Was hat es mit dem Holzhäuschen am Weizer Friedhof auf sich? Seit einigen Wochen sorgt das bei den Weizerinnen und Weizern für Rätselraten. „Nein, es ist keine Jagdkanzel“, betont Pfarrer Anton Herk-Pickl. Zugegeben, so abwegig wäre das nicht, streifen doch seit einigen Monaten Rehe über den Friedhof und laben sich genüsslich an der floralen Grabbepflanzung.
Das freut nicht alle Grabbesitzer. Das Jagen ist am Friedhof allerdings verboten. Stattdessen hat die Pfarre im Schaukasten Empfehlungen für Pflanzen herausgegeben, die Rehe in der Regel nicht fressen. Darauf zu lesen sind, etwa Lavendel oder Akelei, Pfingstrosen und Funkien, Immergrün, Narzissen und Zierlauch.
Von einem Zaun oder einer Mauer hält der Pfarrer nichts. „Das sieht nicht schön aus und es wären auch enorme Kosten, außerdem sehen wir den Weizberg mit Friedhof, ‚Schwobn‘ und der nahegelegenen Volksschule als offenen, wertvollen Ort für alle, wo sich das Leben abspielt“, so der Pfarrer. Und da kommt jetzt auch das neue Holzhäuschen ins Spiel.
Ins Gespräch kommen
„Wir wollen damit einen Ort schaffen, wo Leute miteinander ins Gespräch kommen“, erklärt Herk-Pickl. Denn: Am Friedhof herrscht täglich eine starke Frequenz. Kein Wunder: Dieser beheimatet doch rund 4000 Grabstätten.
Mit speziellen Platzerln und Bänken ausgestattet sollen die Friedhöfe des Seelsorgeraumes Weiz nun zum Begegnungsort werden. „Auf größeren Friedhöfen wird es überdachte Plätze geben, auf kleineren Sitzecken oder Begegnungsbankerl“, verrät Herk-Pickl. Diese sind gerade am Entstehen, das am Weizberg ist bereits fertig.
Trauer das Tabu nehmen
In naher Zukunft wird es noch mit Foldern zum Thema Trauerarbeit bestückt, mit spirituellen Gedanken und Telefonnummern von Anlaufstellen. Generell wolle man versuchen Trauerarbeit neu zu denken, erklärt Pastoralreferent Christoph Doppelreiter. Und sein Kollege Dietmar Meißl ergänzt: „Wir wollen das Thema präsent halten, um ihm das Tabu zu nehmen. Viele Menschen zögen sich in ihrer Trauer zurück, die Gefahr der Vereinsamung sei groß.
Immer wieder werden Mitarbeiter der Pfarren darum auf den Friedhöfen unterwegs sein, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Um in schweren Phasen zur Seite zu stehen, werden auch Trauergruppen und sogenannte Trauerspaziergänge angeboten.
„Für die Trauerbegleitung und Hospiz sind wir immer wieder auf der Suche nach Leuten, die sich ehrenamtlich engagieren wollen“, so Doppelreiter. Die Ausbildung und Kurse würden durch den Seelsorgeraum auch finanziell unterstützt. Einzige Bedingung: „Dass die Personen dann im Seelsorgeraum Weiz aktiv sind“, so der Pfarrer. Auch sogenannte Trosttaschen wurden geschaffen. Darin enthalten: Ein süßer Trost (kleine Schokolade), eine Grabkerze, Kinderbücherl zu den Themen Trauer und Tod, ein Folder mit Anlaufstellen sowie ein Notizbücherl für die eigenen Gedanken.
Ein stiller Begleiter
Und dann gibt es noch den „Stillen Begleiter“, eine App der Diözese, die Menschen unterstützt, die eine geliebte Person verloren haben und gleichzeitig eine Ergänzung zur analogen Trauerarbeit darstellt. Angehörige können digitale Erinnerungen anlegen.
Zusätzlich kann über die App direkt Kontakt zu qualifizierten Seelsorgenden der Diözese aufgenommen werden. Mithilfe von automatisierten Push-Nachrichten kann man sich außerdem an Gedenktage erinnern lassen, digital Kerze anzünden, falls man nicht vor Ort ist, aber auch bei regionalen Dienstleistern Kerzen und Blumen direkt auf das gewünschte Grab bestellen.
Auch eine Gräbersuche ist durch GPS möglich. Bis dato wurden steiermarkweit mehr als 150.000 Gräber digitalisiert, im Bezirk Weiz sind bereits 15 Friedhöfe dabei, so auch jener in Weiz.