Ist Graz bald neben S-Bahn, Bim und Bus um ein Verkehrsmittel reicher? Nein, es geht dieses Mal um keine Gondel und keine U-Bahn. Mit dem „Innenstadt-Kavalier“ soll mobilitätseingeschränkten Menschen oder jenen mit viel Gepäck nach einer Einkaufstour der Weg künftig erleichtert werden. Die Grünen schlagen das Konzept kleiner kostenloser E-Shuttles in ihrem Wahlprogramm für die Gemeinderatswahl in knapp zwei Wochen vor. Als Vorbild dienen dabei Maribor und Ljubljana, wo die taxiähnlichen Mini-Busse bereits seit Jahren in der Altstadt unterwegs sind.
„Wir haben uns das in Maribor angeschaut, es funktioniert unkompliziert“, erklärt Wolfgang Feigl, Leiter der Grazer Abteilung für Verkehrsplanung. Die E-Shuttles haben keine Haltestellen, Fahrgäste können sie per Telefon bestellen oder direkt auf der Straße anhalten. Noch sei nicht klar, wo genau das neue Mobilitätsangebot geschaffen werden soll. Wäre der „Innenstadt-Kavalier“ ein wichtiger Lückenschluss für die Grazer Innenstadt oder gibt es dafür in der steirischen Landeshauptstadt keinen Bedarf? Das Kleine-Zeitung-Forum findet viele unterschiedliche Antworten darauf.
E-Shuttles für Graz als „schöne Ergänzung“
Das System „funktioniert in Ljubljana perfekt und wird von Einheimischen wie auch Touristen genutzt. Und ja, es fährt dort, wo sonst keine Autos fahren dürfen. Und es wird kein Fußgänger zusammengeführt. (...) Denke mir jedes Mal, dass das eine gute Idee gut für Graz ist“, schreibt etwa „welean“.
„nasowasaberauch“ freut sich über die „tolle Idee“: „Innenstadt, also überall dort, wo man mit dem Auto nicht hinfahren darf. Und sinnvoll ist es, weil (...) Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, auch problemlos genau dorthin kommen, wo sie hinwollen.“ Es sei gut, dass hier außerhalb der gewohnten Bahnen gedacht werde. „Das wäre wirklich eine schöne Ergänzung. Für viele Personen, die schlecht zu Fuß sind, sind die Abstände zwischen den Haltestellen einfach zu weit. In Maribor funktioniert das sehr gut“, stimmt auch „Evaregina“ zu.
Graz könnte damit sogar eine Vorreiterrolle für andere Städte einnehmen, meint „catalanman“: „(...) Jetzt könnte Graz ggf. eines der ersten Folgeprojekte für diese Idee sein, noch lang vor hunderten anderen Städten.“
„Ich gebe dem maximal drei Monate“
Andere User zeigen sich weniger überzeugt von der Idee, in den Fußgängerzonen der Altstadt kleine E-Shuttles fahren zu lassen. „Sicher spannend, wenn dieses ‚Shuttle‘ sich dann durch die mit Fußgängern dicht gedrängte Sporgasse oder Schmiedgasse zwängen muss (...)“, überlegt „ThinkSimple“. In der heiß diskutierten Schmiedgasse sieht auch „Baldur1981“ für ein solches Konzept „wirklich keinen Bedarf, es genügen schon die Radfahrer“. „Eine Gefahrenquelle soll das Angebot natürlich nicht sein“, unterstrich Feigl.
Als Alternative führen einige Mitglieder des Forums die Altstadt-Bim ins Treffen, die das kostenlose Einsteigen in die Straßenbahnen rund um die Innenstadt ermöglicht. Zwischen Jakominiplatz und Hauptplatz „könnte man vielleicht noch eine oder zwei Haltestellen in der Herrengasse einschieben“, schlägt „altbayer“ dazu vor. In den Augen von „Lancelot“ wäre es „wirtschaftlich immer noch 100 Mal gescheiter, solchen (mobilitätseingeschränkten, Anm.) Personen Taxi-Gutscheine zukommen zu lassen“.
Weiters besteht die Sorge, dass das Angebot nicht nur von jenen in Anspruch genommen wird, die darauf angewiesen sind. „Bin mir fast sicher, dass damit dann ‚alle‘ fahren wollen und jene, die es brauchen würden, erst keinen Platz haben (...)“, fürchtet „UHBP“. „theissue“ denkt ähnlich und schreibt in den Kommentaren: „Ich gebe dem Shuttlebus maximal drei Monate, dann würde er wieder eingestellt (...)“.