Mit der Aktion will man die Vorsorgerate erhöhen, hieß es in einer Pressekonferenz mit Bürgermeister Michael Ludwig und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (beide SPÖ). Wienerinnen und Wiener zwischen 45 und 75 Jahren erhalten Post, mit der sie zum Mitmachen aufgefordert werden. Alphabetisch gestaffelt soll bis Frühjahr 2027 die gesamte Altersgruppe kontaktiert werden. Ausgenommen sind nur rund 160.000 Personen, bei denen in den vergangenen Jahren eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt wurde.

Das Einladungsschreiben enthält eine Aufforderung zur Untersuchung. "Das ist ein freundlicher Brief, wo man eingeladen wird", erläuterte Hacker. Das System sei simpel und die Teilnahme freiwillig. Wer sich nicht für die Koloskopie entscheidet, kann einen sogenannten fäkalen immunochemischen Stuhltest (FIT-Test) bestellen.

Diese sind kostenlos und können online oder über das Gesundheitstelefon 1450 bezogen werden. Der Test wird zuhause durchgeführt. Mittels Probenummer ist der Kit eindeutig der betreffenden Person zugeordnet.

Die Stuhlprobe wird in einem Rücksendekuvert an das Labor geschickt. Wird eine Auffälligkeit entdeckt, dann wird ein Termin für eine Darmspiegelung innerhalb von 14 Tagen garantiert, hieß es heute. Das Projektkonsortium - bestehend aus Endomed Wien Mitte und Franziskusspital - stellt einen solchen zur Verfügung, falls sich im niedergelassenen Bereich keiner findet.

Wer aufgrund seines Nachnamens erst spät, also zum Beispiel erst Anfang kommenden Jahres kontaktiert werden würde, muss nicht unbedingt so lange warten. Die Tests können von allen in Frage kommenden Personen bereits jetzt geordert bzw. durchgeführt werden. Prognosen über die Teilnahmequote gibt es nicht, wurde heute betont. Durch die niederschwellige Gestaltung hofft man aber auf eine große Beteiligung.

Das Programm ist vorerst für zwei Jahre finanziert. Die Kosten belaufen sich auf rund 7,5 Mio. Euro pro Jahr. Sie werden zwischen dem Wiener Gesundheitsfonds und den Krankenversicherungsträgern geteilt.

Bürgermeister Ludwig hob hervor, dass Darmkrebs in Österreich die dritthäufigste Krebserkrankung ist. Zugleich könne Früherkennung zahlreiche Fälle schwerwiegender Erkrankungen hier vermeiden. "Das Screening ist kein Ersatz für eine Darmspiegelung, sondern eine Ergänzung", fügte Ludwig hinzu.

Die Vorsitzende des Landesstellenausschusses der ÖGK in Wien, Agnes Streissler-Führer, zeigte sich zuversichtlich, dass der FIT-Test die Hemmschwelle für eine Untersuchung senke. Betont wurde heute auch, dass Vorsorge dazu beitragen könne, Kosten im Gesundheitssystem - die durch teure Behandlungen entstünden - zu reduzieren.

Nicht zuletzt bedeute jede verhinderte Erkrankung auch weniger Leid, gab NEOS-Gesundheitssprecherin Jing Hu zu bedenken. Als Apothekerin sei sie immer wieder mit entsprechenden Schicksalen konfrontiert. Das Screening könne nun die Heilungschancen deutlich verbessern, gab sie sich zuversichtlich.