Doppelten Grund zum Feiern hat Philips Österreich. Das Unternehmen beging am Donnerstag nicht nur feierlich sein 100-Jahr-Jubiläum, sondern stellte auch eine kräftige Produktionserweiterung am Standort Klagenfurt vor. 25 Millionen Euro werden in die Kapazitätserweiterung investiert.

14 Millionen Euro flossen in den Transfer von zwei Anlagen von Amerika nach Kärnten und in der zweiten Runde werden weitere elf Millionen Euro in eine neue Anlage für High-End-Zahnbürstenköpfe investiert“, schlüsselt Standortleiter Hans Peter Rammel auf.

„Riesenerfolg für das Team“

Der Hintergrund: Die Anzahl der Produktionslinien für Zahnbürstenköpfe der Philips-Marke Sonicare wird in Klagenfurt von drei auf sechs ausgebaut, um die Stückzahlen bis 2027 von aktuell 30 auf 60 Millionen Zahnbürstenköpfe zu verdoppeln. Das ist eine deutliche Stärkung des Kärntner Standortes und wie Philips-Österreich-Chef Christoph Schlager betont: „Ein Riesenerfolg für das Team. Denn Klagenfurt ist weltweit einer der erfolgreichsten Produktionsstandorte im Konzern, der vorbildhaft in der Digitalisierung und Optimierung von Fertigungsprozessen ist sowie einen hohen Automatisierungsgrad erreicht hat.“ Daher sei man international wettbewerbsfähig.

Thomas Gärtner, Ilse Rapatz, Christoph Schlager, Hans Peter Rammel und Mathias Paul Podhajsky (v. l.)
Thomas Gärtner, Ilse Rapatz, Christoph Schlager, Hans Peter Rammel und Mathias Paul Podhajsky (v. l.) © Thomas Hude

In Klagenfurt werden Zahnbürstenköpfe nicht nur gefertigt, sondern auch entwickelt. „Bei uns ist Unternehmergeist mit Innovation gepaart“, sagt Thomas Gärtner, Leiter des Bereichs Oral Health Care. Sichtbare Zeichen sind dafür unter anderem die angemeldeten Patente und ausgezeichnete Bewertungen von der deutschen Verbraucherorganisation Stiftung Warentest. Die Zahnbürstenköpfe, die zu 100 Prozent in Österreich gefertigt sind, werden weltweit verkauft. Ein wichtiger Absatzmarkt ist unter anderem Nordamerika.

Neue Jobs für Facharbeiter

Durch den Ausbau der Zahnbürstenkopf-Produktion entstehen auch neue Facharbeiter-Jobs. HR-Managerin Ilse Rapatz beziffert die Anzahl mit rund 20 Vollzeitstellen zum Beispiel im Bereich Mechatronik. Die Kapazitätserweiterung beschneidet nicht die anderen Geschäftsfelder des Kärntner Philips-Standortes. Die Produktion von Produkten wie Bart- und Haartrimmer, Damenrasierer sowie Epilierer, „bleibt stabil“, wie Rammel betont.

Entwickelt und gefertigt in Klagenfurt: Sonicare Zahnbürstenköpfe
Entwickelt und gefertigt in Klagenfurt: Sonicare Zahnbürstenköpfe © Philips Österreich

Im Jahr 1926 wurde Philips Österreich als Vertriebsgesellschaft für Radioröhren gegründet. Seither hat das Unternehmen wie auch andere europäische Betriebe einige Höhen und Tiefen durchlaufen. Die Firma sattelte nach der Gründung rasch vom reinen Vertrieb zu eigener Produktion um. „Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Philips eine intensive Wachstumsphase“, erzählt Schlager. Doch Mitte der 1980er-Jahre setzte ein massiver Strukturwandel ein, der unter anderem auch in Kärnten durchaus schmerzhaft war und mit dem Abbau etlicher Jobs einherging. Philips Österreich hat sich neu aufgestellt und von einem Elektronik-Konzern zu einem Gesundheitstechnik-Unternehmen gewandelt.

Die Medizintechnik für Krankenhäuser und Ärzte umfasst mittlerweile ein großes Produktportfolio. Sie reicht von diagnostischer Bildgebung wie CT und MRT, Ultraschall, interventioneller Kardiologie (Katheter, Stent) bis hin zum Patientenmonitoring. Die Geräte sind in nahezu allen österreichischen Krankenhäusern im Einsatz. Führend ist Philips bei heliumfreien MRT-Geräten, wonach aktuell aufgrund der durch den Iran-Krieg ausgelösten Helium-Knappheit große Nachfrage herrscht.