Zwei Herren in Hellblau vor hellblauer Tapete – könnte gut und gerne ein Bildtitel sein. Wenn der Zufall Regie führt, kann es ja auch mal lustig sein. Und so fanden sich Albertina-Chef Ralph Gleis und Comedian Otto Waalkes gemeinsam, aber unabgesprochen, im hellblauen Anzug bei der Pressekonferenz ein. Das war die erste Humorprüfung, auf die noch mehrere folgen sollten. 250 Jahre wird die Albertina heuer alt und wer sich zunächst gedacht hat, es wäre ein Scherz, dass Otto Waalkes in den altehrwürdigen Hallen ausstellen sollte, dem schmettert nun in den überbordenden Prunkräumen die gemalte Version seines Humorschlachtrufes entgegen: „Holladihiti!“ Die Albertina als Airbnb für den Ottifanten – kann das gutgehen?
„Wir wollen einen neuen Blick auf unsere altehrwürdige Sammlung wagen, uns einem breiteren Publikum öffnen. Für Menschen, die vielleicht einen anderen Zugang zur Kunst haben und die erst mal vor diesem hehren Kunsttempel etwas zurückschrecken“, erklärt Gleis das ungewöhnliche Zusammentreffen, das auch dem heurigen 250-jährigen Bestehen geschuldet sei.
Otto trifft auf Klimt, Dürer und Schiele
Zwölf Werke aus der Sammlung hat sich Waalkes vorgenommen, darunter Klimt, Dürer, Schiele. „Intervention“ nennt es Gleis, zeitweise offenbar selbst nicht immer ganz sicher, ob es die richtige Entscheidung war: „Wir haben eine Zusage gemacht, bevor wir wussten, was kommt“, amüsiert sich Gleis. Hinter dem bei der Otto-Version von Klimts „Bildnis einer Dame mit Cape und Hut“ (1897/98) ein Ottifantenrüssel eher unangenehm aus dem Gesicht ragt.
„Diese Zwischenphase, in der die Werke noch nicht entstanden sind, die fand ich schon ein bisschen kribbelig“, gesteht Gleis, der, wie Otto Waalkes auch, betonte, dass ein Haus wie die Albertina Humor gut vertragen könne. Subtil sind Waalkes‘ Parodien („Die Parodie ist für mich die aufrichtigste Form der Verehrung“) nicht, aber das war nicht zu erwarten: Am Punkt sind vor allem jene Bilder, die auch einen humoristisch-provokanten Kontrapunkt à la Banksy setzen – der Ottifant, der sich anschickt, Dürers „Das große Rasenstück“ zu mähen. Oder auch, wenn die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Original zu einer logischen Alternativversion führt und so schlüssig die Frage beantwortet wird, was in der leeren Kiste von Jean-Baptiste Greuze auch noch Platz finden würde – ein Ottifant, was sonst.
Rudolf Hausner als Lehrer von Otto
Nicht von der Hand zu weisen ist übrigens das handwerkliche Talent des 77-Jährigen. Waalkes ist alles andere als ein Neuling in der Kunst, er studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Über viele Jahre sein Lehrer: Maler Rudolf Hausner. Aktuell sind übrigens noch keine Anzeichen zu erkennen, dass Otto Waalkes die Grundfesten der Albertina erschüttert hat. Und einen Dürer kann man schwer ins Wanken bringen, er ist über ein halbes Jahrtausend alt. Das hält er aus.
„Otto meets Albertina“. Bis 10. Jänner 2027. Albertinaplatz 1, Wien. albertina.at