwaltung ans Werk gehen, manche pendeln aus der Steiermark ein.

Wachstum durch Export

Der Salzburger Seitlinger und der Kärntner Fritzl haben aus dem Unternehmen mit dem Kurznamen ABA einen Millionen-Betrieb gemacht, der auf Wachstum abzielt. 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete ABA im Vorjahr. 90 Prozent davon im Export. Geliefert wird unter anderem in die Schweiz, nach Deutschland, nach Dänemark, nach Belgien, nach Slowenien und in die Niederlande.

Neuer Reinraum, neues 3D-Labor

350 Mitarbeiter sind insgesamt an vier Standorten beschäftigt – neben Tamsweg und Völkermarkt gibt es Zweigstellen in Graz und in Wals‑Siezenheim. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf Planung, Vorfertigung bzw. Fertigung von Edelstahl-Rohrleitungssystemen, insbesondere hygienischen Rohrleitungen für die Produktion in der Pharma- und in der Halbleiterindustrie. Zwei Branchen, die ihrerseits wachsen. Und, die besondere Ansprüche stellen. In die neue Produktionshalle in Völkermarkt haben sich die Anlagenbauer daher auch einen Reinraum eingebaut. Systemingenieur Christoph Labak hat ihn samt Personal- und Materialschleuse geplant. Hier können Bauteile gefertigt werden, die später selbst wiederum in Reinräumen zu Einsatz kommen. „Zum Beispiel Reinstgas-Module, die hochreine Gase exakt steuern können“, sagt Labak.

Auch ein Labor mit 3D-Druckern hat Innovationsmanager Arne Nowak in Völkermarkt einbauen lassen. Für die Herstellung von Werkzeugen oder Schablonen, die auswärts zu bestellen viel zu aufwändig wär. „Oder einfach, damit Mitarbeiter hier ihre Ideen umsetzen können. Stichwort: Heute im Kopf, morgen in der Hand“, sagt Nowak.

Der Standort in Völkermarkt startet ad hoc mit 80 Prozent Auslastung. Nebenan haben sich Seitlinger und Fritzl die Option für weitere 5000 Quadratmeter Grund gesichert. Sie haben einen weiteren Ausbau also schon ins Auge gefasst.