Klagenfurt ist immer für eine Überraschung gut. Das zeigte sich am Dienstag einmal mehr. Auf der Tagesordnung des Stadtsenats stand die Entsendung eines Vertreters in den Aufsichtsrat der Klagenfurter Flughafenbetriebsgesellschaft. Eigentlich galt Reisebüro-Unternehmerin Andrea Springer, die die Interessen der Stadt dort bereits seit zehn Jahren vertritt, als gesetzt.

Dann die Wende: Vizebürgermeister Patrick Jonke (FSP) beantragte, statt Springer den Klagenfurter Insolvenzexperten, Rechtsanwalt und Hafenstadt-Chef Michael Pontasch zu entsenden. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen.

„Frau Springer hat gute Arbeit geleistet, aber jetzt ist es an der Zeit, eine Neubesetzung vorzunehmen“, begründet Jonke die Entscheidung. Die Personalie habe sich von „gestern auf heute“ ergeben. Pontasch sei „der richtige Mann, um uns wirtschaftlich und rechtlich gut zu vertreten und den Flughafen strategisch weiterzuentwickeln“.

Rechtsanwalt selbst überrascht

Das Angebot habe ihn selbst überrascht, sagt Pontasch: „Gestern kam eine generelle Anfrage der Stadt, ob ich bereit wäre, das zu machen. Zunächst war ich skeptisch, habe dann aber unter der Voraussetzung zugesagt, dass ich keinen Parteiinteressen ausgesetzt bin und zum Wohl der Stadt agieren kann.“ In seine neue Funktion müsse er sich erst einlesen. Seine Premiere als Aufsichtsrat „feiert“ Pontasch bei der Generalversammlung am 12. Juni.

Dort wird auch entschieden, wie es im Konflikt zwischen der Stadt und der landeseigenen Kärntner Beteiligungsgesellschaft (K-BV) um die Kapitalerhöhung für den Flughafen weitergeht. Bekanntlich fehlt im Rathaus das Geld, um den eigenen Anteil von 2,4 Millionen Euro einzuzahlen. Zudem hatten laut Bürgermeister Christian Scheider (FSP) Experten die Sinnhaftigkeit der geplanten Investitionen hinterfragt. Es stand sogar im Raum, dass die Stadt die Kapitalerhöhung blockieren könnte. Da der Beschluss in der Generalversammlung Einstimmigkeit verlangt, hätte in diesem Fall auch die K-BV ihren Anteil nicht einzahlen können.

Stadtrat Julian Geier (ÖVP) hat vermittelt
Stadtrat Julian Geier (ÖVP) hat vermittelt © Weichselbraun Helmuth Kleine Zeitung

Payer „die Stirn bieten“

Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Auf Vermittlung von Stadtrat Julian Geier (ÖVP) wurde ein Kompromiss gefunden, wonach die Stadt ihre 2,4 Millionen Euro bis spätestens 2028 stunden kann. Ein entsprechender Beschluss soll in den nächsten Tagen gefasst werden. Parallel dazu wird ein Klagenfurter Steuerberater den Businessplan des Flughafens prüfen. Der Auftrag wurde am Dienstag vergeben und ist laut Beteiligungsreferentin Constance Mochar (SPÖ) mit 15.000 Euro gedeckelt.

Auch wenn eine Eskalation damit vorerst vom Tisch sein dürfte, muss die Neubesetzung des Aufsichtsrats vor dem Hintergrund dieses Konflikts betrachtet werden. Die Stadt wolle im Aufsichtsrat künftig jemanden vertreten wissen, der K-BV-Vorstand Martin Payer notfalls „die Stirn bieten kann“, ist aus dem Rathaus zu hören.