Nachdem die Verdopplung von Selbstbehalten bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) bekannt wurde, hagelte es Kritik. Mit 1. Juni werden für Behandlungen etwa beim Arzt statt bisher zehn nun 20 Prozent Selbstbehalt fällig. Die SPÖ-Pensionisten sprachen von einer „überfallsartigen Verdoppelung“, für die ÖVP-Senioren ist der Schritt „unzumutbar“. Scharfe Kritik kam auch von FPÖ und Grünen.
Besonders, dass die Verdoppelung nicht aktiv kommuniziert worden war, sondern lediglich auf der BVAEB-Webseite wenig prominent vermeldet wurde, sorgte für Unmut. Auch im Kleine-Zeitung-Forum sorgte die Veränderung für teils heftige Diskussionen.
„Die sollen lieber in der Verwaltung sparen“
Die Empörung über die Erhöhung beim Selbstbehalt gibt im Kleine-Zeitung-Forum den Ton an. Einige Userinnen und User empfinden diesen Schritt als Sparen am falschen Fleck, wie „gumag26“: „Auch an dieser Stelle holt sich der Staat wieder zusätzliches Geld, anstatt an der Struktur zu sparen. Die von der Regierung Kurz angekündigte Milliarde an Einsparungen durch Zusammenlegung der Kassen ist offenbar auch nur eine PR-Aktion ohne realen Hintergrund gewesen …“
Auch „KR123456“ findet harte Worte für die Verdoppelung: „Eine große Schweinerei. Die sollen lieber in der Verwaltung und bei den Gehältern der Funktionäre sparen.“
Kritik gibt es aber auch an der Gewerkschaft. „HaraldR27“ schreibt: „(...) In Kombination mit den schlechten Lohnabschlüssen die nächste Belastung.“ „sistra“ hinterfragt unterdessen: „Und wieder einmal schweigen die Gewerkschaften, oder haben deren Vertreter in den Gremien dieser Erhöhung gar zugestimmt?“
Und „umo10“ bemängelt die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich: „Anstatt die Gesundheit für alle zu harmonisieren, wird die Schere noch weiter aufgespreizt! Ich vermisse die Grünen in der Regierung.“
„Die Privilegien des öffentlichen Dienstes sind überbordend geworden“
Während Kritik und Unmut in den Kommentarspalten bei diesem Thema vorherrschend sind, mischen sich auch einige verständnisvolle Stimmen darunter. „Die Privilegien des öffentlichen Dienstes sind über die Jahrzehnte derart überbordend geworden, dass eine solche Maßnahme durchaus gerechtfertigt ist“, schreibt „Talking Head“.
Auch „Leosch82“ empfindet die Erhöhung als nötig und erklärt auch, warum: „Es wäre schlicht und einfach langsam (Zeit), mit den ASVG-Versicherten Klartext zu sprechen. Was in anderen Ländern nahezu geschlossene Grundlage ist, ein Selbstbehalt bei den Versicherungsleistungen, ist bei uns noch immer nicht ansprechbar. (...) Es ist an der Zeit, den ASVG-Versicherten klarzumachen, dass für die Leistungen ebenfalls wie bei den Beamten ein Selbstbehalt mit den üblichen Ausnahmefällen zu zahlen sein wird. Die Menschen müssen lernen, sich ihr Einkommen einzuteilen.“
„Das ist völlig okay“, findet „Lepus52“ und schreibt darüber hinaus: „(...) Es wäre auch fair und völlig in Ordnung, auch bei der ASVG einen Selbstbehalt einzuführen und das Leistungsspektrum anzupassen. Das würde nicht nur die Einnahmen erhöhen, sondern auch die Ausgaben reduzieren (...).“
Und „Aschura“ betrachtet die Maßnahme nüchtern und als Pflicht guter Staatsbürger: „(...) Jede/r muss seinen/ihren Anteil geben. Zumindest für gute Staatsbürger gibt es auch Pflichten.“