Die Arztpraxen sind überfüllt und die Ambulanzen arbeiten am Limit. Inmitten dieses angespannten Gesundheitssystems sehen Apotheken sich als erste Anlaufstelle für viele Beschwerden. Eine neue Kampagne soll nun verdeutlichen, wie unverzichtbar die Betriebe vor Ort sind. Dabei stehen die Vorteile der Apotheken vor Ort gegenüber reinen Online-Anbietern im Mittelpunkt.
Hans Bachitsch, Präsident der Apothekerkammer Kärnten, sieht die persönliche Beratung, die schnelle Versorgung und die Rolle der Apotheken als erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen als zentrale Stärken.
Rezeptpflichtige Medikamente online erhältlich?
„Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, dass die Apotheke vor Ort ein wertvolles Gut ist, das nicht selbstverständlich ist“, sagt Bachitsch. Seit Jahren würden große Online-Anbieter massiv um Kunden werben und versuchen, ihre Marktanteile auszubauen. Besonders kritisch sieht er den Vorstoß mancher, künftig auch rezeptpflichtige Medikamente verstärkt online zu vertreiben. In Deutschland hätten gesetzliche Lockerungen bereits zu einem spürbaren Rückgang von Apotheken geführt.
Der Präsident der Apothekerkammer ist der Ansicht, dass Online-Shops vor allem jene Bereiche bedienen, die wirtschaftlich besonders attraktiv sind. Öffentliche Apotheken hingegen müssen ein umfassendes Angebot bereithalten und auch weniger rentable Leistungen erbringen.
Beim Online-Kauf fehlt eine Kontrollinstanz
Der Unterschied wird besonders deutlich bei der Beratung. Rund 70 Prozent der Kunden kommen mit einem Rezept in die Apotheke. Dabei fallen immer wieder Unklarheiten auf, zum Beispiel Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Fragen zur Anwendung oder auch Verschreibungsfehler. „Diese zusätzliche Kontrolle erhöht die Sicherheit der Patienten“, betont Bachitsch. Beim Online-Kauf fehlt dieser direkte Kontakt oft.
Auch bei akuten Beschwerden seien die niedergelassenen Apotheken klar im Vorteil. „Wenn jemand Fieber oder Schmerzen hat, kann ihm die Apotheke sofort helfen. Keine Online-Bestellung kommt innerhalb von einer oder zwei Stunden an“, sagt Bachitsch. Zudem verfügt jede Apotheke über ein großes Lager, um die Versorgung sicherzustellen. 24.000 Packungen an Medikamenten seien in jeder Filiale vorrätig.
Entlastung für Ärzte und Spitäler
Apotheker sehen sich zudem als wichtige Entlastung für Ärzte und Ärztinnen sowie Krankenhäuser. Viele Beschwerden können bereits vor Ort abgeklärt werden. Bei Bedarf wird an einen Arzt verwiesen, bei leichteren Erkrankungen kann oft eine geeignete Selbsttherapie empfohlen werden. Bachitsch: „In Oberösterreich und Wien läuft ein Pilotprojekt, bei dem Patienten in der Apotheke per Videotelefonie direkt mit einem Arzt verbunden werden, natürlich in einem privaten Raum. Der kann bei Bedarf sofort ein Rezept ausstellen.“ So ein Modell könnte sich der Apothekerkammer-Präsident auch für Kärnten vorstellen.
Persönliche Beratung
Ein weiterer Vorteil ist die persönliche Beziehung. „In einem Online-Shop sind Sie nur eine Nummer“, sagt Bachitsch. Die Menschen kennen ihre Apotheke und die dort tätigen Mitarbeiter. Gerade ältere Menschen, aber auch viele jüngere Kunden schätzen den persönlichen Kontakt. Dabei geht es oft nicht nur um Medikamente, sondern auch darum, Sorgen anzusprechen und sich fachkundig beraten zu lassen.
Mit Slogans wie „Wer hilft sofort bei Fieber und Schmerzen? Sicher nicht der Online-Shop!“ will die aktuelle Kampagne auf die Unterschiede aufmerksam machen. Das Ziel besteht darin, den Menschen den täglichen Beitrag der Apotheken vor Ort für die Gesundheitsversorgung bewusst zu machen.