„Wir müssen die KI-Welle reiten“
IV-Steiermark Vizepräsident Alfred Marchler über Bildung, Mut und Digitalisierung – und warum Künstliche Intelligenz die Zukunft Österreichs prägen wird.

Herr Marchler, Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft und Arbeitswelt rasant. Ist das eher Risiko oder Aufbruch?
Alfred Marchler: Ganz klar Aufbruch. KI ist keine Bedrohung, sie ist eine Zäsur in unserer Entwicklung. Sie verändert Arbeit, Ausbildung und Gesellschaft tiefgreifend. Wer das nur als Gefahr sieht, verschenkt enorme Chancen. Wir müssen diese Transformation aktiv gestalten, nicht abwarten, denn sonst gestalten andere sie für uns.
Österreich liegt beim KI-Reifegrad unter dem EU-Schnitt. Warum tun wir uns so schwer?
Uns fehlt vielerorts eine greifbare, ganzheitliche KI-Strategie mit Prioritäten, Verantwortungen und klaren Messgrößen. Das ist ein Weckruf: Während weltweit Milliarden in KI fließen, dürfen wir nicht im „Fast-Follower“-Modus verharren.
Wo sehen Sie die größten Hebel für die Industrie?
In der Verbindung unseres Produktionswissens mit moderner KI. Digitale Zwillinge, vorausschauende Wartung und KI-gestützte Fertigung senken Kosten, steigern Qualität und eröffnen neue Geschäftsmodelle.

Was braucht es, damit das gelingt?
Erstens Bildung: Derzeit fehlen rund 28.000 IT-Fachkräfte, bis 2030 fast 40.000. KI-Kompetenz muss in jede Ausbildung, Schule, Lehre, FH, Universität, inklusive Upskilling in den Betrieben. Zweitens flexiblere Arbeit: weniger Routine, mehr Projekt- und Experimentierkultur, Raum für Pilotierungen. Die Arbeitswelt wird sich massiv wandeln und neue Modelle werden uns unterstützen. Drittens eine digitale, schlanke Verwaltung: Genehmigungen schneller, Standards offen, Datenschutz und Innovation zusammendenken.
Ihr Fazit?
Wir stehen am Wendepunkt und es liegt an uns, dass wir in die Umsetzung gehen. Dafür brauchen wir die passenden Technologien, die passende Ausbildung und natürlich auch motivierte Menschen. Wir müssen dazu ermutigen, neue Möglichkeiten auch entsprechend zu nutzen. Wenn wir jetzt entschlossen in Bildung, Technologie und Mut investieren, holen wir Produktivität zurück, erhöhen die Resilienz unserer Unternehmen und sichern hochwertige Jobs – besonders am Industriestandort Steiermark.