Was passiert, wenn Künstler aus dem Jahr 2026 auf eine der bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen des vorigen Jahrhunderts treffen? Diese Frage wird im Gymnasium Feldkirchen beantwortet – die Künstler sind übrigens Schüler.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Kunstlehrerin Claudia Spernol. Voriges Jahr war Franz Kafka an der Reihe, heuer Ingeborg Bachmann. „Das Ziel war es, Bachmann in der Schule sichtbar zu machen und dass sich Schüler auf möglichst vielfältige Art mit ihren Texten auseinandersetzen“, erzählt Spernol voller Leidenschaft. Bachmann deshalb, da sie am 25. Juli ihren 100. Geburtstag feiern würde.

560 Schüler sind am Gymnasium – alle haben sie während ihrer Kunsteinheiten mitgemacht. Die ersten Überlegungen begannen im Oktober, die Umsetzung im Jänner. Die kreativen Resultate sind nun in der Bibliothek ausgestellt. So wurden von den Schülerinnen und Schülern zum Beispiel Leporellos (Faltbücher) angefertigt oder Bilder gemacht. „Es wurde quer durch alle Medien gearbeitet“.

14-Jähriger drehte Film

Besonders herausragend war das Projekt von Theodor Loretz. Der 14-Jährige fertigte eindrucksvoll einen knapp siebenminütigen Film über Bachmann an – mit passender Musik, dramatischer Belichtung und professioneller Bearbeitung in einem Profi-Schnittprogramm. „Ich habe über mehrere Monate, mit Pausen, daran gearbeitet. Ein Konzept hatte ich bereits im Kopf“, berichtet Loretz. Das Schwierigste für ihn war die Anfertigung einer detaillierten Ingeborg Bachmann-Puppe – der Protagonistin des Films. Der Kopf wurde aus Alufolie mit einer Schicht Modelliermasse geformt und anschließend mit Acrylfarbe bemalt. Haare aus Filz, Körper aus Schaumstoff, ein Schal aus einem Taschentuch und Bachmann war bereit, vor die Kamera zu treten.

„Die Stimme war eine schräge Sache“, merkt Loretz an. So musste er eine Balance zwischen seiner und der von Bachmann finden. Zu finden sind dieser und weitere Filme von ihm auf dem YouTube-Kanal Loretzisches Puppentheater. Nach der Schule möchte Loretz auch weiterhin kreativ sein. „Vielleicht eher im Theaterbereich.“

In der Ausstellung im Museum der Schule gibt es zudem mehrere QR-Codes. Diese führen zu Vorlesungen von Bachmanns Werken. „Mir war es wichtig, Kinder und Jugendliche so früh wie möglich an Literatur heranzuführen“, erklärt die Kunst- und Gestaltungslehrerin. Neben den Schülern fanden auch die anderen Lehrkräfte Gefallen an der Ausstellung. Und Eltern können natürlich auch einen Blick in die Bibliothek wagen, wenn sie einmal in der Schule sind. Für nächstes Jahr hat Spernol bereits eine erste Idee: Erich Kästner. „Eventuell“, fügt sie augenzwinkernd an.