„Wir sind öfter nachts mit einer Festplatte zu Freunden mit Glasfaseranschluss gefahren“, erzählt Hansjürgen Schmölzer. Er produziert Dokumentarfilme. Große Datenmengen schnell laden und versenden zu können, ist in der Branche Standard. Schmölzer, der mit seinem Unternehmen in der Elisabethinergasse sitzt, braucht deshalb dringend einen Glasfaseranschluss, quasi den Goldstandard der Datenübertragung.
Glasfaser leitet Daten mit Lichtgeschwindigkeit. Herkömmliche Kupferkabel bremsen das Tempo. Schmölzer bangt um seinen Betrieb. Er braucht die schnelle Leitung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Woran es hakt? Würde er sich an das Glasfasernetz anschließen lassen, müsste er selbst eine beträchtliche Investition tätigen. „Ein Glasfaseranschluss hätte mich eine sechsstellige Summe gekostet", erzählt er, „das wäre wirtschaftlich für mich nicht möglich gewesen.“
Netze sind teuer
Bei der Stadt ist die Citycom, ein Unternehmen der Graz Holding, für die Bewirtschaftung des Netzes zuständig. Ihr Fokus gilt Firmenkunden. „Wir haben keinen Auftrag zum Ausbau in der gesamten Stadt“, erklärt Geschäftsführer Ulfried Hainzl. Vielmehr gehe es darum, das Netz dort, wo es möglich ist, sinnvoll zu erweitern. Hainzl hält fest: „Natürlich gibt es immer wieder Inseln, aber Graz ist generell gut mit Breitbandinternet versorgt.”
Schmölzer legt Wert auf die Feststellung, dass es ihm nicht um Schuldzuweisungen geht. Trotzdem fühlt er sich alleingelassen. „Der Ausbau muss koordiniert werden. Dafür braucht es politischen Willen. Als Unternehmer sorge ich mich um den Standort", meint er.
Wirtschaftsfaktor Daten-Speed
Bekannte aus der Filmbranche hätten bereits ihre Koffer gepackt. Einer von ihnen ist Morris Etienne Stux. Er ist der Geschäftsführer von Hybrid Visuals, einem Animationsstudio, das mittlerweile im Technopark in Raaba sitzt.
Vor einigen Jahren war Hybrid Visuals noch in der Wielandgasse zuhause. Dort Glasfaser zu bekommen, hätte Stux eine fünfstellige Summe gekostet, also suchte er nach einem neuen Standort. Der Technopark in Raaba-Grambach hätte schließlich die Infrastruktur geboten, die der Unternehmer sucht.
Neos werfen Stadt „Planlosigkeit“ vor
Tatsächlich ist der Glasfaser-Ausbau in Graz auch ein Politikum. Neos-Gemeinderat Philipp Pointner stellte diesbezüglich eine Anfrage an die Bürgermeisterin. Deren Antworten sorgten wiederum für Irritation bei den Fragestellern. „Planlosigkeit“ werfen die Neos der Stadt beim Glasfaserausbau vor, ein „Masterplan“ wird eingefordert.
Welche Schlüsse sich aus der Beantwortung Elke Kahrs ziehen lassen? Nun, einerseits, dass Mittel eingespart werden. Investierte die Holding via Citycom 2025 noch 2,5 Millionen Euro, sind für das Jahr 2026 laut Kahr zwei Millionen Euro vorgesehen. Grundsätzlich richte sich der Ausbau „vornehmlich nach den Mitverlegungsmöglichkeiten anderer Einbauträger wie Straße, Schiene, Wasserwirtschaft, Energie etc.“
Wie steht Graz in Summe da?
Dass sich in den städtischen Ausführungen kaum Offensivvokabular findet, hat auch damit zu tun, dass der Glasfaserausbau in Graz vorwiegend privatwirtschaftlich organisiert wird. Fördermittel gab und gibt es nur für vereinzelte Stadtränder. Mit Magenta, A1 und der ÖGIG bauen vor allem drei Unternehmen das Netz für private Haushalte aus. Der Blick in den „Breitbandatlas“, die zentrale Informationsplattform des Bundes, gibt schnell ein umfassendes Bild zum Standort.
So liegt Graz mit einer Glasfaser-Abdeckung von 65,6 Prozent der Haushalte zurzeit im Mittelfeld der österreichischen Landeshauptstädte. Während Innsbruck (82,3 Prozent) oder Salzburg (71,3 Prozent) deutlich bessere Versorgungswerte aufweisen, liegen Städte wie Klagenfurt (51,4 Prozent), Linz (50,1 Prozent) oder Bregenz (38,1 Prozent) hinter Graz. Darüber hinaus spielen in der Stadt, historisch bedingt, andere Formen von Festnetzinternet noch immer eine relativ große Rolle.
Summa summarum, so ist es etwa aus dem Glasfaserverband OFAA zu vernehmen, liege Graz in Sachen Grundversorgung mit schnellem Festnetzinternet „nicht schlecht“. Bei „höheren Bandbreiten“ aber gäbe es jedenfalls „Aufholbedarf“. Diesbezüglich nimmt die OFAA auch einen Ball der Neos auf: „Österreich braucht einen ‚Masterplan Glasfaser‘ für seine Städte“.