„Entscheidend wird sein, wem es gelingt, die eigene Wählerschaft tatsächlich an die Urnen zu bringen – damit steht und fällt am Ende der Wahlausgang in Graz.“ Das ist das Fazit von Meinungsforscher Peter Hajek, der im Auftrag der Kleinen Zeitung eine letzte große unabhängige Umfrage zur Graz-Wahl durchgeführt hat. Die Aussage klingt nach Binsenweisheit, hat aber für Graz eine besondere Bedeutung: Denn die Wahlbeteiligung ist chronisch niedrig, zuletzt blieb fast jede und jeder zweite Wahlberechtigte zu Hause.

Das bedeutet: Bei so einer niedrigen Beteiligung wirkt es sich gleich spürbar aus, wenn eine Partei besonders schlecht oder besonders gut mobilisieren kann. „Diesmal könnte die Beteiligung höher ausfallen“, so Hajek mit Blick auf seine Umfrage. 61 Prozent der 620 Befragten geben an, „ganz sicher“ zur Wahl zu gehen. Das wäre eine kräftige Steigerung im Vergleich zu 2021. Wer davon profitieren würde, ist aber schwierig vorherzusagen.

Wer zur Wahl geht und wer „sehr sicher“ das Kreuz bei seiner oder ihrer Partei macht

Grundsätzlich sind es potenzielle Grün-Wählerinnen und -Wähler, die es am stärksten zur Wahlurne zieht – 74 Prozent sagen das in der Umfrage. Ob sie dort dann aber wirklich bei Judith Schwentner und ihrer Partei das Kreuz machen, ist nicht sicher: Nur 43 Prozent geben an, auch wirklich „sehr sicher“ die Grünen zu wählen. Hajek leitet daraus ab, dass das grüne Potenzial besser ist als die zwölf Prozent, die bei der Sonntagsfrage herausgekommen sind – aber eben nur, wenn Schwentner ihre Wähler gut mobilisieren kann. Sonst landen einige Grün-Stimmen bei der KPÖ oder der ÖVP.

Anders das Bild bei der ÖVP. Mit 73 Prozent jener, die „ganz sicher“ wählen gehen, ist der Wert ähnlich groß wie bei den Grünen. Aber es sind auch 55 Prozent, die „sehr sicher“ bei der ÖVP ihr Kreuzerl machen. Denselben Wert schafft in der Umfrage auch die KPÖ bei ihren deklarierten Wählerinnen und Wählern – da ist aber insgesamt die Überzeugung, an der Wahl teilzunehmen, im Vergleich zu den anderen geringer (62 Prozent). Das ist auch der Grund, warum so viele KPÖ-Politiker mit den guten Umfragewerten hadern: Scheint die Wahl gelaufen, ist das Gift für die Mobilisierung.

Hajek: „Es gibt keine Wechselstimmung“

Ein weiteres Detail aus der Umfrage spielt wieder den Regierungsparteien in die Karten: „Es gibt derzeit keine Wechselstimmung“, stellt Hajek fest. Auf die Frage, ob sich „die Dinge in Graz in die richtige oder falsche Richtung entwickeln“, sagen 45 Prozent aller Befragten: in die richtige; 41 Prozent meinen das Gegenteil. Die Wählerinnen und Wähler der drei Koalitionsparteien sind besonders überzeugt vom bisherigen Kurs, allen voran jene der SPÖ (74 Prozent) gefolgt von jenen der KPÖ (66 Prozent) und der Grünen (65).

Am stärksten ist die Ablehnung bei FPÖ-Wählern: 82 Prozent finden, Graz entwickle sich in die falsche Richtung. Bei der ÖVP sind es 62 Prozent. Die Neos-Wähler sind optimistischer: 48 Prozent sehen eine richtige Entwicklung, 39 eine falsche.