In eindrucksvoller Manier und unter der aufopfernden Hilfe seiner Teamkollegen von „Decathlon CMA CGM Team“ sicherte Felix Gall beim Giro d’Italia auf der Königsetappe den zweiten Platz in der Gesamtwertung ab. Gefahren wurde von Feltre aus über sechs Anstiege und 150 Kilometer hinauf nach Alleghe. Gall wurde Vierter und kam eine Radlänge vor Jonas Vingegaard (Visma), der „Rosa“ des Gesamtführenden trägt, ins Ziel.
Geprägt wurde die Etappe von einer langen Fluchtgruppe, aus der heraus kam auch der Tagessieger Sepp Kuss. Sie lösten sich bereits vor dem ersten Berg von der Masse.
Das Feld hinter der Fluchtgruppe, in dem sich die Kapitäne mühten, dünnten unterdessen Visma für Vingegaard aus. Helfer um Helfer musste ihrer Aufgabe Tribut zollen, doch zeigte das Team von Gall noch auf dem Passo Giao eine hohe Standfestigkeit. Drei Domestiken waren zu Beginn der 9,8 Kilometer langen und im mittel 9,3 Prozent steilen Auffahrt an der Seite des Osttirolers. Der Pass war mit 2226 Metern Seehöhe der höchste Punkt der Rundfahrt und oben angekommen war Gregor Mühlberger noch immer an der Seite seines Kapitäns und Zimmerkollegen Gall. Auf die Abfahrt, in der das Peloton kurz vor den letzten Serpentinen nach Cortina d’Ampezzo hinunter nach links abbog, folgte sofort der Anstieg des Falzaregopasses (2139 Meter Seehöhe) mit dem Blick auf die Cinque Torri hinauf. Da mussten die Teams von Gall und Thymen Arensman (3./Ineos) arbeiten, denn Visma ließ die Leine zur Spitze länger werden und in der hätte vor allem Derek Gee-West (Trek) auch den Platz des Osttirolers bedrohen können.
Die Entscheidung fiel dann zur Bergankunft nach Alleghe hinauf, Mühlberger machte in den Anstieg hinein das Tempo im stark dezimierten Feld der Kapitäne. Knapp vier Kilometer vor dem Ziel griff Gall an und nur Vingegaard und Jai Hindley (Red Bull) konnten folgen. Arensman strauchelte und musste Hindley hinterherschauen und verlor Platz drei an den Australier. Sie jagten nun auch die Verbliebenen der zersprengten Fluchtgruppe.
Premierensieg für Kuss
Allen entflohen, begrub Giulio Ciccone (Trek), der in der Bergwertung führt, den Traum des Etappensiegs. Sepp Kuss (Visma) schoss an ihm vorbei. Der Mann aus Colorado sicherte sich kurz darauf seinen ersten Etappensieg bei der italienischen Landesrundfahrt.
Der Samstag serviert auf 210 Kilometern von Gemona del Friuli nach Piancavallo die letzten Anstiege des Giros, ehe am Sonntag von und nach Rom die Landesrundfahrt endet. Zwei Mal geht es nach Piancavallo hinauf.