Marco Haller: „Es ist kein Kraut gegen Pogačar gewachsen“
Knapp 1000 Kilometer sind bei der Tour de France von Tudor Pro Cycling-Profi Marco Haller absolviert. Warum den Kärntner die Auftritte von Vingegaard und Pogačar überraschen.

Das Peloton rollt nicht nur. Wie im Vorjahr hat der Tour-de-France-Konvoi vom Start weg richtig auf das Tempo gedrückt, spektakuläre Vorstellungen inklusive. Sechs Etappen sind auf der diesjährigen Tour de France absolviert. Insgesamt haben die Radprofis um Tadej Pogačar, Remco Evenepoel sowie die heimischen Athleten Felix Gall (Gesamt-18, +4:38 Minuten), Gregor Mühlberger oder Marco Haller bereits fast 1000 Kilometer in den Waden.
Vor allem dem Kärntner waren die bisherigen Strapazen auf der sechsten Etappe von Bayeux nach Vivre Normandie (201,5 Kilometer) nicht anzumerken. Entweder als „Wasserträger“ für Teamkollegen Julian Alaphilippe oder er versuchte sich als Unterstützer für Ausreißer Michael Storer und setzte sich damit immer wieder in Szene. Nach dem Pech des Franzosen auf der vierten Etappe (Defekt in der Schlussphase) sah Tudor Pro Cycling seine Chance: „Das Streckenprofil hätte auf uns gepasst. Aber das sahen auch andere Teams so“, sagt der 34-Jährige lächelnd.
Und so vergoldete sich der Ire Ben Healey einen 41 Kilometer langen, ambitionierten Soloritt mit seinem ersten Etappensieg bei der Tour de France. Der EF-Fahrer entfleuchte der Spitzengruppe und fuhr einen Vorsprung von 2:44 Minuten heraus (Simmons, Storer). Mathieu van der Poel holte sich nach nur einem Tag das Gelbe Trikot von Pogačar mit einer Sekunde Vorsprung zurück, der damit tags zuvor jedoch bereits gerechnet hatte: „Mein Ziel ist Paris und nicht solche Etappensiege.“ Auch wenn der Slowene an diesem Tag nicht seine Muskeln spielen ließ, befindet er sich weiterhin in Hochform.
Pogačar in eigener Liga
Im Peloton zeigt man sich nicht überrascht. Dass er ausgerechnet im Zeitfahren dem amtierenden Weltmeister Evenepoel die Stirn bieten konnte, seinem härtesten Konkurrenten Jonas Vingegaard jedoch eine Minute aufbrummte, sorgte für Ernüchterung. „Damit hat wirklich niemand gerechnet. Obwohl die Strecke auf Evenepoel zugeschnitten war. Aber das unterstreicht wieder, wie stark Pogačar ist. Wenn ihm kein Fehler unterläuft, ein Sturz oder ein Defekt im falschen Moment passiert oder erkrankt, dann sehe ich kein Kraut gegen ihn gewachsen“, meint Haller. Wobei der Kärntner auch bekräftigt, dass die Etappen, die Vingegaard besser zugutekommen, erst anstehen. „Aber er hätte sich wohl gewünscht, nicht so viel Zeit eingebüßt zu haben. Anfangs hat er richtig heiß gewirkt. Doch Pogačar und Team UAE lassen nichts zu.“
🇳🇱 @mathieuvdpoel crosses the line 3'58" after Ben Healy
— Tour de France™ (@LeTour) July 10, 2025
🏁 @mathieuvdpoel franchit la ligne 3'58" après Ben Healy#TDF2025 pic.twitter.com/OIrJsyYy5l
Mit Blick auf das Gesamtklassement sticht aktuell ein anderer Name hervor. Der Franzose Kevin Vauquelin aus dem Mini-Team Arkea-B&B Hotels, Träger des weißen Trikots, liegt auf dem vierten Platz. Haller: „Das hat sich abgezeichnet. Er hat bei der Tour de Suisse aufgezeigt und zählt sicher zur größten Zukunftshoffnung der Franzosen.“
Tudor zufrieden
Zurück zu Team Tudor Pro Cycling: Hallers Teamkollege Storer stellte mit dem dritten Platz einmal mehr das Potenzial des Rennstalls zur Schau. „Der Auftakt war sehr gut, hat uns die Führung der Mannschaftswertung beim allerersten Antreten bei der Tour gebracht. Wir können wirklich zufrieden sein. Und auf den bisherigen Etappen sind wir sturzfrei durchgekommen – das ist nicht selbstverständlich“, meldete sich der Klagenfurter aus der Normandie.
Nach den 3500 Höhenmetern wartet am Freitag mit etwa 200 Kilometern und 2450 Höhenmetern die nächste Aufgabe. Erneut darf mit einem chaotischen Rennen gerechnet werden. Es könnte möglicherweise die nächste Überraschung liefern.