Beim Spiel der New York Knicks gegen die San Antonio Spurs wurde er zu Beginn der Woche ausgebuht. In seiner Heimatstadt, als Präsident. Einen Tag vorher war Donald J. Trump aus einer Blechbaracke gestürmt, auf die es trommelnd regnete, während Kristin Welker von der Sendung „Meet the Press“ ihn interviewte. Nicht gestürmt eigentlich, eher schwerfällig gewankt. Trump stürmt nicht mehr.
Gegner sehen geistigen Verfall
Er hat fleckige Altmännerhände, seine Gegner sprechen immer häufiger von einem nicht mehr zu leugnenden geistigen Verfall des Präsidenten. Die TV-Aufnahmen, die Trump mit geschlossenen Augen im Oval Office oder bei Kabinettssitzungen zeigen, liefern immer wieder neue Munition. Aber Trump teilt noch aus. Er nannte Welker eine Lügnerin und eine Vertreterin der „fake news“. Sie hat bezweifelt, dass der Präsident die beste Wirtschaft geschaffen hat, das beste Militär, und dass es überall Wahlbetrug gibt.
Heute wird Trump 80 Jahre alt, am Ende seiner Amtszeit wird er älter sein, als jeder, der je im Weißen Haus gesessen ist. Auf den zahllosen Memes, die er und seine Anhänger überall posten, sieht er jünger aus, männlich, stark. Doch seine Fans werden weniger. Nur 35 Prozent der Amerikaner finden Trumps Amtsführung noch gut. Noch weniger sind zufrieden mit ihrem Alltag; Benzinpreise, Lebensmittelpreise, Flughafenchaos. Der Krieg gegen den Iran hat ihm nicht geholfen. Ungewöhnlich, denn normalerweise versammeln sich Amerikaner im Krieg hinter ihrem Präsidenten.
Dabei ist Trump, der seinen Geburtstag mit einem Käfigkampf-Turnier vor dem Weißen Haus feiert, mit dem Versprechen angetreten, keine Kriege mehr zu führen, aber es sind nicht die MAGA-Anhänger, die ihm den Bruch übelnehmen, sondern moderate Konservative. Doch die Republikaner im Kongress stehen noch hinter ihm. Denn er positioniert sich als Königsmacher, der Freunden hilft und Kritiker wie den Abgeordneten Thomas Massie aus dem Weg räumt. Gerade gewährte ihm der Kongress 70 Milliarden Dollar für seine Abschiebepolitik.
Um Trump zu verstehen, muss man wissen, dass er kein klassischer Republikaner ist. Nicht einmal ein Konservativer. Er ist eine Art spätgeborener William Marcy Tweed, jener berühmte New Yorker Nepotismus-Politiker, der seine Anhänger mittels Wohltaten an sich band, bloß dass Trump die Wohltaten meistens nur verkündet, aber nicht liefert. Er ist ein Kind aus der Vorstadt mit einem harten, fordernden Vater, der sich als Playboy und als Reality-TV-Star neu erfunden hat. Und wie ein gewiefter Gebrauchtwagenhändler verspricht er allen alles.
Seinen Aufstieg als Immobilienentwickler verdankt er seinem in der Branche erfolgreichen Vater, der ihm 100 Millionen Dollar vererbt hat. Und Roy Cohn, einem Anwalt aus der Bronx, der ihn auf die Idee brachte, überall seinen Namen anzubringen. Trump kaufte oder baute Wolkenkratzer, in New York, in Florida, im Mittleren Osten. Er warb russisches Geld ein und errichtete Casinos. Dann kam der Konkurs, die Banken zogen den Stecker.
Die darauf folgende Fernsehkarriere machte ihn in ganz Amerika bekannt und brachte die nötige Publicity für den politischen Aufstieg. Seit 1988 diente er sich bei den Republikanern an, um Präsident zu werden, kritisierte George W. Bush und knirschte mit den Zähnen, als sich Barack Obama bei einem Pressedinner über ihn lustig machte. Dann stellte er sich an die Spitze der Tea-Party und gewann 2016 gegen die unbeliebte Hillary Clinton und mithilfe der Bilder der Flüchtlingsströme aus Europa.
In seiner zweiten Amtszeit ist die harte Hand gegen Einwanderer immer noch sein zentrales Versprechen. Das trifft den Zeitgeist, auch wenn es Amerika nicht unbedingt stärkt. Rächen tut sich Trump immer noch gerne, an Journalisten und politischen Feinden. Er versucht, den früheren FBI-Chef ins Gefängnis zu stecken und beleidigt TV-Komiker. Er kündigt internationale Verträge und liebäugelt damit, die Nato zu verlassen oder in Grönland einzumarschieren. Gerade entdeckt er seine frühere Identität als Bauunternehmer, er drückt Washington mit Großprojekten seinen Stempel auf.
Buhrufe und Hoffen auf eigenen Vorteil
Hat Trump Amerika gespalten oder hat ein gespaltenes Amerika Trump hervorgebracht, als seinen quintessenziellen Führer? Längst ist es nicht mehr ausschließlich er selbst, der die berühmt gewordenen Social-Media-Posts absetzt und ein ganzer Kosmos trumpfreundlicher Medien versichert dem Präsidenten nicht nur, dass er bei dem Spiel der Knicks nicht ausgebuht wurde, sondern treibt auch seine Agenda voran.
Wer folgt ihm nach? Keiner weiß es. Seine Kinder sind von der Bildfläche verschwunden. Zur Hochzeit seines Sohnes kam er nicht. Er rührt keinen Finger, einen Nachfolger aufzubauen, und wenn er gestürzt würde, nähme er die Republikaner mit. Und vielleicht auch Amerika.