Dem Kärntner Jagdaufseherverband werden immer wieder Wildrisse durch wildernde Hunde gemeldet. Über einen besonders grausamen Fall wurden die Jäger Ende Mai in Weitensfeld informiert. Ein Reh hatte sich im Revierteil St. Andrä in einem Schafszaun verfangen. Die Polizeiinspektion (PI) Weitensfeld verständigte die zuständige Jagdaufseherin. Die Geiß wurde zuvor laut Augenzeugenberichten von einem wildernden Hund gehetzt und schwer verletzt. „Das Haupt der Rehgeiß sowie die Drossel waren durch heftige Bisswunden gezeichnet. Die Keule komplett angerissen und angefressen“, schildert Bernhard Wadl, Landesobmann der Jagdaufseher. Dem Jäger blieb nichts anderes übrig, als das Reh mittels Fangschuss von seinen Qualen zu erlösen.
Der bzw. die „Täterin“ konnte rasch ausfindig gemacht werden. Eine Wildkamera hatte eine Hündin alleine und streunend auf einer nahegelegenen Forststraße aufgenommen. Die Schäfer-Mischlingshündin wurde schließlich in Verwahrung genommen. „Mit Unterstützung des TIKO Klagenfurt und der PI Weitensfeld wurde mit einem Chipauslesegerät der Hundebesitzer eruiert“, so Wadl. Er soll sich kooperativ gezeigt haben und den Schaden in Höhe von 200 Euro bereits beglichen haben. Da die notgetötete Rehgeiß führend war, wurde in der Umgebung nach deren Kitz gesucht. Trotz intensiver Suche mit Jagdhunden konnte dieses jedoch nicht gefunden werden. Wadl: „Somit ist anzunehmen, dass das Kitz verhungern musste.“
Wildrissdatenbank
Seit dem Jahr 2013 kam es laut Jagdaufseherverband damit zu 96 Rissen durch wildernde Hunde. So viele Fälle sind zumindest in der Wildrissdatenbank dokumentiert. Wadl geht davon aus, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist. Und für den Jagdaufseher-Landesobmann ist der aktuelle Fall ein weiteres Beispiel dafür, wie das Führen von Hunden an der „virtuellen Leine“ nicht funktioniert. Ende Oktober des Vorjahres wurde in Kärnten eine ganzjährige Leinenpflicht in Form der neuen Hundehaltungs- und Wildschutzverordnung beschlossen. Allerdings wird Hundehaltern (mit Sachkundenachweis) die Möglichkeit geboten, ihren Hund in der freien Landschaft an der „virtuellen“, anstatt der physischen Leine zu führen, wenn diese entsprechend ausgebildet und gehorsam sind. Im Interview mit der Kleinen Zeitung stellte Wadl im März klar: „Virtuelle Leine heißt in der Realität einfach nur gar keine Leine.“ Besonders jetzt in der Brut- und Setzzeit seien Wildtiere daher ungeschützt Angriffen wildernder Hunde ausgesetzt.