Steirer sehen Rüstungsindustrie als Chance: Das steckt dahinter
Der ACstyria lotet Chancen und Risiken im Defense- und Security-Bereich aus. In welchen Bereichen die Unternehmen das neue Geschäftsfeld bearbeiten wollen – und wo ethische Grenzen eingezogen werden.

Noch nie war eine Veranstaltung des ACstyria so schnell ausgebucht: Das Thema Security und Defense zieht die steirische Wirtschaft in ihren Bann. Während die steirische Automobilbranche herausfordernde Zeiten durchlebt, wird das neue Geschäftsfeld angesichts der aktuellen Weltlage zum Thema der Stunde. Das Umparken im Kopf hat begonnen, die Business Lounge des ACstyria in der Pankl Academy wurde zum großen Netzwerktreffen, um Chancen und Risiken auszuloten. Der Cluster, der sich in den letzten Jahren Schritt um Schritt vergrößert hat (Flugzeuge, Bahn) setzt sein viertes Geschäftsfeld in den Mittelpunkt.
Themenschwerpunkte? Dual-Use-Kompetenzen, also Produkte die zivilen und im Defense-Bereich verwendet werden können – etwa in der Cybersecurity, bei der Materialentwicklung, Sensorik, Antriebstechnik oder in Luftfahrttechnologien. Christa Zengerer, Geschäftsführerin des ACstyria erklärt ohne Umschweife: „Der Wandel ist nicht neu, er ist eine Notwendigkeit. Es gibt riesige Chancen, es ist viel Geld im Umlauf.“

Drohnen und Helikopter fliegen mit steirischer Technik
Längst ist durchgesickert, dass prominente steirische Firmen schon mittendrin im Geschäft sind. Wolfgang Plasser, CEO von Pankl, spricht es etwa offen aus: „Pankl ist seit 1994 in der Luftfahrt tätig, damit sind wir auch im Verteidigungsbereich.“ Helikopter, Drohnen, alles im Teile-Portfolio, der Umsatz soll von 20 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro im Defense-Bereich gesteigert werden. „Europa muss nachrüsten, es kann nicht sein, dass wir nur auf den Schutz von Partnern warten“, so Plasser.
„Wir dürfen nicht vorbeischauen“
Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer sieht es als Chance und als Notwendigkeit die Scheu vor dem Thema abzulegen. „Natürlich im ethischen Einklang mit unseren Gesetzen. Es gibt Programme, an denen wir nicht vorbeischauen dürfen. Die Verteidigung beginnt bei der Sensorik und hört im Weltraum auf.“ Es gehe jetzt darum rechtliche Parameter und Zugänge zu schaffen. Ehrenhöfer erinnert auch: „Wir versuchen zu löschen, wenn es brennt, wir diskutieren noch immer, schon vor 30 Jahren haben wir von einer gemeinsamen Verteidigungspolitik gesprochen, heute schreien wir Feuer.“

Neue Perspektiven
Franz Posch, gebürtiger Steirer und bei Airbus tätig, appelliert freilich auch an die Politik: „Vernünftige Regelungen sind wichtig. Und darauf zu schauen, dass man nicht alles totreguliert.“ Er nennt ein Beispiel dafür, welche ungeahnten Perspektiven sich eröffnen können. Bei seinem Jobantritt wurden ihm Tests am Tornado Kampfjet im extremen Schallgeschwindigkeitsbereich gezeigt. Daraus habe sich auch – Dual Use einmal umgekehrt – ein Ultraschall-Zertrümmerer gegen Nierensteine entwickelt.
Herbert Decker, Geschäftsführer der „Maschinenfabrik Liezen und Gießerei“ (MFL) thematisiert den ethisch-moralischen Aspekt so: „Ich kann mir nichts Ethischeres vorstellen, als unser Land zu verteidigen. Darauf sollten wir stolz sein. Und daran sollten wir im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten arbeiten.“ Defense werde ein Geschäftsbereich der MFL bleiben, man werde sich aber weiter breit aufstellen.


