Paris hat sich in den vergangenen Jahren Ende Mai schon von seinen verschiedensten Seiten gezeigt – vom strahlenden Sonnenschein bis hin zu zehn Grad und Dauerregen ist zu dieser Jahreszeit in der französischen Metropole alles möglich. Derzeit wird die Stadt der Liebe von einem Hoch begünstigt und so herrschten am ersten Spieltag brütende Temperetauren. 32 Grad waren es genau gesagt auf dem Court Nummer 9, wo Lilli Tagger gegen die Chinesin Xinju Wang ihr Grand-Slam-Debüt bei den Erwachsenen gab.
Und die vielen rot-weiß-roten Fans, die sich auf dem Platz, der zwischen den Stadien Philippe Chatrier und Suzanne Lenglen eingebettet ist, bekamen von der Siegerin der vorjährigen Juniorinnenbewerbs eine durchwachsene Leistung serviert. So gaben sich im Spiel der erst 18-Jährigen Osttirolerin beeindruckende Winner-Schläge und unnötige Eigenfehler die Hand. Lag die Lienzerin bereits 3:6 und 0:1 (mit Break) zurück, konnte sie sich gegen die Nummer 32 des Turniers wieder in die Partie zurückkämpfen, holte den zweiten Durchgang verdient mit 6:3. Im dritten Satz überwiegten wieder die Eigenfehler auf der Vorhand, die sie seit geraumer Zeit umstellt und noch keine Konstanz aufweist, und so geriet Tagger schnell mit 1:5 in Rückstand. Zwar konnte sich die Österreicherin mit zwei Rebreaks nochmals auf 4:5 heranarbeiten, doch beendete Wang die Partie nach 2:10-Stunden mit 6:4.
Umstellungen auf der Vorhand
„Es war eine enge Partie. Am Anfang habe ich mich ein bisschen von den Emotionen überrumpeln lassen und wollte das Spiel zu sehr kontrollieren. Im zweiten Satz habe ich meinen Weg gefunden und im dritten hatte ich meine Chancen, konnte sie aber nicht nützen. Es gibt noch viele Sachen zu verbessern, aber ich kann zufrieden sein“, resümierte Tagger. Angesprochen auf die Umstellung ihrer Vorhand erklärte die Weltranglisten-90.: „Wir haben nach Rom bei der Griffhaltung ein bisschen etwas geändert, ich spiele jetzt mit ein bisschen weniger Spin. Es fühlt sich daher noch nicht so normal an und ich habe in gewissen Situationen Angst, den Schlag voll durchzuziehen. Ich musste aber etwas ändern, damit ich mit den Besten mitspielen kann. Ich habe bisher beim Schlag viel zu viel Energie gebraucht und trotzdem ist nicht das herausgekommen, was herauskommen hätte sollen. Aber das gehört dazu – ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“
Noch ist das Turnier für Tagger aber nicht vorbei, tritt sie doch im Doppel an der Seite von Sara Errani an. Die Italienerin ist im Doppel Titelverteidigerin – weil aber Standardpartnerin Jasmine Paolini verletzungsbedingt passen muss, fragte sie die Österreicherin. „Da sagt man nicht nein“, lachte die Osttirolerin. Zum Auftakt geht es für das Duo gegen die Amerikanerinnen Kenin/Krueger.
Aus für Kraus
Neben Tagger war auch für Sinja Kraus in der ersten Runde Endstation. Die Wienerin verlor auf dem Center Court gegen die an Nummer elf gesetzte Schweizerin Belinda Bencic erwartungsgemäß 2:6, 3:6. „Das sind die Matches, für die man trainiert“, sagte die 24-Jährige, die sich erfolgreich durch die Qualifikation gekämpft hatte und wie Tagger einen Fixplatz im Hauptfeld von Wimbledon hat.
Am Montag sind gleich drei Österreicher im Einsatz: Um 11 Uhr startet Jurij Rodionov gegen Lokalmatador Rinderknech, Julia Grabher (gegen die Qualifikantin Sramkova) und Anastasia Potapowa (gegen die Australierin Joint) bestreiten jeweils die 2. Partie nach 11 Uhr. Sebastian Ofner ist erst am Dienstag an der Reihe – es wartet der starke Italiener Luciano Darderi.