Am Anfang stand ein Stück Papier. Anonym. Darauf stand, dass es wohl eine verborgene Studie gäbe, wonach Kinder in österreichischen „SOS Kinderdörfern“ schwer misshandelt werden würden. Jürgen Klatzer und Matthias Winkler haben diesen Zettel nicht einfach weggeworfen, sondern eine Recherche gestartet. Ausgang ungewiss. Doch am Ende dieser journalistischen Leistung stand die nachweisbare und folgenschwere Verifizierung dieser ersten anonymen Nachricht. Die Konsequenzen dieses Skandals sind auch in der Steiermark und in Kärnten bis heute präsent. Und für diese investigative Leistung erhielten die beiden „Falter“-Journalisten die Auszeichnung „Journalisten des Jahres“.

Es war eine echte Preis-Rallye, die hier am Dienstagabend im ORF Zentrum stattfand, denn einmal im Jahr lässt das Branchenmagazin „Österreichs Journalist:in“ des Medienfachverlages Oberauer über die Besten der Zunft abstimmen, dabei wurden Preise in 20 Kategorien vergeben, dazu noch Sonderpreise, das Lebenswerk und - neu - die „Hidden Stars“, eine Ehrung für die „guten Seelen“ in den Redaktionen.

ORF Generaldirektorin Ingrid Thurnher laudatierte die ausgezeichnete ORF-Redaktion und nahm zur Causa Prima Stellung.
ORF Generaldirektorin Ingrid Thurnher laudatierte die ausgezeichnete ORF-Redaktion und nahm zur Causa Prima Stellung. © ORF/Hans Leitner

Und viele der Auszeichnungen wanderten zum wiederholten Male an dieselben Gewinner. Wie etwa jene der „Redaktion des Jahres“, die zum bereits 14. Mal an den ORF ging. ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher nützte die öffentliche Gelegenheit aber nicht nur, um eine Laudatio auf den „ausgezeichneten Journalismus“ im größten Medienhaus des Landes zu halten, sondern nahm auch zum „Elefant im Raum“ Stellung, wie die ORF-Skandale der letzten Zeit rund um Roland Weißmann in der Moderation bezeichnet wurden. Thurnher sprach von „Monaten, die für den ORF nicht leicht waren“, sie unterstrich aber klar: „Der ORF ist nicht käuflich und kein Spielball der Politik.“ Zurufe, wer welche Posten im ORF übernehmen solle, seien zuletzt häufig geworden und höre sie nicht gerne, sie wolle sich darauf konzentrieren, „dass der ORF dem Publikum gehört.“

Kleine Zeitung-Redakteur Markus Zottler wurde in der Kategorie Wirtschaft als Journalist des Jahres ausgezeichnet.
Kleine Zeitung-Redakteur Markus Zottler wurde in der Kategorie Wirtschaft als Journalist des Jahres ausgezeichnet. © APA / Ludwig Schedl

Auch die Redaktion der Kleinen Zeitung bekam einige Preise. Regionalchef Thomas Pilch als bester steirischer Journalist, Marco-William Ninaus und Marie Miedl-Riesner als Teil der „Besten 30 unter 30“, Petra Lerchbaumer als „Hidden Star“ und Markus Zottler wurde als bester Wirtschafts-Journalist des Landes ausgezeichnet. „Es ist eine Wertschätzung mir gegenüber, aber vor allem auch eine Wertschätzung dem Wirtschaftsressort der Kleinen Zeitung gegenüber. Ich denke, wir machen als Team seit Jahren verlässliche, fundierte Arbeit und haben es auch geschafft, einen eigenen Stil zu entwickeln. Mit vielen Geschichten über innovative Start-ups, kleine und mittlere Betriebe aus den Regionen und deutlichen Akzenten bezüglich Technologie-Berichterstattung“, so der Preisträger, der auch betonte, wie wichtig die regionalen Zugänge seien: „Regionalität spielt eine große Rolle. Die Einordnung von regionalem Wirtschaftsgeschehen - auch in einen größeren Kontext – ist unser Kerngeschäft. Deswegen vergeht auch kein Tag, an dem wir nicht mit regional tätigen Wirtschaftstreibenden oder mit Menschen, die Bezug zu den Unternehmen haben, im Austausch sind“, so der stellvertretende Wirtschafts-Ressortleiter. Ebenfalls ausgezeichnet als bester Medienjournalist des Landes wurde Kleine Zeitung-Gastautor Peter Plaikner.

Regionalchef Thomas Pilch wurde als bester steirischer Journalist ausgezeichnet.
Regionalchef Thomas Pilch wurde als bester steirischer Journalist ausgezeichnet. © Fotograf

Die Auszeichnung für das Lebenswerk erhielt Hubert Gaisbauer. Er war einst Mitgestalter der „Ö3-Musicbox“ und Gründer von „Menschenbilder“ sowie Leiter der ORF-Religionsabteilung und prägende Figur des ORF-Rundfunks. Er wurde von mehreren „geistigen Kindern“, darunter Barbara Rett, Alfred Treiber und Wolfgang Hübsch, als „Ermöglicher und Horizonterweiterer“ geehrt. Er selbst plädierte in seiner Rede für eine „Entwaffnung der Worte“ und forderte eine emotionale Mäßigung in der öffentlichen und medialen Debatte. Die Urkunden und Trophäen wurden traditionell von Herausgeber und Chefredakteur der „Journalist:in“, Georg Taitl, überreicht.

Medienmanager des Jahres wurde Stefan Lassnig von Missing Link Media, er wurde von Investigativ-Journalist und Podcast-Host „Die Dunkelkammer“ Michael Nikbakhsh als „ein Medienmanager, der mit jedem Arbeitsschritt des Medienprodukts vertraut ist“, bezeichnet – und als einer, der „unabhängigen Journalismus lebt“. Mit Lassnig gewann erstmals ein innovativer Podcast-Unternehmer diesen Award und kein Chef oder Chefin der großen Medienhäuser.