Graz rechnet mit 20 Millionen Euro an Kosten für den Song Contest
Jetzt können österreichische Städte beim ORF ihr Interesse an der Austragung des ESC 2026 bekunden. Es braucht eine Halle für 10.000 Menschen, die acht Wochen frei sein muss.

Am Montag hat der ORF das Dokument zur „Interessensbekundung“ veröffentlicht und damit den Bewerbungsprozess für die Austragung des Eurovision Song Contest (ESC) 2026 offiziell gestartet. Ob sich Graz final bewerben wird, ist noch nicht entschieden. Vor allem die finanzielle Rentabilität muss geprüft werden.
So läuft die Bewerbung ab
Innsbruck, Wels gemeinsam mit Linz, Oberwart, St. Pölten, Ebreichsdorf, Wien und auch Graz haben bereits öffentlich erklärt, für die Austragung des Mega-Events bereit zu sein. Ob sie die Kriterien erfüllen, wird aber erst geprüft werden. In einem ersten Schritt müssen die Bewerberinnen die Mindestanforderungen erfüllen: Eine Veranstaltungshalle, die für insgesamt acht Wochen exklusiv für die ESC-Austragung zur Verfügung stehen kann und eine Kapazität von 10.000 Personen aufweist, eine gute internationale Verkehrsanbindung, ausreichende Unterkünfte und die organisatorische und sicherheitstechnische Kompetenz sowie eine nachhaltige Umsetzung.
Wer diese Bedingungen erfüllt, kann anhand des neunseitigen Dokuments „ehrliches Interesse“ an der Austragung bekunden und erhält im Anschluss die genauen Kriterien und Auflagen. Der gesamte Bewerbungsprozess wird am 4. Juli abgeschlossen. Der ORF verspricht ein „transparentes, zügiges und faires Auswahlverfahren mit rechtsanwaltlicher Begleitung“.
Graz prüft ESC-Bewerbung genau
Die Mindestanforderungen erreicht Graz nicht nur, sondern übertrifft sie teilweise sogar: Die Grazer Messe mit ihrer Stadthalle bietet mit rund 15.000 Plätzen mehr als ausreichende Kapazität. Die Stadt punktet außerdem mit einer guten Infrastruktur, internationalen Anbindungen und ausreichend Unterkünften. Damit stehen die Zeichen für Graz gut – dennoch wird die Stadt den Bewerbungsprozess mit Bedacht angehen.
„Die Stadt Graz ist gerade dabei, das Dokument genau zu lesen“, heißt es aus dem Büro der Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). Man werde es nach der Überprüfung aber „natürlich einreichen“ und zeitnah abschicken. Dennoch: „Wir werden nicht blauäugig an den ESC herangehen.“ Der ESC wäre für Graz das erste Mega-Event dieser Größenordnung und das größte seit dem Kulturhauptstadtjahr 2003. Die finale Entscheidung, ob Graz die Austragung stemmen kann, würde von der genauen Kriterienliste abhängen und vor allem von der finanziellen Machbarkeit. „Es wäre schön, wenn alle Kriterien erfüllbar sind, aber es muss sich auch finanziell lohnen.“
Wenn der ESC klingelt: Kassa oder Kosten?
Der ESC verspricht wirtschaftliche Vorteile, wie Beispiele aus Liverpool 2023 und Basel 2024 belegen: Millionenumsätze, ausgelastete Hotels und internationale Aufmerksamkeit. Obwohl man im Bürgermeisterinnenamt mit überwiegend positiven Effekten rechnet, weist man aber auch auf kritische Punkte hin: „Die Teuerung in der Gastro ist das Hauptargument dagegen. Die Hotellerie hat für den Mai kommenden Jahres schon die Preise angezogen.“ Man erwartet, „dass auch die Gastrobetriebe zumindest für diesen Zeitraum die Preise erhöhen werden.“
Auch die finanzielle Belastung wirft noch Fragen auf: „Wie viel die öffentliche Hand investieren muss, ist noch nicht klar.“ Basel musste für die Austragung einen Kredit von umgerechnet 39 Millionen Euro aufnehmen. Im Büro von Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) rechnet man gegenüber dem ORF für den Fall der Fälle mit 20 Millionen Euro an Kosten für die Stadt. Die Rechnung dahinter: ORF, Land und Stadt würden sich dann die Kosten dritteln.
Die Gewinne durch den ESC würden „nur langsam und indirekt wieder bei der Stadt ankommen“, erklärt man im Grazer Rathaus, während die Einnahmen vor allem den lokalen Unternehmen zugutekämen. Die lokale Wertschöpfung durch den ESC in Basel betrug rund 66 Millionen Euro. Auch in Graz ist man überzeugt, dass der ESC „einen langfristigen positiven Effekt für Graz“ bringe – mit schnellen Gewinnen für die Stadt könne aber nicht gerechnet werden.
Grazer SPÖ fordert Prüfung bei Bundesregierung
Vom wirtschaftlichen Nutzen gänzlich überzeugt ist hingegen die Grazer SPÖ. Sie will die Bundesregierung und Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) dazu bewegen, die wirtschaftlichen Potenziale zu überprüfen, um Graz als Austragungsstandort für den ESC zu stärken. SPÖ-Gemeinderätin Anna Robosch sieht den größten wirtschaftlichen Nutzen in Graz gegeben, da im Frühjahr Wien und Innsbruck ohnehin gut ausgelastet seien. „Die zentrale Hauptfrage bei der Auswahl des Austragungsorts für den Eurovision Song Contest 2026 sollte lauten: Wo erzielt die Republik Österreich den größten gesamtwirtschaftlichen Nutzen? Hier hat Graz eindeutig die Nase vorne“, so Robosch. Der Dringliche Antrag wird am Donnerstag Thema im Grazer Gemeinderat.
Graz macht den ersten Schritt zum ESC
Unabhängig davon will die Stadt Graz den ersten Schritt zur ESC-Bewerbung gehen und die Interessensbekundung „zeitnah“ einreichen. Doch im Bürgermeisterinnenamt macht man klar: „Erst wenn die Kosten bezüglich etwaiger Investitionen abschätzbar sind, kann eine endgültige Entscheidung getroffen werden.“ Neben den vielen Vorteilen wie erhöhter Sichtbarkeit, Tourismus und Imagepflege müsse die Stadt auch die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen realistisch abwägen. Die finale Entscheidung, wo der ESC 2026 stattfindet, soll bis 8. August fallen.
