Warum das Bundesheer auch bewaffnete Drohnen kaufen will
Österreichs Militär sucht im Drohnenbereich den internationalen Anschluss. 315 kleine Aufklärungsdrohnen aus Israel sind bereits im Anflug.
Sie tragen süße Namen wie „Biene Maja“ und „Fliege Puck“, sind aber potenzielle Tötungsmaschinen. Fähnriche der Militärakademie Wiener Neustadt haben im Rahmen ihrer Ausbildung mit Unterstützung von Milizsoldaten Kleinstdrohnen nachgebaut, wie sie in der Ukraine tagtäglich zum Einsatz kommen. Bis auf die explosive Nutzlast (die wurde durch einen „Dummy“ ersetzt) sind alle Bauteile für jedermann leicht erhältlich, ein Exemplar kostet rund 400 Euro. Am Schlachtfeld schalten solche FPV-Drohnen sogar russische T-90 Kampfpanzer im Wert von mehreren Millionen Euro aus.

Oberst Markus Reisner, Leiter der Offiziersgrundausbildung an der Milak, versucht seit Jahren bei den angehenden Offizieren das Bewusstsein dafür zu schaffen, wie Drohnen die Kriegsführung revolutionieren und in welchem atemberaubenden Tempo ihre Entwicklung voranschreitet. Die Eigenbau-Quadrocopter der Fähnriche kommen beim österreichischen Bundesheer freilich nicht standardmäßig zum Einsatz, jedoch stehen dort auch bewaffnete Drohnen auf der langen Liste der anstehenden Beschaffungen. „Unsere Planer beschäftigen sich intensiv damit“, sagt Generalmajor Harald Vodosek, Rüstungschef im Verteidigungsministerium. Die Waffensysteme sollen künftig zur Luft-Boden-Unterstützung der Landstreitkräfte eingesetzt werden.
„Drohnen kann ich einsetzen wie Flugzeuge, nur, dass sie eben unbemannt sind. Und diese kann man auch bewaffnen“, so Vodosek im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. „Wir arbeiten gerade an der Leistungsbeschreibung für solche bewaffnete Drohnen“. Genauso Thema sei sogenannte „Loitering Munition“, auch Kamikaze-Drohnen genannt. Damit kann die Sprengladung von einem Operator präzise ins Ziel gesteuert werden. 2026 will die Rüstungsabteilung mit der Leistungsbeschreibung „auf den Markt treten“, wie Vodosek sagt. Über konkrete Typen oder Hersteller kann er freilich noch keine Auskunft geben. „Es gibt viele europäische Firmen, auch israelische, die Lösungen anbieten. Und wir versuchen dann, die beste Lösung für uns zu finden.“
Neue Gefechtstechnik-Drohnen des Bundesheeres
315 taktische Aufklärungsdrohnen vom Typ „Magni-X“ des israelischen Herstellers Elbit Systems sind derzeit im Anflug auf das Bundesheer. Der Quadrocopter ist rund 2 bis 3 Kilogramm schwer, faltbar und hat je nach Konfiguration eine Reichweite von 5 bis 10 Kilometer.
Die Kleindrohnen werden auf die Einsatzverbände des Bundesheeres aufgeteilt und sollen zur Aufklärung auf gefechtstechnischer Ebene beitragen. Eine Nutzung für Assistenzeinsätze im Bereich der Katastrophenhilfe oder im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz ist ebenso vorgesehen.

Wohin die Reise am Drohnensektor geht, skizzierte Oberst Thomas Kettinger beim Symposium „DroneVation & Defence“ am Dienstag in Wien. BVLOS, also der Flug außer Sichtweite des Drohnenpiloten, werde beim Bundesheer zum Regelbetrieb. Eingeführt würden die Drohnen sowohl bei den Land- als auch bei den Luftstreitkräften. „Vielleicht wird das sogar unsere größte Flotte“, so Kettinger. Der logistische Aufwand für Start und Landung sei möglichst klein zu halten – also keine Hilfsmittel. Vollautonome Systeme seien tabu, am Ende werde immer ein Mensch die Entscheidungen treffen. Und Kettinger hielt fest: „Die Erkenntnisse aus dem Ukrainekrieg muss man auf unsere Art der Landesverteidigung übertragen.“
Auch größere Reichweiten geplant
Ebenso auf der langen Liste des Bundesheeres steht die Beschaffung von Drohnen mit großer Reichweite und langer Flugzeit (MALE-Drohnen). Ab etwa 2029, der letzten Phase des „Aufbauplanes 2032+“, soll eine Staffel einsatzbereit sein. Mit diesen Systemen will man in der Lage sein, große Räume aus der Luft aufzuklären, wie es im aktuellen Landesverteidigungsbericht heißt.
Bei all den Beschaffungen achte man auf den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld, versichert Rüstungschef Vodosek. „Wir tun das nicht, weil wir eine große Masse an Waffen anreichern wollen. Für uns geht es um die Frage: Wie balanciert können wir die Sicherheit der Republik Österreich sicherstellen, wie können wir liberale Demokratie sichern, wie können wir die Freiheit der Österreicherinnen und Österreicher sichern.“
Einstieg in die Drohnenwelt vor zehn Jahren
Eingestiegen in die Welt der militärischen Drohnen ist das Bundesheer übrigens vor genau zehn Jahren. Die Einführung der französischen Aufklärungsdrohne „Trekker“ dürfte jedoch kein durchschlagender Erfolg gewesen sein. „Wir haben es nie geschafft, über den Status der Erprobung und Gefechtsvorführungen hinauszukommen“, wie Oberst Kettinger kritisch anmerkte. Daran seien nicht nur die budgetären Einschränkungen schuld gewesen. „Vielleicht haben wir auch nicht weit genug über den Tellerrand hinaus gedacht.“