Züge fahren hier schon lange keine mehr, auch die Schienen sind längst weg. Trotzdem können Roswitha und Andreas Gruber von sich behaupten, in einem Bahnhof zu wohnen. In Turnau haben sie sich im Ortsteil Au vor mehr als 40 Jahren den Bahnhof Au-Seewiesen gekauft, der an der Strecke der ehemaligen Thörler-Bahn liegt. Schritt für Schritt haben sie diesen in ein Kleinod verwandelt.

Vor 40 Jahren erwarben die Grubers den alten Bahnhof Au-Seewiesen
Vor 40 Jahren erwarben die Grubers den alten Bahnhof Au-Seewiesen © KLZ / Markus Hackl

„Schon beim Kauf im Jahr 1985 war es unser Bestreben, dieses wertvolle Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten“, erzählt Roswitha Gruber. „Das Gebäude war nie denkmalgeschützt, beim Kauf existierte sogar eine Abbruchgenehmigung der Gemeinde Turnau. Dafür mussten wir beim Kauf auch nur den ortsüblichen Grundstückspreis bezahlen, für das Gebäude selbst traute sich der damalige Besitzer gar nichts mehr zu verlangen. Viele meiner Freunde haben damals gemeint, wir wären verrückt, uns so eine Bruchbude zuzulegen“, ergänzt Andreas Gruber.

„Wir haben auch nie je einen Gedanken verschwendet, das Gebäude abzureißen und ein neues Haus hinzubauen. Die Erhaltung von etwas Altem war und ist uns seit jeher ein Anliegen“, so Roswitha Gruber, die der Liebe wegen aus dem Lamingtal nach Au gekommen ist.

Vieles im Original

Die Frontansicht des ehemaligen Bahnhofs blieb im Originalzustand erhalten. „Die Dachziegel haben wir seinerzeit noch vom alten Bahnhof in Thörl geholt, dieser ist schon lange abgerissen“, so Andreas Gruber, der unzählige Arbeitsstunden in die Revitalisierung des Bahnhofs gesteckt hat. „Ich war stets fürs Bauliche verantwortlich, meine Frau hat sich immer um die Gartengestaltung gekümmert.“

Dafür hat es auch schon Prämierungen bei Blumenschmuckbewerben gegeben. Bauteile wie Verladerampe, Böschungsmauer und Lagerraum sind deutlich als Original erkennbar. Bemerkenswert: Im Keller des Bahnhofs befindet sich eine immer noch intakte Trinkwasserquelle, die heute noch Wasser für den Brunnen liefert.

„Lebenstraum“ erfüllt

Im Inneren wurde das Gebäude bis auf die Außenmauern entkernt und nach den Bedürfnissen des Paares neu aufgebaut und eingerichtet. Von der ursprünglichen Bahnhofseinrichtung ist nicht mehr viel vorhanden. „In den letzten Jahren vor unserem Kauf war es ein Gasthaus mit verschiedensten Pächtern, von der Originalausstattung blieb nichts mehr erhalten“, so Andreas Gruber.

Ursprünglich lag der Bahnhof an der 22,7 Kilometer langen Thörler-Bahn
Ursprünglich lag der Bahnhof an der 22,7 Kilometer langen Thörler-Bahn © Archiv Alfred Moser

Er selbst ist in Au aufgewachsen, hat jahrelang bei Pengg und Böhler gearbeitet: „Für mich war immer klar, dass ich hier leben möchte, diesen Lebenstraum habe ich mir mit meiner Frau Roswitha erfüllt.“ Roswitha Gruber hat nicht nur einen grünen Daumen, sondern sie ist auch als Künstlerin aktiv. Ihre großflächigen „Metallbilder“ hat sie bereits in einigen Ausstellungen gezeigt.