Strahlende Kinderaugen sind auf die Scheinwerfer auf der Manege und die aufwändig gestalteten Kostüme der Akteure gerichtet, fröhliche Musik tönt aus den Lautsprechern, es riecht nach Popcorn und Süßigkeiten, das Publikum lacht und applaudiert. Am Donnerstag war es in Spittal so weit: In der Lagerstraße wurden die bunten Vorhänge des hell erleuchteten Zeltes des Circus Dimitri geöffnet. „Die Menschen empfangen uns hier immer wieder mit offenen Armen“, freut sich Zirkusdirektor Dimitri Würschl, der sich mit seinem Bruder Leon den Traum vom eigenen Wanderzirkus erfüllt hat.
Präsentiert wurde ein neues Programm, gestaltet von Star-Artisten aus Frankreich, Ungarn, Italien und Österreich. Als Clown führt Leon mit Spaß und Herz durch das Programm. Tessa Zavatta präsentiert anmutige Kautschuk-Akrobatik der Superlative. Das Duo Matos aus Ungarn zeigt fulminante Einrad-Kunststücke und Monsieur Manu lässt seine Marionette tanzen. Meisterakrobat Lui Nereus begeistert in schwindelerregender Höhe mit seiner Darbietung auf der freischaukelnden Straßenlaterne. Mit spektakulären Loopings an der rotierenden Schaukel sorgen Daniella und Lénárd für adrenalingeladene Nervenkitzel-Momente. Evi Nereus balanciert auf einem Holzstäbchen, das sie mit ihrem Mund festhält, eine Weinflasche auf einem Luftballon.
73 Zirkusfans aus 12 Nationen
Zahlreiche Zuschauer verfolgten begeistert die festliche Premiere in Spittal. Unter sie mischte sich eine ganz besondere Gruppe – bestehend aus 73 Zirkusfans aus 12 Nationen. Die Kinder, Jugendlichen, Männer und Frauen kommen aus Österreich, dem Iran, der Slowakei, Afghanistan, den Philippinen, Syrien, der Ukraine, dem Irak, Aserbaidschan, Kroatien, Tansania und Serbien.
Organisiert wurde der gemeinsame Besuch von der Spittaler Migrantinnenberatung in Kooperation mit der Volkshilfe. Sabine Steinwender, Angelika Hinteregger und Andrea Penker ermöglichen es den Teilnehmenden bereits das vierte Jahr in Folge, die kunterbunte Zirkuswelt kennenzulernen. Das Angebot stößt auf Begeisterung: Gestartet wurde mit einer 50-köpfigen Gruppe, doch immer mehr Personen zeigten Interesse.
Pinocchio betritt das Zelt
„Wir unternehmen einmal pro Monat einen gemeinsamen Ausflug. Örtliche Vereine unterstützen uns bei der Umsetzung. Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmenden Anschluss an die Gesellschaft finden und sich mit anderen Menschen austauschen können“, schildert Hinteregger. Dass das Vorhaben von Erfolg gekrönt ist, zeigte sich bei der Premierenvorstellung. Schon lange vor Aufführungsbeginn trudelten die ersten Besucher ein. Ausgestattet mit kühlen Erfrischungen und Snacks, die im Verkaufswagen angeboten werden, füllten sie schließlich die Ränge und Logen im Zirkuszelt.
Während die Artisten auf einem Einrad sitzend Trampolin sprangen, Hula-Hoop-Reifen um ihren Körper kreisten und Pinocchio zum Leben erweckten, verloren Faktoren wie das Herkunftsland oder das Alter immer mehr an Bedeutung. Zwischen fröhlichem Kinderlachen und begeistertem Applaus schlossen sich große und kleine Zirkusfans aus aller Welt zusammen, um die Artisten bestmöglich zu unterstützen. Rund eineinhalb Stunden lang verfolgte das Publikum gespannt ihr Programm – begeistertes Flüstern, tosender Applaus, zahlreiche Fotoaufnahmen und lauter Jubel inklusive.
Ohne Maus unterwegs
Der Ablauf wird von Akteuren gestaltet, die ihr Leben der Manege verschrieben haben. Dimitri und Leon Würschl gründeten „den kleinsten Zirkus der Welt“ selbst – 200 Menschen finden in dem Zelt Platz. Die Brüder performen seit ihrer Kindheit gemeinsam und ziehen bis heute an einem Strang. Unterstützt werden sie von einem Team, das mit ihnen quer durch Österreich tourt. Tiere sind kein Teil davon – Zirkusmaus Augustine Mausini verabschiedete sich in den Ruhestand.
Den Mitwirkenden stehen spannende und arbeitsintensive Monate mit zahlreichen Terminen bevor. Interessierte finden die nächsten Stationen und Aufführungszeiten online unter www.circusdimitri.at.