Ein Land der Wälder – mit neuen Herausforderungen

Österreich zählt zu den waldreichsten Ländern Europas: Rund 48 Prozent der Landesfläche sind bewaldet, Kärnten liegt mit einem Waldanteil von rund 62 Prozent sogar an der Spitze. Über Jahrzehnte hinweg ist die Waldfläche stetig gewachsen, ebenso der Holzvorrat. Doch die Folgen des Klimawandels verändern das Bild zunehmend.

Trockenperioden, Sturmereignisse und massive Borkenkäferschäden haben den heimischen Wäldern in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Die aktuellen Ergebnisse der Österreichischen Waldinventur zeigen erstmals einen leichten Rückgang bei Waldzuwachs und Holzvorrat. Besonders betroffen sind Monokulturen und ältere Bestände, die empfindlicher auf Hitze und Wetterextreme reagieren.

Warum Mischwälder immer wichtiger werden

Als Reaktion auf die veränderten Bedingungen setzt die Forstwirtschaft verstärkt auf Mischwälder. Laubholzreiche und vielfältige Waldbestände nehmen zu, reine Fichtenwälder dagegen werden weniger. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Unterschiedliche Baumarten reagieren verschieden auf Trockenheit, Schädlinge oder Sturm. Vielfalt macht den Wald widerstandsfähiger.

Gleichzeitig braucht der Wald Verjüngung. Gerade jüngere Bäume gelten als besonders leistungsfähig, wenn es um die Aufnahme von Kohlendioxid geht. Wälder im mittleren Alter speichern besonders viel CO₂ und wachsen am stärksten. Alte und geschwächte Bäume hingegen sind anfälliger für Schäden und verlieren zunehmend an Stabilität.

Klimaschutz beginnt im Wald

Viele verbinden Klimaschutz automatisch mit unberührter Natur. Doch beim Wald zeigt sich ein differenzierteres Bild: Fachleute betonen, dass aktive Waldbewirtschaftung ein zentraler Teil der Lösung sein kann. Werden Bäume zum richtigen Zeitpunkt genutzt, bleibt der Wald vital und kann sich erneuern. Gleichzeitig bindet das geerntete Holz weiterhin Kohlenstoff etwa in Möbeln, Häusern oder anderen langlebigen Holzprodukten.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Holz ersetzt energieintensive oder fossile Materialien und Brennstoffe. Holzbiomasse wird etwa zur Wärmegewinnung genutzt und kann Öl oder Gas ersetzen. Nachhaltige Nutzung und Klimaschutz schließen sich daher nicht aus – im Gegenteil.

Mehr als nur Holzlieferant

Der Wald erfüllt weit mehr Aufgaben als die Produktion von Holz. Er schützt vor Naturgefahren, speichert Wasser, bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen und dient vielen Menschen als Erholungsraum. Gerade in Kärnten hat der Wald auch enorme wirtschaftliche Bedeutung: Rund 96 Prozent der Waldflächen befinden sich in Privatbesitz. Viele Familienbetriebe leben direkt oder indirekt von Wald und Holz.

Dabei zeigt sich, dass nachhaltige Bewirtschaftung und Biodiversität kein Widerspruch sein müssen. Entscheidend ist das richtige Gleichgewicht zwischen Nutzung, Schutz und Verjüngung. Ziel ist ein Wald, der auch für kommende Generationen stabil bleibt – ökologisch wie wirtschaftlich.

Der Wald der Zukunft braucht Pflege

Die Anforderungen an den Wald wachsen. Er soll CO₂ speichern, Biodiversität sichern, Rohstoffe liefern und gleichzeitig widerstandsfähig gegenüber Klimaveränderungen bleiben. Fachleute sind sich deshalb einig: Ein klimafitter Wald entsteht nicht von selbst.

Aktive Waldbewirtschaftung bedeutet heute vor allem, den Wald an neue Bedingungen anzupassen – mit vielfältigen Baumarten, einer ausgewogenen Altersstruktur und nachhaltiger Nutzung. Denn nur ein gesunder Wald kann seine vielen Funktionen langfristig erfüllen.