Eine Klagenfurterin ist verzweifelt: Für ihren siebenjährigen Sohn erhält die dreifache Mutter erstmals keine Betreuungsmöglichkeit während der Ferien im Juli. Diese wurde nämlich in ihrem konkreten Fall gestrichen. Das wurde ihr vor wenigen Tagen per E-Mail schriftlich mitgeteilt. „Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich tun soll“, erklärt sie.

Der Bub ist an ADHS, einer neurologischen Entwicklungsstörung. erkrankt. Bei ihm macht sich das durch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität sowie eine innere oder motorische Unruhe bemerkbar. „Er ist aber aktuell medikamentös sehr gut eingestellt“, weiß die Alleinerziehende zu berichten. In der Schule hat das Kind den Timeout-Status und ist in der Ganztagesschule (GTS) auch nach Unterrichtsende betreut.

Kein zusätzliches Personal vorhanden

Zudem befindet sich der Siebenjährige in einem speziellen Betreuungsprogramm, dem sogenannten „5 Plus“. Dieses sieht auch eine Betreuung an Fenstertagen, in den Herbst- und Osterferien wie auch im Juli vor. Und genau davon ist das Kind jetzt ausgeschlossen. „Die besonderen Bedürfnisse Ihres Sohnes erfordern ein qualifiziertes zusätzliches Personal, das wir in der außerschulischen Betreuung leider nicht zur Verfügung stellen können“, heißt es in dem Schreiben der Stadt, das der Kleinen Zeitung vorliegt.

„Ich weiß jetzt wirklich nicht, wo ich ihn in diesen drei Wochen unterbringen soll“, ist die Mutter ratlos. „Ergibt sich keine Lösung, muss ich mich beim AMS anmelden.“ Der Bruder des Buben ist sehr wohl im Juli im Betreuungsprogramm aufgenommen und damit im Juli unter Aufsicht. „Wie bringe ich es ihm bei, dass sein Bruder sehr wohl in die Betreuung darf und er eben nicht“, sieht sich die Klagenfurterin mit einem weiteren Problem konfrontiert.

Thomas Valent, der zuständige Abteilungsleiter im Magistrat, versteht die Verzweiflung des Elternteils, begründet aber die Entscheidung wie folgt: „Auf einen Betreuer kommen 20 Kinder. Und bei den Betreuern handelt es sich auch um keine Pädagogen, sondern um Freizeitbetreuer, die dem Ganzen im Ernstfall oft nicht gewachsen sind.“ Es handle sich um eine Maßnahme im Interesse der restlichen Kinder, die sich in dem Betreuungsprogramm befinden. Zusätzliches Personal sei dafür keines vorgesehen. Konkret betreffe diese Maßnahme fünf Kinder in ganz Klagenfurt. „Jeder einzelne Fall wurde von uns genau analysiert und bewertet“, so Valent weiter. Die betroffenen Eltern würden auch 260 Euro rückerstattet bekommen. Ab dem neuen Schuljahr sei die Betreuung der Kinder auch wieder gesichert.

Empört über diese Maßnahme zeigt sich auch Stadträtin Sandra Wassermann (FPÖ): „Es kann nicht sein, dass gerade bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen Einsparungen vorgenommen werden, nur weil Constance Mochar (Finanzreferentin, Anm.) kein Budget zusammenbringt.“