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Professionelle und individuelle Begleitung bis ins hohe Alter

Die gemeinnützige Organisation LebensGroß ist nicht nur Dienstleisterin, sondern treibt auch gesellschaftliche Veränderungen voran. Für und mit Menschen mit Behinderungen werden Lösungen entwickelt, um ein gutes, inklusives Altern zu ermöglichen. Bewohner Konrad Wartbichler und Mitarbeiterin Monika Niederl berichten.

Im Lauf des Lebens ändern sich die Bedürfnisse von Menschen. Deshalb bietet LebensGroß auch Senior:innen mit Behinderungen spezielle Angebote
© LebensGroß
Im Lauf des Lebens ändern sich die Bedürfnisse von Menschen. Deshalb bietet LebensGroß auch Senior:innen mit Behinderungen spezielle Angebote

Wenn Konrad Wartbichler und Monika Niederl miteinander in der Küche stehen, herrscht unausgesprochene Einigkeit. Während Monika die Zwiebeln schneidet, bereitet Konrad das Fleisch vor. Beginnt sie mit der Zubereitung der faschierten Laibchen in der Pfanne, macht er inzwischen die Küche sauber. Seit 20 Jahren begleitet Monika Niederl Konrad Wartbichler mittlerweile in Wohneinrichtungen von LebensGroß – zuerst im weststeirischen Söding und seit 2015 in Lieboch. Seit 1998 ist sie als Sozialpädagogin für die gemeinnützige Organisation tätig. „Und ich könnte mir keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen“, schwärmt Monika Niederl.

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Das Wissen im Bereich Wohnunterstützung bei LebensGroß ist groß. Vor 65 Jahren wurde die Organisation gegründet. Das erste Projekt war damals ein Wohnhaus in Söding. Heute wohnen rund 280 Menschen in LebensGroß-Häusern
Das Wissen im Bereich Wohnunterstützung bei LebensGroß ist groß. Vor 65 Jahren wurde die Organisation gegründet. Das erste Projekt war damals ein Wohnhaus in Söding. Heute wohnen rund 280 Menschen in LebensGroß-Häusern © LebensGroß

Keine Begleitung nach Schema F.

Es sei die Nähe zu den Bewohner:innen, die diese Arbeit trotz Wochenenddiensten auch als Mutter so reizvoll macht. Monika Niederl schätzt die Flexibilität in ihrem alltäglichen Tun. Und die Grundhaltung, die bei LebensGroß vorherrscht. „Jeder Bewohner und jede Bewohnerin ist einzigartig und wird auch genauso wahrgenommen“, berichtet sie. „Bei uns gibt es keine Begleitung nach Schema F. Jeder einzelne Mensch wird in seiner Ganzheit wahrgenommen und individuell begleitet.“

So wie Konrad Wartbichler, der sich die Wohneinheit inmitten einer größeren Wohnsiedlung mit zwei weiteren Männern teilt. „Ich habe ein eigenes Zimmer mit Bad und WC. Ich wasche meine Wäsche selbst und achte darauf, dass alles sauber ist.“ Unter der Woche arbeitet der 76-jährige Künstler trotz seines hohen Alters im Randkunst Atelier von LebensGroß. In Pension zu gehen ist für ihn keine Option, obwohl das seit einer Gesetzesnovelle in der Steiermark mittlerweile auch für Menschen mit Behinderungen möglich ist.

Inklusives Altern

Die gemeinnützige Organisation LebensGroß begleitet Menschen aller Altersgruppen. Gerade für Menschen mit Behinderungen im Alter wurde viel Expertise erarbeitet.

  • Im Laufe des Lebens ändern sich die Bedürfnisse von Menschen. LebensGroß bietet Senior:innen mit Behinderungen in den Tageszentren und Senior:innen-Gruppen deshalb ein speziell auf deren Bedürfnisse ausgelegtes Angebot.
  • Demenz im Alter bei Menschen mit Behinderungen ist ein großteils unerforschtes Thema. Expert:innen von LebensGroß haben sich großes Fachwissen angeeignet, das sie intern wie extern weitergeben.
  • LebensGroß hat sich jahrelang für eine „Pensionsregelung“ für Menschen mit Behinderungen eingesetzt. 2024 wurde diese im Steiermärkischen Landesgesetz verankert. Wohnversorgung, Tageszentren und „Pensionen“ werden vom Land Steiermark finanziert.

Altern als Herausforderung

Generell rückt das Thema „Altern“ in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen immer stärker in den Fokus. Denn mittlerweile sind 41 Prozent jener Menschen, die in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe betreut werden, älter als 50 Jahre. Nicht alle sind so rüstig wie Konrad Wartbichler. „Natürlich bringt das Altern für die Begleitung neue Herausforderungen“, weiß auch Susanne Maurer-Aldrian, Geschäftsführerin von LebensGroß. „Dabei geht es nicht nur um medizinische, sondern auch soziale Aspekte“. Viele ältere Menschen mit Behinderungen hätten keine Angehörigen. Vereinsamung (auch in Pflegeheimen) oder Überforderung am Arbeitsplatz sind bei Menschen mit Behinderungen ebenso ein Problem wie beim Rest der Bevölkerung. LebensGroß hat deshalb, finanziert vom Bund, im Jahr 2022 eine Studie zum Thema „Inklusives Altern“ in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass es kaum strukturelle oder systemische Antworten für diese Herausforderungen gibt. „Bei LebensGroß sehen wir es als unsere Aufgabe Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das Altern auch für Menschen mit Behinderungen ein erfüllender Lebensabschnitt sein kann“, so Susanne Maurer-Aldrian.

Gemeinsam Grenzen überwinden

Konrad Wartbichler ist mit seinem Leben zufrieden. Wenn es das Wetter zulässt, ist er regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs. Erst kürzlich hat er sich ein neues gekauft. Es ist sein ganzer Stolz. „Konrad hat im Fahrradraum einen Pinsel und Lack. Sobald ein kleiner Kratzer am Rad ist, wird das sofort ausgebessert“, berichtet Monika Niederl. Begeistert erzählt Konrad Wartbichler von seinen Touren, die ihn nach Söding, Mooskirchen oder Frohnleiten führen. Er berichtet von Reisen, Lausbubenstreichen und Bekannten, die er regelmäßig in ganz Österreich mit der Bahn besucht. „Was soll ich denn zu Hause? Herumsitzen?“, fragt er mit einem Grinsen im Gesicht. „Nein. Ich liebe meine Arbeit im Atelier und wenn ich Urlaub habe, bin ich unterwegs.“

Manchmal auch mit Monika Niederl. „Früher waren wir manchmal im Schwimmbad oder haben größere Ausflüge gemacht“, berichtet die Pädagogin. „Jetzt gehen wir eher spazieren und ins Kaffeehaus. Wir werden ja miteinander älter“, schmunzelt sie. „Langweilig wird es aber dennoch nie. Weil das Leben – auch im Alter – bunt ist und wir gemeinsam Grenzen überwinden.“

„An meiner Arbeit bei LebensGroß schätze ich die Flexibilität. Und die Grundhaltung den Menschen gegenüber. Jede:r wird in seiner Ganzheit wahrgenommen und individuell betreut.“

— Monika Niederl, Sozialpädagogin bei LebensGroß 
Monika Niederl,<strong> </strong>Sozialpädagogin&nbsp;bei LebensGroß&nbsp;
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Monika Niederl,<strong> </strong>Sozialpädagogin&nbsp;bei LebensGroß&nbsp;

Mehr zu LebensGroß:

Aktuell begleiten rund 1.800 Mitarbeiter:innen bei LebensGroß etwa 11.000 Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Hier geht es zum LebensGroß-Jobportal.

Um die Vision einer fairen Gesellschaft für alle voranzutreiben, sind Spenden eine wichtige Unterstützung. Hier gibt es Informationen zu den LebensGroß Spenden-Projekten.

Entstanden in Kooperation mit LebensGroß.