„Pflege ist Zukunft: Die KAGes geht voran“
Ein Gespräch mit Eveline Brandstätter, KAGes Direktorin für Pflege, über Digitalisierung, neue Kompetenzen und Herausforderungen sowie die große Chance für die Pflegeberufe im Wandel.

Frau Direktorin, wir erfahren aktuell enorme Veränderungen für die Pflege – von der Digitalisierung bis zur GuKG-Novelle. Wie spürbar ist dieser Wandel schon jetzt im Alltag der Pflegekräfte?
Direktorin für Pflege: Sehr spürbar. Wir befinden uns mitten in einer Transformation, die sowohl technologisch als auch gesellschaftlich tiefgreifend ist. Pflege war immer ein Beruf, der Herz, Wissen und Verantwortung vereint – Technologie ergänzt diesen Mix. Künstliche Intelligenz, digitale Plattformen und smarte Assistenzsysteme verändern den Arbeitsalltag. Gleichzeitig sehen wir durch die Gesetzesreform neue Kompetenzen und Aufgabenfelder für unsere Fachkräfte. Es ist eine spannende, aber auch anspruchsvolle Zeit.
Digitalisierung in der Pflege – das klingt für viele nach Robotern und kalter Technik. Wie verändert sie tatsächlich den Berufsalltag?
Direktorin für Pflege: Die Digitalisierung ist kein Ersatz für menschliche Zuwendung, sondern eine Entlastung. Künstliche Intelligenz hilft uns, Patient*innendaten schneller zu analysieren oder Pflegepläne individuell anzupassen. Automatisierte Systeme übernehmen Routinetätigkeiten, etwa bei der Dokumentation oder der Überwachung von Vitalwerten. Dadurch bleibt mehr Zeit für das Wesentliche – die persönliche Betreuung der Menschen. Das ist ein echter Fortschritt.
Der Fachkräftemangel bleibt aber eine große Herausforderung. Wie reagiert die KAGes schon darauf?
Direktorin für Pflege: Da setzen wir bereits seit geraumer Zeit auf mehreren Ebenen an, und das zeigt sich auch an den Zahlen: Wir verzeichnen aktuell quasi eine Vollbesetzung. Generell sind gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und verlässliche Dienstpläne die Basis. Ebenso wichtig ist, dass Pflegekräfte sich weiterentwickeln können. Weiterbildung, Spezialisierungen und moderne Ausbildungswege machen den Beruf attraktiver. Gleichzeitig sprechen wir auch potenzielle Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger an. Vielfalt ist eine Bereicherung – in jeder Hinsicht.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Chancen, die sich aus diesem Wandel ergeben?
Direktorin für Pflege: Die Pflegeberufe gewinnen an Bedeutung und Ansehen. Durch Spezialisierungen – wie etwa in Anästhesie, OP-Pflege oder Geriatrie – haben sich vielseitige und spannende Karrierewege ergeben. Pflegekräfte übernehmen heute mehr Verantwortung, gestalten Prozesse aktiv mit und arbeiten auf Augenhöhe mit anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Das stärkt das Selbstverständnis unserer Profession enorm.
Mit der GuKG-Novelle 2025 werden Pflegefachkräfte erstmals zur Erstverordnung bestimmter Medikamente berechtigt. Wie wichtig ist dieser Schritt?
Direktorin für Pflege: Sehr wichtig. Er zeigt, dass die Politik und das Gesundheitssystem die Kompetenz der Pflege anerkennen. Wenn Pflegefachkräfte selbständig bestimmte Medikamente verordnen dürfen, ist das nicht nur effizienter – es stärkt auch das Vertrauen in die Berufsgruppe. Die Pflege wird damit noch mehr zur zentralen Säule der Versorgung.
Ein großer Teil der Pflegekräfte arbeitet mit älteren Menschen. Wie verändert sich die Betreuung in einer immer älter werdenden Gesellschaft?
Direktorin für Pflege: Die Menschen möchten so lange wie möglich selbstbestimmt leben. Das erfordert individuelle, empathische und zugleich professionelle Begleitung. Der Bedarf an Fachkräften, die auf Alters- oder Demenzpflege spezialisiert sind, wächst stetig. Gleichzeitig müssen wir Angehörige stärker einbinden und digitale Hilfsmittel gezielt nutzen. Es geht nicht nur um Versorgung, sondern um Lebensqualität.
Und wie können junge Menschen heute in die Pflege einsteigen? Welche Wege stehen offen?
Direktorin für Pflege: Es gibt viele Möglichkeiten: Pflegelehre oder Pflegeschule für die Ausbildung zur Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz bis hin zum Studium der Gesundheits- und Krankenpflege. Die persönliche Entwicklung im Pflegeberuf reicht von der direkten Arbeit mit den Patient*innen über Führungsverantwortung im klinischen Setting bis hin zu wissenschaftlicher Arbeit und Forschung, die KAGes bietet hier ein breites Spektrum an Entfaltungsmöglichkeiten. Wichtig ist, dass man Herz, Neugier und die Bereitschaft mitbringt, sich weiterzuentwickeln. Pflege ist ein Beruf mit Zukunft – und mit Sinn.
Was wünschen Sie sich für die Pflege der Zukunft?
Direktorin für Pflege: Mut und Offenheit. Der Wandel kann nur gelingen, wenn wir ihn gemeinsam gestalten – Pflegekräfte, Auszubildende, Politik und Gesellschaft. Wir müssen die Digitalisierung als Chance begreifen und gleichzeitig den menschlichen Kern der Pflege bewahren. Wer sich heute für diesen Beruf entscheidet, gestaltet aktiv die Zukunft unseres Gesundheitswesens mit. Das ist eine der schönsten Aufgaben, die es gibt.
Entstanden in Kooperation mit der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H.