Ein Strukturwandel belastet Österreichs Friseure und Stylisten: Die Zahl der Betriebe ist seit 2010 um 47 Prozent gestiegen, während die Zahl der Beschäftigten im selben Zeitraum um ein Viertel (25 Prozent) gefallen ist. Ein Grund: Der Anteil der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) ist von 36,5 Prozent (2010) auf 57,8 Prozent (2025) gestiegen.

85 Prozent Personalkosten

Der Druck auf die Branche steigt. Allein 2025 ist der reale Umsatz um 3,4 Prozent zurückgegangen. „Unsere Friseurbetriebe trifft die volle Umsatzsteuer von 20 Prozent, obwohl die Personalkosten 85 Prozent oder mehr ausmachen. Der Wareneinkauf ist bei uns viel geringer als in anderen Branchen, deshalb kommt der Vorsteuerabzug kaum zu tragen. Das belastet unsere Kundinnen und Kunden und ist so nicht mehr leistbar“, sagt Wolfgang Eder, Bundesinnungsmeister der Friseure und Stylisten in der WKÖ. Die Ungerechtigkeit betreffe genau jene Arbeitgeberbetriebe als Rückgrat der Branche, die für Beschäftigung, Ausbildung und das größte Steueraufkommen sorgen.

Die Branche fordert deshalb in einem Schreiben an Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) die Halbierung des Steuersatzes von 20 auf 10 Prozent. Im Brief weisen die Friseure darauf hin, dass EU-rechtlich eine Ausnahme für Friseurdienstleistungen vorgesehen ist. Länder wie Irland, Portugal, Malta, Kroatien, Polen, Rumänien und Bulgarien machen davon Gebrauch.

Jeder fünfte Euro schwarz

Die Auswirkungen einer halbierten Umsatzsteuer hat Stefan Jenewein von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) analysiert: „Das wäre ein sehr positives Signal für Betriebe, die die Fachkräfte von morgen ausbilden, überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigen und Wertschöpfung in ländlichen Regionen halten. Und es würden die Konsumentinnen und Konsumenten profitieren.“ Erfahrungswerte aus den Niederlanden hätten gezeigt, dass Friseurbesuche durch eine Steuersenkung leistbarer wurden. Zudem könnte die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen verringert werden. Für den Staat würde sich die Maßnahme zu einem großen Teil selbst finanzieren, denn jetzt wird rund jeder fünfte Euro schwarz erwirtschaftet. Laut Schätzungen betrug der Umsatz in der Schattenwirtschaft 2022 mehr als 205 Millionen Euro.

Sechs von zehn sind dafür

Auf Beifall der Bevölkerung würde die Maßnahme stoßen: „Das Ergebnis ist eindeutig: Sechs von zehn Befragten sprechen sich für die Umsatzsteuerreduktion aus. Nur ein Viertel ist dagegen“, sagt David Pfarrhofer vom market-Institut, das Ende Mai 1003 Personen dazu befragt hat. Die Österreicher versprechen sich davon eine Stärkung der Friseurbetriebe (62 Prozent), leistbarere Services (59 Prozent) sowie mehr Ausbildungsbetriebe (55 Prozent). 48 Prozent sehen geringere Anreize für Pfusch.

Sorgen bereitet den Branchenvertretern auch der Nachwuchs an Fachkräften: Die Zahl der Lehrlinge hat sich seit der Corona-Pandemie nicht mehr erholt. Zusätzlich zur Demographie (weniger junge Menschen) trägt dazu bei, dass EPU und Betriebe mit eingeschränkter Gewerbeberechtigung keine Lehrlinge ausbilden. Eder fordert eine nachhaltige und dauerhafte Absicherung der Lehrstellenförderung.