Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Verordnungsentwurf der Landesregierung in der Begutachtungsphase mehr als 700 Stellungnahmen erntet. So geschehen ist es bei der Novelle zum Sachprogramm Windenergie (Sapro Wind), deren Entwurf bis vergangener Woche in Auflage war. Deutlich wird daran: Den Ausbauplänen für die Windkraft für die kommenden Jahre weht aus einigen steirischen Regionen eine steife Brise entgegen.

Worum geht es? Um die Windkraftnutzung im Land weiter anzukurbeln, will die Landesregierung neue Ausbauzonen für Windparks verordnen und hat dafür das bestehende Sachprogramm zum zweiten Mal novelliert. Das Ziel: Je nach Bauart 100 bis 150 neue Windräder sollen auf den Bergrücken dazukommen und die bestehenden 121 Anlagen sowie jene rund 70, die in Bau oder in Genehmigungsverfahren sind, ergänzen. Wie berichtet, sieht der Ausbauplan dafür 18 zusätzliche Windkraftzonen vor: In vier Fällen handelt es sich um Erweiterungen bestehender Zonen, in 14 Fällen um gänzlich neue Gebiete.

Mehr als 350 gleichlautende Einwände gegen Zone für Windkraft

An etlichen dieser geplanten Ausbauzonen entzündet sich jetzt allerdings Kritik. In besonderem Maß sind es die neuen Eignungszonen in den Bezirken Murau, Murtal und Liezen, die in den Fokus vieler Stellungnahmen geraten sind. So verlangt die Marktgemeinde Scheifling per einstimmigem Gemeinderatsbeschluss, die geplante Zone Perchauer Eck, die Platz für sieben bis elf Windräder bieten würde, aus dem Programm zu streichen. Die betroffenen Bergrücken seien „wertvolle Natur-, Landschafts- und Erholungsgebiete“, was mit der Windkraftnutzung nicht vereinbar sei. Rückenwind bekommt die Marktgemeinde durch mehr als 350 Privatpersonen, die per akkordierter Aktion gleichlautende Einwände gegen die Zone eingebracht haben.

Doch es sind nicht nur Gemeinde und Anrainer, die die Pläne kritisieren. Auch Umweltanwalt Maximilian Lughofer äußert sich skeptisch zur Zone am Perchauer Eck sowie zu drei weiteren geplanten Ausbaugebieten, nämlich den geplanten Windkraftzonen Stoffkogel (vier bis sechs Windräder in den Bezirken Voitsberg und Deutschlandsberg), Steineck (sieben bis 15 Räder im Bezirk Leoben) und Hubereck (fünf bis acht Räder im Bezirk Liezen). „Diese Zonen werden auch von Ökologen kritisiert, weil sie schlecht geeignet oder wichtige Korridore für Zugvögel und Wildtiere sind“, sagt Lughofer zur Kleinen Zeitung. So befinde sich etwa in unmittelbarer Umgebung der Windkraftzone Stoffkogels ein wichtiger Moorstandort. „Man sollte noch einmal über diese Standorte nachdenken und sie zumindest vertieft prüfen.“

Dutzende geplante Windräder unter Kritik

Die Liste der ablehnenden Stimmen ist freilich noch viel länger. Die Stadtgemeinde Rottenmann spricht sich gegen den Windkraftstandort Hubereck aus, die Marktgemeinden Kammern und St. Michael und die Gemeinde Traboch wollen die Streichung der Zone Steineck, in Vorau meldet man Bedenken gegen die Windkraft-Erweiterung am Pongratzer Kogel an. Der Naturschutzbund fordert indes die Umwandlung der Vorrangzone Stoffkogel in eine Ausschlusszone und die Streichung der Zonen Floning, Hahnkogel, Hauereck und der Erweiterung am Herrenstein, was in Summe 31 bis 49 geplante Windradstandorte obsolet machen würde.

Wo neue Windräder willkommen sind

Allerdings gibt es unter den vielen Stellungnahmen auch Stimmen für mehr Windkraft. So regt die Stadtgemeinde Trieben an, das Areal Trieben Süd als zusätzliche Windkraftzonen auszuweisen. In der Gemeinde werde „Windkraft als Chance für die Zukunft“ gesehen, heißt es in der Stellungnahme. Die Marktgemeinde Krieglach beantragt die „ersatzlose Streichung“ zweier Ausschlusszonen, um dort weitere Windräder zu ermöglichen. Generell auffallend: Die größten Vorbehalte gegen Windräder scheinen in jenen Regionen zu existieren, die noch keine Windparks beherbergen, wohingegen im Umfeld bestehender Windanlagen weniger Skepsis zu vernehmen ist.

Beschluss des Ausbaus der Windkraft vor dem Sommer

Auf Landesebene soll sich nun der Raumordnungsbeirat mit dem Sachprogramm beschäftigen. In Sachen Beschluss drückt die Landesregierung aufs Tempo. Die Verordnung soll noch vor der Sommerpause in trockene Tücher kommen, heißt es aus dem Büro des zuständigen Landesrats Stefan Hermann (FPÖ). Ob dieser ambitionierte Fahrplan tatsächlich hält, lässt sich freilich nicht mit Sicherheit sagen.