Liebe und Besitz, Freiheit und Bindung, Nähe und Distanz und immer wieder die Suche nach sich selbst und innerer Heimat – darüber schreibt Herwig Oberlerchners in seinem Roman „Rührung“, der eine leidenschaftliche Zweierbeziehung im Studentenmilieu der 1980er-Jahre und den langen Weg zur Selbstfindung des in einem Kärntner Dorf aufgewachsenen Protagonisten auf lebendige und feinfühlige Art schildert. Erst als sich Simon von der Illusion löst, dass eine Partnerin der Hafen sein muss, gelingt ihm seelische Heilung, wesentlich unterstützt von einer Selbsterfahrungsgruppe. Das Gefühl wertschätzender Selbstannahme nennt der Autor „Rührung“.

1992 damit begonnen

Schon 1992 habe er mit den Aufzeichnungen begonnen und sie immer wieder umgeschrieben, erzählt der ehemalige Leiter der psychiatrischen Abteilung im Klinikum Klagenfurt, der im Buch seinen eigenen Lebensweg aufarbeitet, wobei er sich der Frage stellt, „ob wir uns jemals ganz selbst erreichen“. Am Schluss, am Ende seiner Karriere, findet er zu der Aufgabe zurück, die seine Jugend geprägt hat: sich selber wieder lieben, trösten, umsorgen lernen, wie es ihm in seinem Heimatdorf im Dialekt gesagt wurde: „Es wird schon wieda. Brauchst nua Söl und Leib und Kopf wieda zomflickn.“ Gerade als ihm das gelungen war, holte das Schicksal noch einmal zur Prüfung aus und wieder stand er vor der Herausforderung, inmitten von Trennung, Abschied und Tod den Neubeginn zu wagen.

Herwig Oberlerchner. Rührung - Ein Wagnis. Drava Verlag, 162 Seiten, 22,95 Euro