Es war der Punkt, der bei der Gleichenfeier für die größte Verwunderung gesorgt hat: Der Fußballverein Sturm Graz, der gerade ein Trainingszentrum für den Nachwuchs und ein Bundesligastadion für die Frauen in Graz-Puntigam baut, musste 360.000 Euro Strafe an die Stadt Graz zahlen, „weil wir auf den neuen Trainingsplätzen keine Bäume pflanzen können“, wie es Präsident Christian Jauk formuliert hat.

Wie kann das sein, dass ein Projekt einerseits von Stadt und Land mit Millionen gefördert wird – andererseits setzt es eine fette Strafzahlung? Das sei keine Strafe, betont man zuallererst im Büro von Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). „Es ist eine Ausgleichszahlung.“ Diese fußt auf der Grazer Baumschutzverordnung, die vor wenigen Jahren deutlich verschärft wurde. Und diese Baumschutzverordnung „gilt für dieses Bauvorhaben wie für jedes andere Bauprojekt in Graz auch“.

Von 303 Bäumen konnte Sturm nur 63 nachpflanzen

Die konkreten Zahlen: 97 Bäume mussten für die drei Trainingsplätze und die Gebäude samt Halle, Umkleiden und mehr gefällt werden. Die Baumschutzverordnung schreibt dafür die Ersatzpflanzung von 303 neuen Bäumen vor – Sturm kann am Trainingsareal aber nur 63 nachpflanzen. Ergibt eine Lücke von 240 Bäumen, für die jeweils 1500 Euro als Ausgleichszahlung fließen. Macht insgesamt 360.000 Euro. „Geld, das zweckgebunden ist für andere Baumpflanzungen im ganzen Stadtgebiet“, wie im Büro Schwentner betont wird.

Vielleicht gäbe es einen Weg, das Geld aus anderen Töpfen zu kompensieren, hoffte Sturm-Vize Peter Schaller bei der Gleichfeier. Da winkt man im Rathaus auf Nachfrage vorerst ab. Vielmehr verweist man auf die bereits bezahlten Förderungen, die sich in der städtischen Rechnung auf 5,4 Millionen Euro summieren – was aber so nicht stimmt. Denn die Stadt Graz hat die Hälfte des Grundstückes, wo jetzt das Trainingszentrum entsteht, um 3,1 Millionen Euro gekauft. 15 Jahre überlässt man es miet- und pachtfrei Sturm, dann wird eine Pacht von indexbasierten 155.000 Euro pro Jahr fällig. Als echte Förderung kann man also nur die mietfreien 15 Jahre rechnen, das sind 2,3 Millionen Euro (ohne Indexanpassung gerechnet).

Das Land hat eine klassische Subvention in Höhe von 4,8 Millionen Euro beigetragen, den Rest für das 18-Millionen-Projekt zahlt Sturm Graz selbst „Aus den eigenen Erfolgen heraus“, so Jauk stolz.