Schon beim Betreten der Walfersamhalle war die Luft an diesem Samstagabend zum Schneiden. Nicht nur, weil es in diesem alles entscheidenden fünften Spiel der Finalserie in der Basketball-Superliga um alles – nämlich den Meistertitel – oder nichts ging. Auch die Temperaturen in der Halle waren sommerlich. Kein Wunder, waren alle der knapp 1000 verfügbaren Tickets doch binnen eines Tages vergriffen, der Ansturm riesengroß. „Bitte, bitte. Wir brauchen noch eine Karte“, suchten vor der in die Jahre gekommene Sporthalle vereinzelt Fans der Kapfenberg Bulls doch noch nach einer Möglichkeit, die Partie gegen die Oberwart Gunners live zu verfolgen. Immerhin ging es um nicht weniger als den achten Meistertitel der Bulls, den ersten seit 2019. Nach 0:2-Serienrückstand haben sich die Mürztaler noch einmal zurückgekämpft und so das beinahe nicht mehr für möglich gehaltene Finalspiel erzwungen. „We believe“ („Wir glauben daran“) stand auf den Plakaten der Heimfans geschrieben. „Ich habe meinen Spielern nach dem zweiten Spiel gesagt, dass wir die Serie 3:2 gewinnen werden“, sagte Trainer Klym Artamonov. „Holz-Klatscher“, Klatschfächer, Tröten, Trommeln. Alles, was ordentlich Lärm macht, war in der Halle mit dabei. Nicht nur bei den Heimfans, auch die Burgenländer brachten eine große Fan-Abordnung mit in die Steiermark. Besitzer einer Smartwatch bekamen nicht nur einmal den Hinweis, sich in einer „lauten Umgebung“ zu befinden – man wäre allerdings auch ohne technisches Gerät darauf gekommen...
Auf der bummvollen Haupttribüne und auf den hinter den Körben installierten Zusatztribünen nahm auch die Kapfenberger Prominenz Platz. So etwa der fünffache Meister mit den Bulls, Armin Woschank, oder der obersteirische Sturm-Profi Leon Grgic sowie Kapfenbergs Fußball-Ikone Herbert „Mucki“ Wieger. Sportlich entwickelte sich von Beginn an ein hartumkämpftes, enges Match. Mit einer 50:47-Führung gingen die Gunners in die Halbzeit.
Die Türen gingen auf, Frischluft zog durch die Halle. Ein Segen für die Besucher der hitzigen Partie, denen ein Basketball-Krimi geboten wurde. Auch in der zweiten Spielhälfte änderte sich daran nichts. Die Bulls übernahmen die Führung, die Gunners kamen immer wieder zurück. Mit einem Punkt Vorsprung gingen die Gastgeber in die letzten zehn Minuten der Saison – vielleicht sogar in die letzten zehn Minuten in dieser Halle? Ein Neubau ist ja geplant, fix ist da aber noch nichts. Manager Michael Schrittwieser meinte: „Es war auf jeden Fall eine gute Werbung für uns und der Zuschaueransturm auch ein Beweis dafür, dass es hier in der Halle in Zukunft einfach nicht mehr wirklich geht...“ Knapp sieben Minuten vor Spielende traf Nemanja Krstic für drei Punkte, die Halle stand Kopf, Kapfenberg lag sieben Zähler voran. 17 Sekunden vor Spielende traute auch Artamonov dem Braten, jubelte mit seinem Staff und seinen Spielern an der Seitenlinie.
Am Ende war es ein 94:80-Sieg, der den Titel fixieren sollte. „Wir san Meister, oida!“, drückte es Bulls-Präsident Gernot Mach sehr österreichisch aus. Das goldene Konfetti flog durch die Halle. „Jetzt liegt es an meinen Kapitänen, wie die Nacht aussehen wird“, gab Artamonov die Verantwortung ab. „Der Titel ist auch für die Stadt Kapfenberg“, sagte Schrittwieser. „Sie hat immer an uns geglaubt. Und wir sind jetzt als Klub auch endlich wieder dort angekommen, wo wir hingehören.“