Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war Como vor allem dafür bekannt, dass Hollywood-Star George Clooney am idyllischen Comer See ein Feriendomizil hat. Im fußballverrückten Italien hatte der FC Como längst an Glanz verloren, musste eine Bankrotterklärung abgeben und schied aus dem Profifußball aus. Das ist keine neun Jahre her. In wenigen Wochen steht das direkt am See gelegene Stadio Giuseppe Sinigaglia, das lediglich 13.602 Zuschauer fasst, dann aber im Rampenlicht der größtmöglichen Fußballbühne auf Klubebene. Mit Rang vier in der abgelaufenen Serie-A-Saison hat sich der Klub vom Comer See einen Fixplatz in der Champions League gesichert. Es ist ein Märchen, das ohne finanzielle Rückendeckung nicht möglich gewesen wäre. Die indonesischen Hartono-Brüder Robert Budi und Michael Bambang kauften den Verein 2019 mit der „Djarum Group“ und schafften es 2022, Cesc Fabregas als Spieler in die zweite italienische Liga zu locken. Ein Goldgriff, wie sich herausstellen sollte.

Der spanische Welt- und Europameister beendete nach einer Saison bei Como seine aktive Karriere. Dem FC Como blieb er verbunden. Fabregas ist Anteilseigner am Klub, genau wie die französische Legende Thierry Henry. Dass Fabregas, der in seiner Glanzzeit als Spieler mit Arsenal, Barcelona und Chelsea zwölf Titel gewann, auch als Trainer so stark performen würde, war nicht abzusehen. Erst vor drei Jahren war er erstmals als Trainer tätig, betreute eine Nachwuchsmannschaft des FC Como, später wurde er Co-Trainer und schließlich zur Saison 2024/2025 Cheftrainer. Nun folgte mit dem Einzug in die Champions League die vorläufige Krönung in der noch jungen Trainer-Karriere des 39-Jährigen. Der ehemalige Mittelfeldspieler erinnert sich. „Als ich vor vier Jahren als Spieler kam, haben wir uns in einer Bar umgezogen und hatten kein Trainingszentrum.“ Trotz großer finanzieller Möglichkeiten gibt es keine Hauruck-Aktionen. Auch auf die Verpflichtungen namhafter Spieler wird verzichtet. Junge Spieler, keine ausrangierten Stars. Das ist Fabregas wichtig. Der 21-jährige Nico Paz war in der vergangenen Spielzeit mit 13 Treffern etwa der zweiterfolgreichste Klub-Torschütze hinter Anastasios Douvikas (17 Tore). Der sportliche Erfolg mit dem eingeschlagenen Weg ist ein Verdienst von Fabregas.

„Ich habe mit diesem Verein angefangen, weil ich an ein langfristiges Projekt dachte. Ich glaube wirklich an das langfristige Projekt von Como, ich bin als Spieler hierhergekommen und ich bin sehr, sehr glücklich, weil ich hier so arbeiten kann, wie ich will“, sagte Fabregas vor der abgelaufenen Saison. Ein Abgang wäre nur dann denkbar, wenn es Zeit für den nächsten Schritt wäre. Bis dahin bleibt Fabregas der neue Star am Comer See.