Die Gemeinde Pörtschach und die Stadt Fujikawaguchiko trennen rund 9300 Kilometer. Eine Strecke, für die man mit dem Auto rund 185 Stunden benötigen würde. Die Ortschaft am anderen Ende des Planeten rückt jetzt vermutlich ein Stück näher an den Wörthersee.

Stimmt der Pörtschacher Gemeinderat am Montag zu, schließt die Wörtherseegemeinde mit 3000 Einwohnern einen Partnerschaftsvertrag mit Fujikawaguchiko ab. Die japanische Stadt liegt gute zwei Stunden von Tokio entfernt und quasi am Fuße des weltbekannten Vulkans Fuji. Rund 25.000 Einwohner leben in der Stadt, die als Erholungsgebiet der Bevölkerung Tokios dienen soll. „Das ist eine spannende Sache“, sagt Pörtschachs Bürgermeisterin Silvia Häusl-Benz (ÖVP), die sich dadurch Vorteile für den heimischen Tourismus erhofft. Umgekehrt dürfte das Verlangen nach Besuchern aus Kärnten geringer sein. Fujikawaguchiko sowie weitere Städte in Fuji-Nähe kämpfen seit Jahren mit Übertourismus. 2024 sah sich die Stadt sogar kurzzeitig gezwungen, einen beliebten Fotopunkt auf den Vulkan mit einem Sichtschutz zu verbarrikadieren.

„Die Verbindung in die Stadt legte eine Pörtschacherin“, sagt die Bürgermeisterin, die den Kontakt intensivierte. Eine Brücke nach Asien schlägt aber auch der internationale Brahms-Wettbewerb, der heuer zum 31. Mal stattfinden wird. Differenzen zwischen der Gemeinde, dem Tourismusverband und dem Veranstalter sorgten für eine Absage im Vorjahr. Nun sitzt wieder Brahms-Wettbewerb-Gründer Johannes Kropfitsch am Ruder, von 27. September bis 4. Oktober geht der Bewerb somit wieder am Wörthersee über die Bühne. „Sowohl der Verein als auch der Tourismusverband zeigen Interesse an der Partnerschaft“, sagt Häusl-Benz, die selbst noch nie in Japan war. Anders als Gabriele Hadl.

Grüne und FPÖ sehen Vorgang kritisch

Die Grüne Gemeinderätin lebte 20 Jahre lang in Japan und freut sich dementsprechend über die Vernetzung. Unglücklich stimmt sie nur der Alleingang der Bürgermeisterin. „Der ursprüngliche Antrag dazu kam von mir. Umso befremdlicher ist es, dass man die Umsetzung macht, ohne auf meine Hilfe zurückzugreifen“, sagt Hadl. FPÖ-Gemeindevorstand Florian Pacher, der 2021 in das Vorhaben ebenfalls involviert war, fühlt sich hintergangen und wünscht sich einen „breiten Austausch aller Parteien“ sowie einen „konkreten Plan und ein gegenseitiges Kennenlernen“. Häusl-Benz ist sich aber sicher, dass auch so die Zusammenarbeit funktionieren wird. Die ÖVP verfügt im Gemeinderat über eine absolute Mehrheit, nur eine Überraschung steht der Partnerschaft, die laut Häusl-Benz keine hohen Kosten produzieren soll, somit im Weg.