Die ORF-Stiftungsratssitzung, in der am Donnerstag die nächste ORF-Führung ab 2027 gewählt wird, geht ins Finale. Nach den Begründungen aller 35 Stiftungsräte geht es zur finalen Wahl. Favorit Clemens Pig soll auch bei den Begründungen die Nase vorne haben. Unterdessen hat Stiftungsrat Siegfried Meryn seine Funktion als ORF-Stiftungsrat zurückgelegt. Das geht aus einem Schreiben an seine Kolleginnen und Kollegen im obersten ORF-Gremium hervor, das der APA vorliegt. Darin argumentiert er mit Problemen, die er im obersten ORF-Gremium erlebt habe, und tritt für eine Reform der Entscheidungs- und Kontrollstrukturen des ORF ein. Sein Rücktritt solle ein Beitrag zu einer Debatte sein, wie der ORF künftig organisiert sein soll.

Insgesamt neun Kandidatinnen und Kandidaten wurden am Donnerstag zum Hearing eingeladen, rund 75 Bewerberinnen und Bewerber haben sich ingesamt für die ORF-Generalintendanz beworben. ORF III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz, Ex-ORF-Managerin Petra Höfer, APA-Chef Clemens Pig, „Exxpress“-Herausgeberin Eva Schütz, der einstige HBO-Manager Johannes Larcher, Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, ORF-Magazinleiterin Lisa Totzauer und die ehemalige ORF-Journalistin Sonja Sagmeister.

Schütze: „Sachlich und hochprofessionell“

Der stv. Stiftungsratsvorsitzende Gregor Schütze berichtete rund neun Stunden nach Start von einer „sehr sachlichen und hochprofessionellen Sitzung“. Nicht nötig hätten die Kandidatinnen und Kandidaten, besonders aggressiv befragt zu werden, meinte er mit Blick auf Stiftungsrat Peter Westenthaler, der mitunter die sachliche Ebene verlassen und den Stiftungsrat mit einem Fußballplatz verwechselt habe.

Gregor Schütze
Gregor Schütze © APA / Max Slovencik

Pig ließ sich nach seinem Hearing kurz blicken und berichtete von einer „guten, aber langen“ Befragung. Ähnlich kurz angebunden war Larcher: „Gute Fragen, gute Präsentation“, sagte der Medienmanager. Schütz berichtete von einem „großen Abenteuer“, das „wahnsinnig spannend“ gewesen sei. Sie rechnet aber damit, dass dieses wohl bald zu Ende geht. Ihre Chancen auf die ORF-Generaldirektion stuft sie nämlich als „relativ gering“ ein. Schließlich habe sie sich mit niemandem politisch abgestimmt.

Larcher, Breitenecker, Totzauer und Co. folgen noch

Ihr Hearing noch vor sich haben Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer und Ex-ORF-Journalistin Sonja Sagmeister. Pro Person sind 20 Minuten Präsentationszeit vorgesehen, an die stets eine Fragerunde anschließt – und diese ziehen sich.

In Summe hatten sich 75 Personen fristgerecht beworben, jedoch haben laut einer Findungskommission des ORF-Stiftungsrats nur 13 davon auch die Ausschreibungskriterien erfüllt. Von diesen wurden neun Personen von zumindest einem Stiftungsrat nominiert, was nötig war, um zum heutigen Wahltagshearing geladen zu werden.

Stichwahl denkbar

Obgleich Pig als Favorit in die Wahl am Abend geht, dürften auch Breitenecker, Totzauer, Zierhut-Kunz und Larcher Stimmen erhalten. Dadurch ist es denkbar, dass ein zweiter Wahlgang nötig wird, bei dem nur noch die beiden im ersten Wahlgang stimmenstärksten Kandidaten bzw. Kandidatinnen zur Wahl stehen. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Als realistischstes Szenario erachten Beobachter für den Fall des Falles, dass Pig und Breitenecker in eine Stichwahl kommen. Der Wahlsieger bzw. die Wahlsiegerin gibt im Anschluss an die Wahl eine Pressekonferenz.

Bei der Wahl müssen die einzelnen Stiftungsräte aufgrund des EMFG auch ein Statement abgeben, in dem sie ihre Entscheidung begründen. Das wird protokolliert, aber nicht veröffentlicht. Der Wahlakt in einer Wahlzelle ist an sich geheim. Die Stimmzettel sind jedoch namentlich gekennzeichnet. 18 Stimmen sind nötig, um im ORF-Chefsessel Platz zu nehmen.

Schokobananen von der Amtsinhaberin

Die gegenwärtige ORF-Chefin Ingrid Thurnher hatte sich nicht für die fünfjährige Funktionsperiode ab 2027 beworben, den wartenden Journalistinnen und Journalisten aber einen Besuch abgestattet. Mit dabei hatte sie mehrere Packungen Schokobananen - für „den langen Tag“ und um „Mut zuzusprechen“. Diese sind mittlerweile längst Geschichte.