Nach dem ernüchternden 1:1 zum WM-Auftakt gegen Katar herrscht bei den Schweizern bereits Alarmstufe „Orange“. Weil sich im zweiten Spiel auch Kanada und Bosnien und Herzegowina jeweils ein Tor gönnten, heißt es in der Gruppe B quasi „Zurück an den Start“; alles ist weiter völlig offen. Die Eidgenossen bekommen es heute mit den Bosniern zu tun und müssen liefern. Zwar hat man im bisher einzigem Duell (ein Freundschaftsspiel in Zürich) mit 0:2 einen auf den Deckel bekommen, doch liegt der Stolperer bereits zehn Jahre zurück.
Viele der Gesichter von damals sind heute nicht mehr dabei. Wer jedoch auch 2026 noch die Schuhe schnürt, ist Bosniens Dauerbrenner Edin Dzeko. Der heute 40-Jährige traf schon 2016 in Zürich und könnte heute endgültig zum Schweiz-Schreck mutieren. Wenn er überhaupt auf das Feld darf. Denn beim Auftakt gegen die Kanadier wurde der in die Jahre gekommene Star aus Sarajevo von Teamchef Sergej Barbarez ebenso nicht berücksichtigt wie in den zwei WM-Tests davor. Ob Dzeko einfach nur von seinem Chef („Man sollte nicht über Edin reden, sondern ihn lieber besingen“) geschont wurde, ob er noch an den Folgen des Bänderrisses in der Schulter, den er sich in der WM-Playoff-Sensation gegen Italien zugezogen hat, laboriert, oder ob ihn eine andere Verletzung plagt (die Rede ist von Rückenproblemen), ist ein gut gehütetes Geheimnis der Bosnier.
Es ist aber nicht das einzige Geheimnis, das Dzeko derzeit umgibt. So fehlt auch noch die Antwort auf die Frage, ob der Stürmer noch eine weitere Saison bei Schalke 04 anhängt. Im heurigen Jänner wurde der Ausnahmekönner von den „Knappen“ verpflichtet und hatte mit sechs Toren und drei Assists in den ersten acht Spielen maßgeblichen Anteil am Wiederaufstieg des Traditionsklubs in die erste deutsche Bundesliga. Daher hat ihm der Revierklub auch bereits eine Vertragsverlängerung bis 2027 offeriert, doch zögert Dzeko noch mit seiner Unterschrift. Als neutraler Beobachter wäre es auf alle Fälle spannend, die Rückkehr des Edelkickers in das deutsche Oberhaus, wo er bereits von 2007 bis 2010 beim mittlerweile abgestiegenen Wolfsburg seine Brötchen verdient hat, zu verfolgen.
Ein Kaffee in Luzern
Fix ist vorerst, dass es für Dzeko definitiv die letzte Weltmeisterschaft sein wird. Ob nun nur als Zuschauer auf der Bank oder Edeljoker, wird die nahe Zukunft weisen. Fix ist aber auch, dass die Schweizer vor dem Ausnahmekicker bereits zittern. Zumindest dreht sich in den Medien unserer westlichen Nachbarn alles nur um den legendären Goalgetter. So hat man in den Archiven nach Verbindungen Dzekos zur Schweiz gekramt – und wurde sogar fündig: Die bosnische Lichtgestalt, die bereits 148 Spiele für das Nationalteam bestritten hat, trank 2022 mit Frau Amra einen Starbucks-Kaffee in Luzern. Wow!
Ebenfalls nicht ganz außer Acht zu lassen ist die Unterstützung auf den Rängen. Immerhin hat die bosnische Diaspora 350.000 Menschen in die USA gebracht. Alleine 60.000 davon sollen in St. Louis leben. Wie viele Bosnier heute den Weg in das SoFi-Stadion von Los Angeles finden werden, ist derweil noch – richtig – ein Geheimnis.